Unterengstringen

Das schizophrene Verhältnis eines Teil unserer Gesellschaft zum Lärm

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Kürzlich hat ein sympathischer Herr unter der Rubrik „Begegnungen“ seinem Beitrag den Titel "Der Verkehrslärm hat die Lebensqualität abgewertet" gegeben. Dieser Artikel zeigt stellvertretend und ganz typisch, welch schizophrenes Verhältnis ein grosser Teil der motorisierten Verkehrsteilnehmer zum Thema Lärm hat, denn trotz Mehrverkehr würde ja der technische Fortschritt erlauben, die Lärmbelastung zu reduzieren.

Dagegen gibt’s aber grossen Widerstand vor allem von Seiten der meisten Motorradfahrer und fast aller Besitzer von platt gewalzten, vierrädrigen Vehikeln und Möchtegernbrüllern. Diese Leute verlangen nicht nach weniger, sondern nach noch mehr Lärmmöglichkeiten, womit sie die Umwelt mutwillig beschallen können. Unverständlicherweise wird dies sogar vom Gesetz und der Politik dank der Lärmlobby in Bern heute immer noch toleriert, obwohl es eigentlich grundsätzlich verboten ist, mutwilligen Lärm zu produzieren, was zigtausend Verkehrsteilnehmer tagtäglich ganz offensichtlich machen.

Wenn sich nun immer wieder ausgerechnet diejenigen über den Verkehrslärm beschweren, die selber ein Freizeitgerät betreiben, mit welchem mutwillig, "just for fun" Lärm generiert wird, ist dies - gelinde gesagt - sehr befremdend, aber leider immer wieder zu beobachten. Denn genau wegen dieser Einstellung hört man an schönen Sommertagen am Splügen, Julier und anderen Pässen nur noch diesen absichtlich generierten, bestialischen Lärm, der den normalen Verkehrslärm zigfach übertrifft. Auch in den Städten und auf dem Land sind diese Vehikel mit eingebautem Lärmgenerator zu einem Dauerärgernis geworden.

Ich frage mich, wissen die Leute vielleicht gar nicht, wie extrem egoistisch und umweltzerstörend sie sich mit ihrem „Lärmhobby“ verhalten oder finden sie tatsächlich, dass die moderaten, nicht zu verhindernden Fahrgeräusche schlimmer sind als der eigene, mit voller Absicht auf maximale Dezibels getrimmte Lärmoutput?

Nachdem man das Problem jahrzehntelang einfach schlitteln liess, ist es heute dermassen gravierend und flächendeckend, dass es dringendst wirksame Massnahmen braucht, vergleichbar mit denjenigen gegen Raserei, wo auch lange geschlafen wurde. Appelle an die Vernunft bringen leider nichts, denn für diese Leute muss ihre Mobilität zwingend mit möglichst viel Lärm verbunden sein auch wenn sie zuhause ihre Ruhe haben wollen. Ist dies nicht äusserst schizophren?

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