Birmensdorf (ZH)

Der Verein Wabe besucht London

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Der Verein WABE Limmattal (Wachen und Begleiten kranker und sterbender Menschen) besteht seit gut 10 Jahren. Zum Jubiläum und dank spezieller Sponsoren durften wir ehrenamtlich tätigen Helferinnen und Helfer 3 Tage nach London. Ziel dieser Reise war das Kennenlernen des Hospiz- und Palliative Care Gedankens in England.

Die Pionierin der Hospiz- und Palliativbewegung in London war Cicely Saunders (1918-2005). Sie machte sich während gut 20 Jahren viele Gedanken und eröffnete 1967 das weltweit erste stationäre Hospiz St. Christopher’s. Es richtet sich überkonfessionell an alle sich am Lebensende befindenden Menschen, basiert jedoch auf einem christlichen Menschenbild. Ihre schlichte Aussage lautete: Watch with me - Wachet mit mir (Mk 14,34). Wachen heisst: wahrnehmen, dasein, da bleiben.

Cicely Saunders Anliegen war es, den sterbenden Menschen mit all seinen Bedürfnissen (physisch, sozial, spirituell, mental) und in Zusammenarbeit mit Angehörigen und allen Bezugspersonen in den Mittelpunkt der Begleitung zu stellen.

Wir besuchten am ersten Tag das St. Christopher’s Hospiz.

Die dortigen Leitsätze nach Cicely Saunders lauten:

„Den Tagen mehr Leben geben, nicht dem Leben mehr Tage“

„Du zählst, weil du bist. Und du wirst bis zum letzten Augenblick deines Lebens eine   Bedeutung haben“

Zu einem erfüllten Leben gehört ein würdevoller Tod. Eine grosse Rolle spielt in diesem Zusammenhang die Linderung von Schmerzen und anderen Symptomen wie Atemnot, Übelkeit oder Angstzuständen. Das Hospiz kümmert sich ebenso um die psychischen, sozialen und spirituellen Bedürfnisse der Menschen am Lebensende. Nebst den knapp 50 Patienten im St. Christopher‘s werden mehrheitlich Menschen zuhause betreut. Wir waren sehr beeindruckt vom Mal- und Musikraum, dem Trainingsraum sowie dem Begegnungsraum, welcher für ALLE offen steht, um einen Hauch von Normalität ins Haus zu bringen.

Ambulanter Hospizdienst
Haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter besuchen unheilbar Kranke zu Hause. Sie beraten und helfen den Angehörigen. Zudem unterstützen sie den Arzt- und Pflegedienst. Ganz individuell und exakt wird jene Hilfestellung und Unterstützung gegeben, welche wichtig ist.

Stationäres Hospiz
Schwerstkranke, die nur noch kurze Zeit leben und intensive Betreuung benötigen, welche zuhause oder im Heim nicht möglich ist, werden hier umsorgt und auf ihrem letzten Weg begleitet. Das betreuende Team aus Pflegenden, Hauswirtschaftskräften, Sozialarbeitern, Therapeuten, Seelsorgern und ehrenamtlichen Helfern stellt den Erhalt der Lebensqualität der Kranken in den Mittelpunkt.

Ehrenamtliche Helfer
Eine wichtige Unterstützung sind die ehrenamtlichen Hospizhelfer. Sie betreuen Patienten und Angehörige, bringen Zeit und Bereitschaft für Gespräche mit, hören zu oder sind einfach nur da. Sie begleiten auch bei Spaziergängen, Einkäufen oder Arztbesuchen, übernehmen Tag- oder Nachtwachen und die führen die Charity Shops. Die Hospizhelfer werden sorgfältig geschult und auf ihre Aufgabe vorbereitet.

Am nächsten Tag durften wir im St. Thomas Hospital mehr über die Arbeit betreffend Palliative und Spiritual Care erfahren. Dieses Spital ist das älteste von London, liegt am Themseufer, gleich gegenüber vom Parlament und ist somit sehr zentral. Schon beim Eintreten wurden wir positiv überrascht, da die Atmosphäre wegen einigen Läden und Restaurants nicht spitalmässig wirkt.

Die Referenten erklärten uns, wie wichtig ihnen die Betreuung von Patienten zuhause ist. Wenn ein schwerkranker Mensch nach Hause darf, arbeiten die Pflegefachpersonen des Spitals eng mit den Gemeindeschwestern und Hausärzten zusammen. Sie unterstützen auch die Angehörigen für eine optimale Pflege in den eigenen 4 Wänden. Die Schweiz kann sich in dieser Hinsicht sicher noch verbessern. Diese spitalinterne und –externe Vernetzung zum Wohle schwerstkranker Menschen und deren Familien hat uns tiefst beeindruckt.

Ein ebenfalls bewegendes Thema war die fundierte, gut integrierte Spiritual Care, die sowohl durch Spitalseelsorgende wie auch durch intensiv geschulte Freiwillige geleistet wird.

Spannend fanden wir daher das Thema „freiwillige Arbeit“. Bevor jemand ehrenamtlich zum Einsatz kommt, gibt es eine mehrtägige Schulung zu folgenden Punkten: Spitalhygiene, Spitalregeln, Konfliktbewältigung, Kommunikation, medizinische Grundlagen, ethische Fragen und Glaubensfragen etc. Die verschiedenen Kulturen und Sterberituale verlangen grosses Wissen von allen. Danach werden die Freiwilligen in verschiedenen Bereichen eingesetzt. Zum Beispiel betreuen sie externe Dialysepatienten, bringen Kuchen und Tee auf die Abteilungen (Tea time ist traditionell in England), sprechen mit neu eingetretenen Patienten und schauen, was sie nebst der medizinischen Versorgung brauchen. Zudem leisten sie Hilfe zur Selbsthilfe.

Eine interessante Stadtrundfahrt und ein paar freie Stunden am dritten Tag rundeten unseren informativen und spannenden Besuch in London ab.

Ein herzliches und grosses Dankeschön an alle Sponsoren und Organisatoren

Sr. Elisabeth Müggler und Peter Heinzer

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