Interkulturelle Herausforderung

Eine Skulptur, bloss welche nur?

© bz Basellandschaftliche Zeitung

Die chinesische Metropole Schanghai hat Basel eine Skulptur geschenkt. Was einfach klingt, ist jedoch kompliziert. Denn um welche Art von Kunstobjekt es sich handeln soll, muss erst noch interkulturell ermittelt werden.

Die Angelegenheit ist delikat. Wirtschaftsminister Hans-Peter Wessels hat anlässlich seines letzten Besuchs in der chinesischen Metropole eine Skulptur geschenkt erhalten. Dies kommunizierte die Regierung vergangene Woche nach der Rückkehr der Delegation aus der Partnerstadt. Sie ist eine Gegengabe für den Basilisken-Brunnen, den die Basler mit der Begründung der Städtepartnerschaft im Jahr 2007 den Chinesen versprochen und 2009 im Butterfly Bay Park mitten in Schanghai auch feierlich eingeweiht haben.

Die Basler Delegation war bei ihrem Besuch von den Gastgebern durch eine staatliche Galerie mit Kunstwerken geführt worden mit der Aufforderung, sich eines auszuwählen. Es könne aber auch etwas anderes gewählt werden oder ein Künstler könne nach den Wünschen der Basler von einer bestehenden Skulptur eine ähnliche schaffen oder ein Künstler werde nach Basler Wunsch eine ganz neue Skulptur kreieren. Dies haben die Gastgeber ihren Gästen beschieden.

Basel verschenkt Basilikum-Brunnen

So viel kulturelle Sensibilität hatten die Basler nicht walten lassen, als sie den Chinesen den Brunnen zum Geschenk gemacht hatten. Denn die Basler Regierung verschenkt immer Basilisken-Brunnen, wenn es gilt, eine freundschaftliche Verbundenheit zu manifestieren. So stehen zu den 28 Basiliken-Brunnen, die in Basel Wasser lassen, auch solche im benachbarten Elsass und im Süddeutschen. Selbst in Zürich plätschert ein Basilisken-Brunnen. Wien erhielt einen im Zusammenhang mit der Euro 2008 und zuletzt Schanghai im Rahmen der Städtepartnerschaft.

Basel möchte bei den Chinesen nicht als Geschenkbesteller auftreten, sondern den Entscheid den Stadtautoritäten von Schanghai überlassen, welches Geschenk sie über den Ozean werden schippern lassen. Gleichzeitig aber wollen sie doch genügend Anhaltspunkte zu möglichen Standorten in der Stadt und zur Art des möglichen Objekts geben, damit sich die Chinesen orientieren können.

Skulptur für eine Grünanlage

Zwei Vorentscheide scheinen gefällt: Die Skulptur soll erstens nicht auf einem Platz stehen, sondern in einer Grünanlage. Dort aber doch nicht versteckt, da sich die Chinesen selbst sehr viel Mühe gemacht haben, um den Basilisken-Brunnen herum ein Plätzchen zu gestalten. Zudem, weil die Schanghai-Skulptur durchaus als Zeichen der Städtepartnerschaft für die Basler Bevölkerung sichtbar sein müsste. Die Skulptur soll zweitens eher abstrakt ausfallen, um die gröbsten interkulturellen Missverständnisse schon erst gar nicht erst aufkommen zu lassen.

Die Frage ist allerdings, ob Basel nicht selbst schon ein interkulturelles Missverständnis angerichtet hat, als es den Basilisken verschickte. Denn ein Basilisk – eine Kreatur halb Huhn, halb Schlange – ist nicht nur in der europäischen Allegorie ein schwieriges Fabelwesen. Im europäischen Kulturraum symbolisiert er Tod und Teufel, wenn nicht gar den Antichristen. Schon der Blick eines Basilisken kann tödlich sein. Bezwingen kann ihn nur, wer ihm einen Spiegel aus Metall vorhält. Sein eigen Angesicht bringt ihn um.

Hunh und Schlang mit nicht eindeutigen Eigenschaften

In der chinesischen Mythologie repräsentieren Huhn wie Schlange zwar auch positive Eigenschaften wie Intelligenz, Willensstärke oder Leistungsfähigkeit – so, wie sich das Basler Stadtmarketing gerne in Schanghai präsentiert. Die Tiere stehen aber auch für Kritiksucht, Arroganz, Stolz und Grossspurigkeit – Eigenschaften, die vielleicht vorhanden, aber vom Basler Stadtmarketing nicht gerne öffentlich zu Schau gestellt werden.

Die Chinesen zeigen sich jedoch ausgesprochen höflich. Auf der Medaille, die beim Basilisken-Brunnen in Schanghai angebracht ist und auf die Städtepartnerschaft verweist, wird der Basilisk als «dragon-like» bezeichnet – und Drachen sind in der chinesischen Mythologie positiv besetzt als Gottheiten.

Das Wasser als Anknüpfungspunkt

In Anbetracht der drohenden kulturellen Verwicklungen könnten sich die Behörden von Basel und Schanghai auf das unverbindliche Thema Wasser einigen. Dieses war Thema der Weltausstellung und das Nass, der Hafen, die Schifffahrt sind die metaphorischen Anknüpfungspunkte zwischen Basel und Schanghai.

Zunächst werde Basel bei Schanghai freundlich für das zu erwartende Geschenk Dankeschön sagen, sagt Emanuel Trueb. Der oberste Stadtgärtner leitet zusammen mit Sabine Horvath, Leiterin Stadtmarketing, die heikle Mission. Man wolle nun rasch in einen Kulturdialog eintreten. Und mit viel Respekt, Zug um Zug, den interkulturellen Umgang üben.

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