Coronavirus

Freibadflüchtige aus Deutschland kommen zum Baden nach Basel

In Deutschland sind die Corona-Massnahmen ungleich restriktiver: ein Vergleich.

Gunther (57) und Monika (54) Dörner aus Lörrach sind mit ihrer 14-jährigen Tochter Mavie bereits zum zweiten Mal seit der Grenzöffnung im Naturbad Riehen. Sie waren überrascht von den wenigen Einschränkungen. «Wir haben gerade darüber gesprochen», sagt Gunther Dörner, «wie überbürokratisiert die Regeln in Deutschland sind»: Im Freibad Kandern, wo sie sonst hingingen, habe das Onlineticketsystem in der ersten Woche nicht funktioniert; die Karten habe man nur in der Touristinformation vor Ort kaufen können. Die Kehrseite der Medaille hier in Riehen sei zwar, dass es eng sei und vor allem die Jugendlichen im Wasser nicht mehr auf den Mindestabstand achteten: «Aber wir halten das Risiko mittlerweile für gering und kommen gerne hierher.»

Lörrach öffnete sein Parkschwimmbad erst diesen Montag: Für eine der beiden Zeitfenster zwischen 9 Uhr und 13.30 Uhr sowie zwischen 15 und 20 Uhr müssen online Karten bis zu drei Tage im Voraus gekauft werden. Pro Zeitfenster dürfen sich maximal 500 Personen im Bad aufhalten, das mindestens dreimal so gross ist wie das Riehener Naturbad. Neue Zeitfenster können erst wieder nach dem Besuch gebucht werden, Karten an der Kasse gibt es keine. Auch Saison- und Mehrfachkarten können keine mehr erworben werden. Im erwähnten Kanderner Freibad gibt es sogar drei Badeschichten von 9 bis 11 Uhr, von 12 bis 15.30 Uhr und von 16.30 bis 20 Uhr. Grenzach-Wyhlen lässt in sein Freibad bislang nur Einheimische, Weil am Rhein hat seines erst gar nicht geöffnet.

Das Freibad Rheinfelden, eines der grössten, hat immerhin schon seit dem 20. Juni offen. Hier reserviert man für den gesamten Tag, dafür hat das Bad nur bis 18 Uhr offen. Umkleiden, Duschen und Wertsachenfächer sind nicht benutzbar. Insgesamt 1500 Menschen dürfen sich im Bad aufhalten, im Becken aber nur 50 Schwimmer gleichzeitig.

Andere Bäder, andere Regeln

«Die Unterschiede sind sehr krass», sagt Roger Wyden, Betriebsleiter des Naturbads in Riehen. Bis zu 1200 Personen gleichzeitig dürfen sich in dem kleinen Bad aufhalten; Corona-Massnahmen sind nur in Form von teilweise gesperrten Umkleiden zu spüren. Eine Pflicht zur Onlinebuchung in Zeitfenstern sei für Riehen eruiert, aber verworfen worden, sagt Wyden.

Es sind viele Besucher aus Lörrach, Weil am Rhein und Grenzach-Wyhlen, die seit der Grenzöffnung ins Naturbad Riehen kommen, wie die Umfrage vor Ort ergibt – manche schon länger aus Gewohnheit, andere bewusst, um den deutschen Restriktionen auszuweichen. Auch im Gartenbad Eglisee, berichtet eine Lörracherin, sehe sie viele bekannte Gesichter aus Lörrach. Valérie Rhein vom Erziehungsdepartement kann diesen Eindruck zwar nicht mit Zahlen bestätigen; allerdings würden die Gäste auch nicht nach ihrem Wohnort befragt.

Während die drei Basler Bäder einheitliche Regeln haben, an die sich Riehen angehängt hat, ist die Umsetzung der Massnahmen in Baselbieter Bädern Sache der Gemeinden. Aber auch im Prattler Gartenbad sind die Regeln überschaubar; es wird lediglich empfohlen, zu Hause zu duschen. Kleiner als Rheinfelden und Lörrach, dürfen hier 2200 Personen gleichzeitig im Bad sein.

Unter Corona-Bedingungen grosse Herausforderung 

Die Regeln für die deutschen Freibäder werden vom Land Baden-Württemberg festgelegt, die Umsetzung liegt ebenfalls in der Hand der Gemeinden. Lörrach tut sich dabei offensichtlich schwerer als andere Gemeinden: «Das Öffnen der Bäder unter Corona-Bedingungen ist eine sehr grosse Herausforderung für die Betreiber», sagte Pressesprecher Alexander Fessler gegenüber der Badischen Zeitung: «Es handelt sich um einen ganz neuen Badebetrieb. Wir werden die Abläufe von Anfang an beobachten, analysieren und bei Bedarf nachsteuern.»

Noch krasser ist der Unterschied bei den Saunalandschaften, in der Nordwestschweiz das Sole Uno in Rheinfelden und das Aquabasilea in Pratteln: Auf der deutschen Seite gibt es noch nicht einmal einen Termin für die Wiedereröffnung. Sven Malinowski, Betriebsleiter im Sole Uno, liegen keine konkreten Zahlen vor. Normalerweise werde das Bad zu 80 Prozent von Schweizern besucht: «Die Anzahl der deutschen Gäste hat sich gefühlt aber leicht erhöht.»

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