Coronavirus
Umsatz von Stadtbasler Hotels bricht um 80 Prozent ein

Wegen des Coronavirus bleiben die Gäste fern: Zehn Gasthöfe in der Stadt haben Kurzarbeit beantragt – weitere werden folgen.

Leo Eiholzer
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Das Coronavirus lässt Hotels in der Messestadt Basel die Umsätze wegbrechen.

Das Coronavirus lässt Hotels in der Messestadt Basel die Umsätze wegbrechen.

Keystone

Das Coronavirus versetzt der Stadtbasler Hotellerie einen schweren Schlag. Verschiebung der Baselworld, Absage der Fasnacht, viel weniger Geschäftsreisende: Die Umsätze der Hotels brechen weg.

«Die Situation ist wirklich dramatisch», sagt David Weber vom Hotelier-Verein Basel. Und auch Marcus Roeder, General Manager des Hyperion-Hotels sagt: «Seit Montag letzte Woche klingeln vor lauter Stornierungen ständig die Telefone.»

Die Fasnachts-Absage sei das Eine gewesen, sagt Weber. «Da ging es aber nur um die Einnahmen von drei sehr umsatzstarken Tagen.» Jetzt werden Tagungen, Übernachtungen und Bankette für die nächsten Wochen und Monate gecancelt. Und vor allem: Auch andere grosse Veranstaltungen wie die Baselword fallen weg. Für die Basler Branche, in der sich viele Hotels in genau dieser Nische positioniert haben, ein grosses Problem. «Das Geschäftskunden-Segment bricht völlig ein», sagt Weber. «Bei einzelnen Hotels fallen bis zu 80 Prozent des Gesamtumsatzes weg.»

Da der Geldfluss versiegt, richten die Hoteliers ihr Augenmerk auf den grössten Kostenblock: das Personal. Beim Amt für Wirtschaft und Arbeit Basel-Stadt haben im März bisher zehn Hotelbetriebe eine Voranmeldung für Kurzarbeit eingereicht. Hinzu kommen 24 Gastrounternehmen sowie 32 aus anderen Branchen – insgesamt also 66 Firmen. Jeden Tag werden es mehr. Mit Kurzarbeit kann die Arbeitszeit von Angestellten verkürzt werden. Die Entschädigung, welche die Mitarbeiter für den fehlenden Lohn erhalten, kommt vom Staat, beträgt aber nur 80 Prozent des normalen Einkommens. Dennoch sagt Weber: «Kurzarbeit kann den Unternehmen helfen und wird nun für viele Hotelbetriebe zum Thema werden.» Wie viele Hotels das genau betreffen wird, sei noch unklar. „Aber fast alle haben Schwierigkeiten.“

Hotels müssen Kredite aufnehmen

Die Probleme sind teils akut. So haben einige Hotels laut Weber konkrete Liquiditätsengpässe. Deshalb seien sie in Kontakt mit Banken für Überbrückungskredite, damit die Firmen ihre Rechnungen weiter zahlen können. Der Zeitpunkt für die Krise komme noch zusätzlich ungelegen, weil die meisten Betriebe Anfang Jahr Versicherungsprämien über mehrere zehntausend Franken zahlen müssen. „Das verstärkt das Liquiditätsproblem“, sagt Weber.

Der Hotelier-Verein fordert staatliche Unterstützungsmassnahmen, vorderhand geht es um einen Bürokratieabbau. „Wichtig ist, dass der Bund den Prozess zur Bewilligung von Kurzarbeit vereinfacht“, sagt Weber. „Im Moment ist dieser relativ bürokratisch und es müssen viele Belege eingereicht werden.“ Auch finanzielle Unterstützung wird für Weber zum Thema werden, falls sich die Corona-Epidemie nicht bald wieder legt – wonach es momentan nicht aussieht. Gestern veröffentlichte der Hotelier-Verein eine Medienmitteilung, in der sie den Schutz von Arbeitsplätzen fordert und von einem Treffen mit Regierungsrat Regierungsrat Christoph Brutschin berichtet – konkrete Massnahmen wurden zwar diskutiert, offenbar aber noch nicht beschlossen.

Pharmafirmen verschieben ihre Meetings um Monate

Über die eigenen Schwierigkeiten will kaum ein Hoteldirektor öffentlich sprechen. Ein gewisses Gefühl der Machtlosigkeit ist zu spüren. Am stärksten dürfte es Hotels treffen, die voll auf das Geschäftsreisende und Messen setzen. Das Hyperion liegt direkt im Messeturm. Zur Zeit sind die 374 Betten nur zu 50 Prozent besetzt. Marcus Roeder, General Manager des Hotels, sagt: „Die Absagen von Grossveranstaltungen sind für uns natürlich ein grosses Problem. Zudem spüren wir, dass einige Firmen, auch im pharmazeutischen Bereich, ihre Meetings verschieben – ins dritte und vierte Quartal des Jahres.“ Auch das Verbot von Geschäftsreisen, das diverse Grossfirmen ausgesprochen haben, spürt das Hotel, wie viele andere in der Stadt.

Der Basler Tourismusdirektor Daniel Egloff sagt: „Solch heftige Rückgänge habe ich in meiner 25-jährigen Tourismustätigkeit noch nie erlebt.“ Er spricht für den Monat März von einem durchschnittlichen Umsatzrückgang von 50 bis 60 Prozent. Egloff hofft darauf, dass der Bund und die Kantone betroffenen Betrieben helfen, indem sie ihnen zum Beispiel längere Zahlungsfristen bei der Mehrwertsteuer einräumt. Auch Basel Tourismus selbst reagiert auf die Corona-Epidemie: „Kurzfristig ausgelegte Salesmassnahmen, insbesondere in Fernmärkten, werden zurückgestellt und erst dann ausgerollt, wenn die Reisebereitschaft wieder zurückgekehrt ist“, sagt Egloff. Hingegen gingen Aktivitäten wie beispielsweise das Anwerben von Grosskongressen für die Jahre 2023 und 2024 unvermindert weiter.