Kultur

Ein Silo als Ausstellungsraum

Das Museum Silo 12 in Läufelfingen existiert seit fünf Jahren. Treffen mit Albert Frei, Präsident des Kultur- und Museumsvereins Läufelfingen, und Margrit Ballscheid

Museum Silo 12_04

Das Museum Silo 12 in Läufelfingen existiert seit fünf Jahren. Treffen mit Albert Frei, Präsident des Kultur- und Museumsvereins Läufelfingen, und Margrit Ballscheid

Wie der Kultur- und Museumsverein Läufelfingen unverhofft zu einem Museum gekommen ist – und nun dessen Jubiläum feiert.

Unübersehbar steht es da – das schmale, lange und hohe Gebäude an der Unteren Hauensteinstrasse vor dem südlichen Dorfrand Läufelfingens. Das Silo 12 ist vor fünf Jahren als Museum des Kultur- und Museumsvereins (KMV) Läufelfingen eröffnet worden. «Jetzt sind wir dort, woran wir zu Beginn nie geglaubt haben», sagt Albert Frei nicht ohne Stolz. Auf einem langen Weg über viele Stolpersteine seien sie nun am Ziel. Frei präsidiert den Verein seit dessen Gründung 1996.

Mit enormem Einsatz und viel Fronarbeit verwandelten KMV-Mitglieder, unterstützt von Fachleuten, das kahle Bauwerk in ein schmuckes Museum. Möglich war dies auch dank grosszügiger Gönner. Der Verein erwarb das Silo vor zwölf Jahren vom Kanton Baselland zum symbolischen Preis von 1201 Franken. Seit dieser Kulturraum existiert, haben dort fünf vereinseigene Wechselausstellungen stattgefunden, primär zur heimischen Industriegeschichte: Firma Kohler, Steinbruch Zeglingen, Gipsi-Bähnli, 100 Jahre Künstler Fritz Bürgin, Gips-Union Werk Läufelfingen.

«Selbstgestrickte» Wechselausstellungen

«Wir wollten kein fix eingerichtetes Museum und auch kein Ortsmuseum, von denen es schon viele gibt», erklärt die Vizepräsidentin des KMV, Margrit Balscheit. Diese und Vorstandsmitglied Kurt Ineichen kuratieren die Ausstellungen. Alles sei «selbstgestrickt», verrät Balscheit, einst Läufelfingens Gemeindepräsidentin. Sollten die steinaffinen Themen zum Dorf einmal ausgehen, gebe es ja auch noch heimatkundliche.

Jeweils zur Saisoneröffnung im Frühling gibt es einen sogenannten Rattersonntag, an dem die renovierten Anlagen im Silo laufen. Danach ist das Museum an drei, vier aufeinanderfolgenden Sonntagen geöffnet. Wiederum ein Sonntag beschliesst im Herbst die Saison. Mit dem Publikumsaufmarsch sind die Verantwortlichen zufrieden. Bis zu dreimal pro Jahr gibts Gastausstellungen mit diversen Künstlern. «Im Moment machen wir das, was wir mit unseren Kräften können – und die sind begrenzt», betont Margrit Balscheit. Aber sie seien offen für Ideen, mit denen man das Museum noch stärker beleben könne. Ausserhalb der Öffnungszeiten sind auf Voranmeldung Gruppenführungen möglich.

Das Museum Silo 12 in Läufelfingen existiert seit fünf Jahren. Treffen mit Albert Frei, Präsident des Kultur- und Museumsvereins Läufelfingen, und Margrit Ballscheid

Museum Silo

Das Museum Silo 12 in Läufelfingen existiert seit fünf Jahren. Treffen mit Albert Frei, Präsident des Kultur- und Museumsvereins Läufelfingen, und Margrit Ballscheid

Land und Gebäude, die der Verein nun sein Eigen nennt, haben eine interessante Vergangenheit. Das Silo wurde 1933 erstellt durch die Gebrüder Kohler, die dort ab Anfang des 19. Jahrhunderts einen Kalksteinbruch besassen. Kies, Sand und Schotter wurden in den zwölf Silos – daher auch der Name Silo 12 – gelagert zur Produktion von Zementwaren. Nachdem die Kohlers in den 1950er-Jahren den Steinbruch aufgegeben hatten, übernahm das Baselbieter Tiefbauamt das Grundstück samt dem Beton- und Holzbau. Hier fanden nun Splitter und Streusalz für den winterlichen Strassenunterhalt Platz. Als auch der Kanton dieses Gelände nicht mehr benötigte, versank das Silo in einen Dornröschenschlaf. 2006 streckte Vereinspräsident Albert Frei seine Fühler aus, erkundigte sich beim Tiefbauamt – und zwei Jahre später war der KMV neuer Eigentümer.

Den anderen Teil auf dem Gelände der Gebrüder Kohler beanspruchte früher die Schweizer Armee. Diese stellte im Baurecht ein Zeughaus und eine Truppenunterkunft auf. 1998 sollte das Zeughaus abgerissen werden. Der KMV intervenierte bei der Gemeinde, die dann das Land erwarb. «Als wir unseren Museumsbetrieb aufnahmen, durften wir Gebäude und Platz benutzen. Beide gingen erst heuer in unseren Besitz über», berichtet Balscheit.

Der Kultur- und Museumsverein Läufelfingen zählt heute 180 Mitglieder, der Vorstand besteht aus zehn Personen. Die Idee zur Vereinsgründung vor 24 Jahren entstand am Stammtisch im Restaurant Rosengarten, das Albert Frei jahrzehntelang gehörte und führte. Zwei altgediente Lehrer, die viele Dokumente zur Dorfgeschichte zusammengetragen hatten, wünschten, etwas zu unternehmen, damit ihre Sammlung ein Archiv findet. Dieses war vorerst im Keller des Gemeindehauses untergebracht; jetzt befindet es sich im erwähnten ehemaligen Zeughaus, wo das gesamte Archivmaterial dem Publikum zugänglich ist.

Ein Mosaik zum Fünf-Jahr-Jubiläum

Heute Donnerstag wird das fünfjährige Bestehen des Museums – wegen Corona – bloss in kleinem Rahmen gefeiert. Dabei enthüllt der Verein ein frisch restauriertes Mosaik des Künstlers Fritz Bürgin. Dieser wurde 1917 in Läufelfingen geboren und war in Buckten aufgewachsen. Bürgin war Bildhauer und schuf zahlreiche Werke für den öffentlichen Raum. Er fertigte auch Zeichnungen an und kreierte Mosaike. Fritz Bürgin vermachte einen Teil seines künstlerischen Nachlasses dem KMV.
www.silo12.ch

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