Coronavirus

Jetzt kommen Ami-Klassenzimmer: Wie sich Basler Schulen auf die Zeit nach den Ferien vorbereiten

Einzeltische gibts an den amerikanischen Schulen schon lange. Corona bringt sie nun an die Mittelschulen beider Basel.

Einzeltische gibts an den amerikanischen Schulen schon lange. Corona bringt sie nun an die Mittelschulen beider Basel.

Eine Woche vor Schulbeginn ist in der Region vieles noch unklar. Derweil sorgen die steigenden Fallzahlen der Covid-Ansteckungen für Verunsicherung. Klar ist bis jetzt: Gymnasiasten kriegen wie in Amerika Einzeltische und müssen teilweise Masken tragen.

Seit Tagen steigt die Zahl der Covid-Ansteckungen wieder an. Vor dem ersten Schultag in einer Woche sind die Lehrerinnen und Lehrer in beiden Basel deshalb beunruhigt. Sie fragen sich, wie der Unterricht durchgeführt werden kann, ohne dass die Ansteckungen in den nächsten Monaten den Schulbetrieb verunmöglichen. Mit der Verunsicherung steigt die Ungeduld. Noch immer haben die beiden Basel nicht öffentlich gemacht, wie die Schutzkonzepte auf den verschiedenen Schulstufen aussehen. Dabei brauchen Lehrer, aber auch Eltern und Schüler, endlich Klarheit (siehe Text unten).

Vollklassenunterricht auf allen Schulstufen

Der Basler Erziehungsdirektor Conradin Cramer (LDP) wie auch seine Baselbieter Amtskollegin Monica Gschwind (FDP) werden aber erst nächste Woche Nägel mit Köpfen machen. Gschwinds Direktion teilt auf Anfrage mit, dass Baselland am Dienstag informieren werde. Bloss die Schulleitungen seien bereits am Freitagnachmittag ins Bild gesetzt worden.

Gegenüber der bz geben aber beide Basel wie auch der Kanton Solothurn schon gewisse Infos zu den Schutzkonzepten preis. Cramers Mediensprecher Simon Thiriet sagt: «Grundsätzlich gilt das vom Bundesrat kommunizierte Kaskadenprinzip: An oberster Stelle steht der Sicherheitsabstand.» Klar ist, dass beide Basel und Solothurn am Vollklassenunterricht auf allen Schulstufen festhalten wollen. «Der erste Lockdown hat gezeigt, dass Distance Learning als temporäre Massnahme möglich ist», sagt Thiriet. «Aber der Unterricht und die sozialen Kontakte sollen optimalerweise im Klassenzimmer stattfinden.»

Für die Primar- und Sekundarstufe I heisst das: Weiter wie vor den Sommerferien, wie der Leiter des Baselbieter Amts für Volksschulen, Beat Lüthy, bestätigt. Also kein Abstand zwischen den Schülern, aber eine Schutzzone rund um das Lehrerpult. Anders sieht es auf der Sekundarstufe II aus: Hier müssen auch die Schüler untereinander 1,5 Meter Abstand halten. Im Klassenzimmer ist dieser kaum einzuhalten, weil jeweils zwei Schüler an einem Tisch sitzen.

Baselland hat Einzelpulte schon finanziert, Basel nicht

Das wird nun in beiden Basel geändert. Was in Amerika seit jeher Alltag ist, hält hier Einzug: In Basel-Stadt ist der Regierungsrat daran, den Schulen die Finanzierung einer flächendeckenden Bestellung von Einzeltischen zu ermöglichen. Der definitive Entscheid steht aber noch aus. Einzelne Schulen wie das Gymnasium Leonhard haben bereits Bestellungen für Einzeltische getätigt.

Ob schon am kommenden Montag alle Leonhards-Schüler mit neuem Schulmobiliar ausgestattet werden, ist unklar. «Man kann nicht einfach von heute auf morgen die ganzen Basler Schulen mit Einzelpulten ausstatten», so Thiriet. Kommt hinzu, dass die Schulzimmer oft nicht genügend gross sind, um darin bis zu 26 Einzeltische mit 1,5 Metern Abstand zu verteilen.

Weiter ist man im Baselbiet, wie Lüthy nach Rücksprache mit dem Leiter Mittelschulen Marc Rohner sagt: «Bereits vor den Ferien hat die Regierung über die Finanzierung entschieden, und das Material wurde bestellt.» Auch hier geht es um Einzeltische, Trennwände oder Plexiglasvisiere. Auf Schulbeginn werden aber noch nicht alle Schulzimmer umgerüstet sein.

Maskenpflicht gilt vorerst im Chemielabor

Für grosse Diskussionen sorgte Mitte Juli der Kanton Luzern. Er kündigte an, dass an Gymnasien und Berufsschulen eine Maskenpflicht gelten werde, für Lehrer wie für Schüler. Dies überall dort, wo der Abstand von 1,5 Metern nicht gewährleistet werden kann. Auch die beiden Basel und Solothurn folgen dieser Maxime, wie sie der bz bestätigen. Konkret geht es vor allem um Unterricht, währenddem die Schüler zeitweise im Zimmer in Bewegung sind, etwa im Chemielabor oder im Biologieunterricht. Für den Mathe-, Deutsch- oder Französischunterricht soll die Maskenpflicht vorerst aber nicht gelten, wie Thiriet sagt.

Eine offene Frage ist die Finanzierung. Ein Basler Mittelschullehrer, mit dem die bz gesprochen hat, macht auf die Tatsache aufmerksam, dass «so manche Schüler jeden Rappen zweimal umdrehen müssen». Es könne daher nicht erwartet werden, dass die Schüler ihre Schutzmasken – wie in Luzern – selbst mit in den Unterricht nehmen müssten.

«Das Schuljahr 2020/21 soll ein möglichst normales werden», sagt Lüthy. Dies sei auch der Wunsch der Erziehungsdirektorenkonferenz. In Baselland sollen auch alle Lehrer und Schüler, die zu einer Risikogruppe gehören oder gefährdete Angehörige haben, wieder in die Schule kommen. Noch offen ist, wie viele Lehrer oder Schüler die ersten Unterrichtstage verpassen, weil sie kurz zuvor noch in einem Corona-Risikoland in den Ferien waren. Dann heisst es auch für sie zuerst: ab in die Quarantäne.

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