Birmensdorf (ZH)

Mit Dr. med. Heinrich Wieser geht eine Arztlegende in Pension

megaphoneGemeindebeitrag aus Birmensdorf (ZH)Birmensdorf (ZH)
Praxisübergabe von Dr. med. Wieser (r. an med. parct. Frau Radivojevic im Beisein von Gesundheitsvorstand H.R. Keller)

Praxisübergabe von Dr. med. Wieser (r. an med. parct. Frau Radivojevic im Beisein von Gesundheitsvorstand H.R. Keller)

Frau med. pract. Sanja Radivojevic führt die Praxis weiter

Während 35 Jahren führte Dr. med. Heinrich Wieser in Birmensdorf mit Begeisterung und Leidenschaft eine klassische Hausarzt-Praxis. Wöchentlich kümmerte er sich durchschnittlich um über 80 Patienten. Im Laufe der Jahre sammelten sich in der Patientenkartei über 4500 Adressen an. Kürzlich übergab Dr. med. Wieser seine Praxis an med. pract. Sanja Radivojevic.

Bis zur Eröffnung des neuen Ärztehauses neben dem Alterszentrum am Bach ist sie an der Zürcherstrasse 13 als Hausärztin tätig. Sanja Radivojevic ist im Limmattal aufgewachsen und hat das Medizinstudium 1995 an der Universität Zürich abgeschlossen.

Die Ausbildung zur Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin hat sie am Universitätsspital Zürich und Stadtspital Triemli absolviert. Die Mutter von drei Kindern lebt mit ihrer Familie in Uitikon und war viele Jahre als Hausärztin in einer Praxis in Schlieren tätig. Sanja Radivojevic bekennt sich mit Überzeugung zur Hausarztmedizin - auch wenn dies nicht gerade im Trend ist. «Die medizinische Grundversorgung hat mich immer schon interessiert. In Birmensdorf freue mich insbesondere über die Möglichkeit in einem Gesundheitszentrum mitwirken zu können. Dies ist in meinen Augen ein zukunftsweisendes Modell», so die 45-jährige Ärztin.

«Ich möchte die 35 Jahre in Birmensdorf nicht missen»

Der 68-jährige Heinrich Wieser war gewissermassen ein Hausarzt alter Schule. Er war beinahe Tag und Nacht für seine Patienten da, nahm ihre gesundheitlichen Beschwerden ernst und verhalf ihnen zu einer schnellen Genesung. Trotz der Ernsthaftigkeit seiner beruflichen Tätigkeit, entlockte er bei vielen Patienten mit einem passenden Witz, einer kleinen Anekdote oder einem treffenden Spruch ein Lächeln. «Hin und wieder wirkte dies wie Medizin», erinnert er sich. Besonders schätzte Dr. Wieser die sehr gute Zusammenarbeit mit dem Limmattalspital. «Ich wurde jederzeit kompetent unterstützt und konnte mich auf das Ärzte-Team verlassen.» In einem Gespräch beantwortete der rüstige Pensionär, der ab sofort keine Fachliteratur mehr zu lesen braucht, Gemeindeschreiber Angelo Umberg einige Fragen.

Wie kamen Sie eigentlich nach Birmensdorf?

Dr. med. Wieser: «Ausschlaggebend war das Bevölkerungswachstum in Birmensdorf. Auf Anraten von Dr. med. Gustav Schaudt schaltete der Gemeinderat ein Inserat auf und suchte so einen zweiten Hausarzt. Ich bin dankbar diese Möglichkeit bekommen zu haben und möchte die interessante wenn auch strenge Zeit in Birmensdorf nicht missen.»

In welcher Art haben sich die Patienten im Laufe der Jahre verändert?

Dr. med. Wieser: «Heute sind die Patienten anspruchsvoller und konsumieren mehr medizinische Leistungen. Sie sind durchaus kritischer geworden, was ich schlussendlich begrüsste. Ich war also gefordert, meine Befunde zu begründen.»

Was war ihr lustigstes Erlebnis als Arzt?

Dr. med. Wieser: (er schmunzelt) «Ich bekam ein Telefon einer in Zürich berufstätigen Frau. Sie erzählte mir, dass sie zusammen mit ihrem Mann in einem Stallikoner Weiler wohne und ihr Mann telefonisch nicht erreichbar sei. Sie habe Angst um ihn da er bereits einen Herzinfarkt hatte. Ich machte mich auf nach Stallikon und stand vor der verschlossenen Haustüre. Ich wagte mich akrobatisch via Katzenleiter der Fassade entlang zu einem offenen Fenster, stieg ein und entdeckte den angeblichen Patienten angeheitert sowie anschliessend friedlich schlafend mit der Absicht, wieder nüchtern zu werden.»

Und welche Geschehnisse haben Sie als Arzt belastet?

Dr. med. Wieser: «Als ich mit traurigen Schicksalsschlägen sowie tragischen Prognosen junger Leute konfrontiert wurde und diese zu verarbeiten hatte.»

«Vielleicht wird Gleitschirmfliegen wieder ein Thema»

Jetzt sind Sie pensioniert. Was holen Sie nun nach, wofür Sie als Arzt keine Zeit hatten?

Dr. med. Wieser: «Endlich brauche ich keine Fachartikel mehr zu lesen und kann mich anderer Literatur widmen. Zudem stehen Bergwanderungen auf dem Programm. (lacht) Vielleicht wage ich es nochmals Gleitschirm zu fliegen.»

Was empfehlen Sie den Leuten als Geheimtipp zum Altwerden?

Dr. med. Wieser: «Körperliche Bewegung und gesunde Ernährung. Ab und zu ist ein gelegentliches Blutdruckmessen sinnvoll und gibt Aufschluss über den Gesundheitszustand.»

Besten Dank für das interessante Gespräch

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