Urdorf

Brückenbauer zwischen Religionen besuchte Pfarrei Urdorf

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Bischof Samaan mit Jugendlichen

Bischof Samaan mit Jugendlichen

ST  Für die Pfarrei Urdorf war es eine Besonderheit, am letzten Wochenende Bischof Dr. Kyrillos Kamal Samaan aus Assiut (Aegypten) als Firmspender zu begrüssen. Der Vertreter der koptisch-katholischen Kirche weilte auf Einladung des Hilfswerks “Kirche in Not” in der Schweiz. Er ist in seiner Heimat als Brückenbauer zwischen den Religionen und Botschafter christlicher Märtyrer bekannt. Durch besonderen Umstand erfuhren die Urdorfer den hohen Besuch aus dem Nahen Osten.

Der Kath. Pfarrei Urdorf wurde von der Bischofsleitung vor längerer Zeit die Firmung durch den Diözesanbischof oder dessen vorübergehenden Vertreter in Aussicht gestellt. Da der Apostolische Administrator des Bistums Chur das vereinbarte Datum nicht wahrnehmen konnte, wurde es durch Vermittlung des Hilfswerks „Kirche in Not“ möglich, Bischof Samann zu gewinnen, welcher seit Jahren Kontakte zur Hilfsorganisation unterhält und deshalb in der Schweiz nicht unbekannt ist. Der Gast aus Aegypten konnte zwölf jungen Urdorfern das Firmsakrament spenden.

Neue Hoffnungen für Christen in Aegypten

Bekanntlich litten die Christen als Minderheit in Aegypten während Jahrzehnten unter Diskri­minierungen durch den Staat und andere Religionsgemeinschaften. Dabei gab es gar unzählige Märtyrer zu beklagen. Es gibt, wenn auch in geringerer Zahl, in einzelnen Landesteilen noch heute Anschläge durch Extremisten. Wie Bischof Samaan nun anlässlich eines Gespräches am Rande der Firm-Feierlichkeiten in Urdorf mitteilte, bestehen neue Hoffnungen auf ein friedliches Zusammen­leben, welches vom Staat, insbesondere durch Präsident Abdel Fatah El-Sisi, gefördert wird. Wird eine neue Stadt gebaut, erhalten nicht nur die Muslime Anrecht auf ihre Moscheen sondern die Christen ebenso auf christliche Kirchen, was dem Willen einer Mehrheit der muslimischen Bevölkerung entspricht. Es gibt paritätisch zusammengesetzte Entwicklungsbüros, welche vom Staat begründet wurden und sich für das friedliche Zusammenleben aller Aegypter stark machen. Bischof Samaan gilt als Förderer solcher interkonfessioneller Dialoge.

Von den rund 100 Millionen Einwohnern Aegyptens beträgt der Anteil Christen etwa 10 %. Die meisten von ihnen sind Orthodoxe. Koptisch-katholische Christen leben bloss rund 250‘000 im grossen Staat am Nil, evangelische Christen sind ein bisschen mehr. Auch wenn sie eine Minderheit sind, haben die Katholiken in Aegypten in letzter Zeit an Anerkennung gewonnen. Vor allem die Annäherung zwischen dem Oberhaupt der sunnitischen Muslime, Grossimam Ahmad El-Tayyeb von Al-Azhar, die grösste Autorität im sunnitischen Islam, und Papst Franziskus an der interreligiösen Konferenz vom vergangenen Frühjahr in Abu Dhabi hat wesentlich zur Verbesserung des Verhältnisses beigetragen.

Christliche Schulen und Spitäler sind beliebt

Bischof Samaan bezeichnet die Menschen in Aegypten als religiös. Der Wille, in Liebe und Frieden miteinander zusammenzuleben, kommt von Herzen. Eine gute Grundlage dafür bilden die vorwiegend von Nonnen und Patres geführten christlichen Schulen, welche sogar bei vielen muslimischen Gläubigen beliebt sind. Sie haben grosses Vertrauen in die Qualität der Ausbildung sowie der Erziehung. Die katholische Kirche betreibt landesweit 170 Privatschulen. Da viele Lehrkräfte ihre Ausbildungen im Ausland bezogen haben, besteht Offenheit gegenüber allen Bevölkerungsschichten, was geschätzt wird. Zudem wird Wert auf die Unterrichtung in arabischer Sprache gelegt.

Eine wichtige Bedeutung für das friedliche interkonfessionelle Zusammenleben kommt dem Gesundheitsbereich zu. In den von Katholiken betriebenen Krankenhäusern werden oft Ordens­frauen als Krankenschwestern eingesetzt. Diese geniessen zufolge ihrer Herzlichkeit und Liebe gegenüber allen Menschen bei vielen Muslimen grosses Vertrauen und Sympathien. Selbst wenn die kirchlichen Krankenhäuser keine Unterstützung durch die Versicherungen geniessen, erfreuen sie sich der Beliebtheit der Bevölkerung. Das rührt aber auch daher, weil die christlichen Kranken­häuser fachkompetent arbeiten.

Als aktuelles Anliegen bezeichnet Bischof Samaan die Errichtung kleiner Krankenstationen in den Dörfern, damit in Notfällen gleich erste Hilfe geleistet werden kann. Da seitens des Staates zwar Wohlwollen besteht, jedoch keine materielle Hilfe für solche Projekte erbracht werden, ist die katholische Kirche auf ausländische Unterstützung angewiesen. Diese erhält sie aus westlichen Staaten, vor allem durch das Hilfswerk “Kirche in Not”, was der Bischof lobend erwähnt.

Abbau von Vorurteilen

Ein Hinweis darauf, dass sich das interkonfessionelle Verhältnis in Aegypten in letzter Zeit entspannt, ist auch der Umstand, dass in den sozialen Medien mehr über christliche Angelegenhei­ten berichtet wird als früher. Der Zugang zu öffentlichen Aemtern war Christen über Jahre hinaus consequent verwehrt, ebenso die Entfaltung im gesellschaftlichen Bereich. Heute gibt es immerhin drei christliche Gouverneure, darunter eine Frau. Nach anfänglichen Protesten von Islamisten zeigen sich diese heute zufrieden, weil sie von der Arbeit der Christen in den Staatsämtern über­zeugt werden konnten.

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