Geschäftsmieten

«Wir sind weit von der Normalität entfernt» - Beizen erzielen nur Hälfte des Umsatzes

Symbolbild

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Verband unterstreicht Forderung nach Teilerlass der Geschäftsmieten.

Die Corona-Massnahmen haben die Baselbieter Restaurants und Bars ins Mark getroffen. Wie gravierend das Problem ist, zeigt nun eine Umfrage von Gastro Baselland unter seinen Mitgliedern. Demnach haben 9 von 10 Betrieben seit der Wiedereröffnung Umsatzeinbussen zu beklagen. Im Schnitt liegt der Umsatz der Baselbieter Gastronomen zwischen 11. Mai und 30. Juni bei gerade einmal 46 Prozent des ansonsten in dieser Zeit üblichen Umsatzes. Dies nach einem Totalausfall bei vielen Betrieben in den beiden Lockdown-Monaten. «Wir sind in der Gastronomie noch weit von der Normalität entfernt, die man angesichts der offenen Beizen zu erkennen glaubt», sagt Fabienne Ballmer, Vizepräsidentin von Gastro Baselland.

Take-aways und Caterer erzielen keine 20 Prozent

Die Branche ist sehr unterschiedlich vom Ertragsrückgang betroffen. Während etwa viele traditionsreiche Restaurants mit gutem Namen und Stammkundschaft fast wieder normale Umsätze erzielen, erreichen andere – in der Tendenz eher junge Betriebe aus dem Take-away- und Catering-Bereich – keine 20 Prozent. Zahlenmässig sind aber mehr Betriebe von hohen Einbussen betroffen als von geringen. Gemäss der Umfrage von Gastro Baselland schaffen zwei Drittel der Betriebe nicht mal 60 Prozent des üblichen Umsatzes.

Kein Wunder also, gaben drei Viertel der Betriebe an, dass die Geschäftsmieten für sie ein Problem darstellen. 90 Prozent von ihnen seien bei ihren Vermietern deswegen vorstellig geworden, doch nur knapp die Hälfte signalisierte Entgegenkommen, berichtet Ballmer. Für sie ist klar: «Eine kantonale Regelung zu den Geschäftsmieten ist für viele Baselbieter Beizen überlebensnotwendig.» Zwar hat die Regierung aufgrund einer vom Landrat überwiesenen Motion vor den Sommerferien eine Vorlage in die Vernehmlassung gegeben, wonach die Geschäftsmieten in den Monaten April bis Juni je zu einem Drittel vom Mieter, Vermieter und Kanton getragen werden sollen. Dies auf Basis freiwilliger Vereinbarungen (bz berichtete).

Soforthilfe nicht für Geschäftsmiete anrechnen

Aus Sicht von Gastro Baselland und der Befürworter im Landrat ist die von der Regierung präsentierte Lösung viel zu restriktiv. So sollen die im Rahmen der Soforthilfe des Kantons gewährten 7500 bis 10000 Franken pro KMU zu hundert Prozent an eine Lösung bei den Geschäftsmieten angerechnet werden. Dadurch würde der Kreis der Berechtigten stark eingeschränkt. Gastro Baselland plädiert dafür, diesen Passus zu streichen. «Wir sind dankbar für die Soforthilfe des Kantons. Sie verdampfte allerdings bei vielen Betrieben wie der berühmte Tropfen auf dem heissen Stein», sagt Ballmer.

Laut Umfrage benötigten mehr als die Hälfte der Betriebe die Soforthilfe hauptsächlich, um Fixkosten wie Energie oder Steuern zu decken; weniger oft wurde sie für Personalkosten oder Anschaffungen im Rahmen der Corona-Massnahmen verwendet. Nur 10 Prozent der Betriebe nutzten die Soforthilfe hauptsächlich, um Mietkosten zu bezahlen. In der Krise zeige sich, dass viele Gastrobetriebe unterfinanziert seien. «Die Margen sind derart tief – nur wenige Restaurants verfügen über ausreichende Reserven, die sie nun über die Runden bringen.»

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