Knall bei «Soup&Chill»
«Mich erschreckt diese soziale Kälte»: Nach Betriebsanalyse steigen die Geldgeber aus

Schlechte Nachrichten für die Basler Wärmestube «Soup&Chill»: Die Christoph Merian Stiftung (CMS) und GGG Basel streichen die finanzielle Unterstützung. Der Kanton will ein neues Angebot evaluieren.

Nora Bader
Drucken
Teilen
«Soup & Chill» wird künftig nicht mehr von der CMS und der GGG unterstützt.

«Soup & Chill» wird künftig nicht mehr von der CMS und der GGG unterstützt.

Bild: Georgios Kefalas / KEYSTONE

Die Wärmestube des Vereins Soup&Chill in Basel existiert seit 2006. Das Angebot besteht aus der kostenlosen Abgabe von Getränken und Essen sowie einem Aufenthaltsbereich für Obdachlose und Armutsbetroffene, die sich rund um den Bahnhof SBB aufhalten. Seit über zehn Jahren wurde das Projekt für die Wintersaison unter anderem von CMS, GGG und dem Kanton Basel-Stadt mit insgesamt 134000 Franken unterstützt. Dies entspricht etwa dem Drittes des Bedarfs für eine Saison, der Rest wird von Spendern und Stiftungen bestritten.

Im 2020 berichtete die bz über ehemalige Mitarbeitende, die sich gegen die Vereinsführung auflehnten. Nach einem offenen Brief an die drei grossen Geldgeber, initiierten diese eine Betriebsanalyse des Vereins.

Gemäss Analyse entsteht eine Sogwirkung

Nun liegt die Betriebsanalyse vor. Das Resultat ist drastisch: Die CMS und GGG kündigten an, die Unterstützung für den Verein Soup & Chill zu beenden. Aufgrund der Coronakrise sei die Nachfrage bei «Soup&Chill» gestiegen. Immer mehr Menschen nutzten das Angebot von gratis Mahlzeiten. «Mangelnde Zutrittsbeschränkungen und fehlende Mindestbeiträge – wie in vergleichbaren Organisationen üblich – verhindern eine gezielte Steuerung der Besuchenden», so der Bericht. Dies führe dazu, dass nicht in erster Linie die beabsichtigte Zielgruppe erreicht werde, sondern eine breite Sogwirkung entstehe. Denn: «Die Vorstellungen zur strategischen und operativen Betriebsführung gehen auseinander», so die Geldgeber.

Kanton will neue neues Angebot evaluieren

Der Kanton Basel-Stadt, hat bisher für die Wintermonate jährlich einen Beitrag von 50000 Franken bezahlt, diesen jedoch bisher nicht wieder gesprochen. Beim Sozialdienst Basel-Stadt heisst es auf Anfrage, man habe «Soup&Chill» signalisiert, dass ein neues Gesuch mit einem angepassten und realistischen Budget vorgelegt werden könne, so Leiter Rudolf Illes. Man müsse aber aufgrund der bisherigen Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit «Soup&Chill» davon ausgehen, «dass unsere Vorstellungen und diejenige von «Soup&Chill» weit auseinandergehen.» Aus diesem Grund werde der Kanton nun rasch mit weiteren möglichen Partnerinnen und Partnern Kontakt aufnehmen, um alternative Möglichkeiten für ein neues Angebot zu evaluieren, so Rudolf Illes.

Präsidentin des Vereins hofft auf Solidarität der Sponsoren

«Mich erschreckt diese soziale Kälte», sagt Claudia Adrario de Roche von Soup&Chill. Man könne doch nicht die Leute nach einem Ausweis fragen, ob sie arm genug seien. Man habe als Kompromisslösung aber vorgeschlagen, ein Spendenglas aufzustellen.

Der Sommerbetrieb wurde bisher nie von CMS, GGG und Kanton unterstützt, sondern finanzierte sich aus Eigenleistungen. Wie es dann im Winter weitergehe, sei noch nicht klar, man hoffe auf die Solidarität der anderen Sponsoren.

Aktuelle Nachrichten