wegen Coronakrise
Erste Hilfe bei psychischen Problemen: So reagiert man am besten

Die Ratlosigkeit sei gross, sagt die Basler Psychologin Binia Roth. Sie bringt Interessierten in ihren Kursen bei, wie sie auf Personen in ihrem Umfeld zugehen können, die unter psychischen Problemen leiden.

Silvana Schreier
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Kenneth Nars

Das Sorgentelefon ist ausgelastet, die Psychiatrien werden von Anfragen überschwemmt und Betroffene gründen neue Selbsthilfegruppen, um sich gegenseitig zu unterstützen. Die Basler Psychologin Binia Roth kennt die Probleme der Menschen. «Die Ratlosigkeit und der Bedarf nach Unterstützung sind extrem gross.»

Mitte 2019 starteten in der Schweiz Erste-Hilfe-Kurse von der Stiftung «Pro Mente Sana». Dabei geht es nicht darum, welche Schritte bei Bewusstlosigkeit nötig sind oder welche Notrufnummer man wählen muss. Vielmehr wird den Teilnehmenden vermittelt, wie sie Menschen in ihrem Umfeld helfen können, denen es psychisch schlecht geht.

Anzeichen für ein psychisches Leiden erkennen

In vier Blöcken zu jeweils drei Stunden geben die Kursleitenden wie Roth den Teilnehmenden das Basiswissen über die am häufigsten auftretenden psychischen Krankheiten und deren Behandlung mit. Der zweite Teil befasst sich damit, Anzeichen für ein psychisches Leiden zu erkennen und angemessen damit umzugehen.

Doch wie kann ich einer Person helfen, von der ich glaube, es geht ihr nicht gut?

  • Zuerst gilt es zu unterscheiden: Handelt es sich um einen Notfall? Wenn ja, soll der Helfende professionelle Hilfe organisieren und der Person beistehen, bis eine Fachperson eingetroffen ist oder man die betreffende Institution gemeinsam erreicht hat. Es ist ein Notfall, wenn die betroffene Person etwa über Suizid spricht oder körperlich leidet.
  • Handelt es sich um eine persönliche Beobachtung? «In diesem Fall ist die direkte Ansprache zentral», so Roth. Dabei sollen die eigene Sorge und die eigenen Wahrnehmungen betont werden, ohne dass daraus ein Vorwurf entsteht.
  • Die Person will nicht mit mir sprechen. Was mache ich jetzt? Roth empfiehlt: «Sagen Sie: ‹Ich spreche Dich morgen nochmals darauf an.› So zeigen Sie, dass Sie nicht aufgeben und die Person nicht alleine lassen.»

Das Sprechen ist denn auch der wichtigste Punkt, so Roth: Egal, ob es sich um einen Arbeitskollegen handelt, der die gemeinsamen Mittagessen auslässt, ob es die Freundin ist, die über ständige Müdigkeit klagt, oder der Mitspieler in der Fussballmannschaft, der kaum mehr in den Trainings erscheint. Roth sagt:

«Befragungen von Betroffenen haben gezeigt, dass die meisten eigentlich gerne reden möchten, da sie unter einem grossen inneren Druck leiden.»

So gross das Bedürfnis bei Betroffenen ist, so gross sei es auch bei deren Angehörigen. Roth erkennt seit dem Beginn der Coronakrise einen Anstieg an Anfragen. Obwohl die Erste-Hilfe-Kurse derzeit nur noch im virtuellen Raum stattfinden können.

Im Frühling startet die Stiftung «Pro Mente Sana» ein neues Angebot: Ein Kurs für Erwachsene, die den Umgang mit Jugendlichen lernen möchten, die eine psychische Erkrankung haben. Dazu zählen einerseits Eltern, aber auch Vereinsverantwortliche oder Sportlehrpersonen.