Birmensdorf (ZH)

Baden im Fieber der Kuren und Amouren

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12 Personen (darunter auch 2 Männer!) machten sich im Bäderquartier in Baden auf Spurensuche. Der erste Eindruck war etwas zwiespältig. Vieles machte einen etwas heruntergekommenen Eindruck, auch die Luft roch eher unangenehm. Unsere Führerin, Silvia Hochstrasser, lieferte uns die Erklärung zu diesem Geruch

postwendend: Sie liess uns nämlich vom Badener Thermalwasser kosten! Dieses kommt mit 47° an die Oberfläche und enthält vor allem Natrium, Kalzium, Magnesium und Schwefel, daher der „Duft“ (für die Thermalbäder wird das Wasser selbstverständlich gefiltert, der „Duft“ nach faulen Eiern eliminiert!). Diese Wasserdämpfe sind denn auch recht aggressiv, Farben halten etwa zwei Jahre, danach beginnen sie bereits wieder abzublättern. Auch der verlassene Eindruck täuschte nicht. Nach und nach wurden die grossen Hotels geschlossen (der Verenahof 2002), das Thermalbad 2012. Allerdings existieren bis heute der „Limmathof“ sowie das „Hotel Blume“. Ein Besuch desselben lohnt sich schon deshalb, weil darin der älteste Lift, „Schindler Nr. 2“, zu sehen ist, für den es längst keine Ersatzteile mehr gibt. Diese müssen jeweils von Hand speziell angefertigt werden!

Bereits die Römer entdeckten und nutzten die warmen Quellen am Limmatufer. Seit dieser Zeit wurde an diesem Ort gebadet, gefeiert und genossen, wie dies in einem Gedicht von David Hess gar trefflich beschrieben wird:

„Das Weib ging hin auf des Mannes Rat,

weiss nicht, wie es ging,

günstig war die Stund,

schwanger war das Weib, die Magd, der Hund.“

Ihre Blütezeit erlebte die Bäderkultur in Baden aber im 18. Jahrhundert: Vor allem auch viele Zürcher kamen nach Baden zur Kur, so z.B. Martin Usteri und sogar der berühmte Schriftsteller Hermann Hesse. 1847 wurde dann die erste Eisenbahn der Schweiz, die „Spanischbrödlibahn“, gebaut, welche die heiss­ge­liebten „Spanischbrödli“, deren Verkauf im zwinglianischen Zürich verboten war, noch backwarm von Baden nach Zürich brachte.

Total 18 Quellen liefern ca. 900‘000 l/Tag, sind aber alle in Privatbesitz! Weshalb das Wasser gerade hier an die Oberfläche dringt, weiss niemand so genau. Klar ist, dass dies den speziellen geologischen Gegebenheiten zu verdanken ist. Da niemand vorhersagen kann, was nach etwaigen Erdgrabungen geschieht, erschwert dies Bauvorhaben ungemein. Im schlimmsten Fall könnten nämlich die Quellen versiegen! Allerdings soll das Bäderquartier eine Renaissance erleben: Am 17. Juli 2015 ist das Baugesuch für das neue Thermalbad sowie das Ärzte- und Wohnhaus von Mario Botta eingereicht worden. Die Bauruinen der Hotels Verenahof, Bären und Ochsen sollen zu neuen Oasen für Gesundheit, Rehabilitation und Prävention werden. Für die Eröffnung ins Auge gefasst worden ist der Verenatag, also der 1. September 2018.

Frauenverein Birmensdorf, Andrea Streif 

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