Anpacken anstatt Jammern

Stimmiger Neujahrsapéro in Lostorf

VON RAPHAELA GLÄTTLI-GYSI

William Shakespeare habe einmal gesagt: „Beklage nicht, was nicht zu ändern ist, aber ändere, was zu beklagen ist.“ Falls jemand noch keinen Neujahrsvorsatz gefasst habe, sei der Spruch wohl ein sinnvoller, so der Lostorfer Gemeindepräsident Thomas Müller am Neujahrsapéro am vergangenen Sonntag in der Dreirosenhalle. In diesem Sinne begrüsste er die rund 160 Besucher. Es sei ein schöner Brauch, gemeinsam auf das neue Jahr anzustossen. Besonders die Neuzugezogenen hiess er herzlich willkommen, im vergangenen Jahr seien immerhin 117 Personen neu nach Lostorf gezogen und bis dato nicht wieder abgereist. Sie hätten alle eine spezielle Einladung erhalten und er freue sich auch mit ihnen beim anschliessenden Apéro anzustossen. Er habe sich obigen Spruch im letzten Jahr zu Herzen genommen. Er und seine Ratskolleginnen und –kollegen seien bestrebt, Themen aufzugreifen, die für die Dorfbevölkerung wichtig und von Nutzen seien aber auch Sachverhalte zu klären, die man ändern oder verbessern sollte. Anpacken, anstatt jammern, heisse seine Motivation.

Rückblick auf ein ereignisreiches Jahr

Im internationalen Kontext gäbe es für ihn drei hervorzuhebende Ereignisse, so Müller. Das Verhältnis unter den Grossmächten USA, Russland und China habe sich besorgniserregend verschlechtert, zwischen den USA und China tobe ein regelrechter Handelskrieg. Aufrüstung, Wirtschaftssanktionen, Beeinflussung der Wahlkämpfe seien in seinen Augen Anzeichen, dass man sich leider wieder in Richtung eines kalten Krieges bewege, sagte Thomas Müller. Ein ganz anderes Thema, welches den Gemeindepräsidenten im vergangenen Jahr bewegt habe, sei der Brückeneinsturz in Genua gewesen. „Ich war der festen Überzeugung, dass bei uns in Westeuropa eine Autobahnbrücke nicht einstürzen kann, weil gerade Brücken jederzeit überprüft und frühzeitig saniert werden müssen“, ergänzt Müller. Bei Fahrten in Italien sei es ihm seither nicht mehr ganz wohl. Ein drittes Ereignis sei die politisch kaum fassbare Bürgerbewegung ‚Gilets jaune’. Aus einer Demonstration gegen eine erhöhte Benzinbesteuerung gegen den französischen Präsidenten Macron sei eine Massenbewegung entstanden, die sich gegen alle möglichen sozialen Ungerechtigkeiten einsetze. Solch eine Bewegung schade der Wirtschaft eines Landes massiv. Auf nationaler Ebene sehe der Gemeindepräsident drei grössere Probleme, zum einen das weiterhin ungelöste Verhältnis zur EU, beim Rahmenabkommen sei man binnen des letzten Jahres keinen Schritt weiter gekommen. Das zweite Problem sei ein politischer Stillstand, zwar habe es im vergangenen Jahr zahlreiche Abstimmungen gegeben aber die grossen Thematiken wie die Zukunft der AHV oder die Zukunft des Steuersystems konnten noch nicht geregelt werden. Mit der kommenden Abstimmung über die Steuerreform 17 sei eine sinnvolle und machbare Kompromisslösung aufgegleist. Ein drittes Problem sieht der Gemeindepräsident in der zunehmenden Verrohung der Moral in der Wirtschaft. Für ihn seien die massiven Unregelmässigkeiten innerhalb von Wirtschaftsinstitutionen schwer nachvollziehbar.

Wichtige Veränderungen in Lostorf

Vorab wolle er sich für die wunderbaren Dekorationen an den Dorfeingängen und auf den Plätzen, für den stimmungsvollen Weihnachtsmarkt und das Sponsoring der neuen Weihnachtsbeleuchtung bedanken, so Thomas Müller. Im Ressort Bau beschäftigte man sich neben dem Grossprojekt ‚Hauptstrasse Nord’ auch mit der Strassensicherheit. Auf Empfehlung der Beratungsstelle für Unfallverhütung, bfu, seien zahlreiche Stoppstrassen aufgehoben worden und dafür Rechtsverkehr eingeführt worden. Die Sanierung der Mahrenstrasse und die Ortsplanrevision seien zukünftige Themen, die es anzupacken gelte. Im Ressort Finanzen habe man im Dezember gesehen, dass es immer schwieriger werde, ein ausgeglichenes Budget zu präsentieren. Ein sparsamer Umgang mit den Steuergeldern soll sich für eine Gemeinde weiterhin auszahlen. Ein Hinterfragen der einzelnen Ausgabeposten sei daher wichtig aber ohne die Infrastruktur der Gemeinde zu vernachlässigen. Mit den geplanten Investitionen, dürfte aber eine Steuererhöhung kaum zu umgehen sein, so Müller. Im Ressort Bildung seien besonders die Wechsel der Schulleitung und des Sekretariats zu nennen. Die Schulraumerweiterung sei ein grösseres Bauprojekt. Weitere Projekte aus dem Bildungs- und Kulturbereich seien etwa der notwendige Aufbau einer zweiten Spielgruppe, im neuen Jahr soll erstmals ein Jassturnier durchgeführt werden und ein öffentlicher Bücherschrank sei in Planung. Im Ressort Soziales seien die Kosten angestiegen, da asylsuchende Personen eine immere komplexere Betreuung benötigen. Im Verkehrsbereich sei Ende 2018 der Viertelstundentakt eingeführt worden. Neu sei die Busstrecke nach Mahren. Der Gemeindepräsident forderte die Bevölkerung aus Mahren auf, den Bus zu nützen. Im Ressort ‚öffentliche Sicherheit’ habe die entsprechende Kommission die Arbeiten wieder aufgenommen, so dass 2020 ein abstimmungsreifes Projekt zur Erneuerung des Feuerwehrgebäudes vorliegen werde. Zum Schluss bedankte sich der Gemeindepräsident bei der Kultur- und Sportkommission für die Organisation des Anlasses, beim Abwart, bei den Landfrauen für den Service beim Apéro und besonders bei der Musikgesellschaft mit der Präsidentin Karin Wäfler für die stimmige musikalische Umrahmung mit einem Repetoire rund um die Welt.