Schulbeginn

Ein Kind pro erste Klasse verpasst den Schulbeginn

Wenn der Garderobehaken mehrere Tage lang unbenutzt bleibt, werden fehlende Kinder gemeldet.

Wenn der Garderobehaken mehrere Tage lang unbenutzt bleibt, werden fehlende Kinder gemeldet.

Es ist der Albtraum jeder Lehrperson: Das Schulzimmer bleibt morgens leer. Tatsächlich verpassen viele Erstklässler ihren ersten Schultag. Die Gründe sind häufig verkehrstechnisch oder familiär. Das Phänomen ist ein städtisches.

Tatsächlich blieben am ersten Schultag am Montag etliche Stühle von Erstklässlern leer. Ohne Abmeldung. «Ungefähr ein Kind pro erste Klasse fehlt noch», sagt zum Beispiel Christa Gilliéron, Schulleiterin am Basler Bläsischulhaus. Die Gründe seien häufig verkehrstechnisch oder familiär.

Einige fahren weit weg in die Ferien. «Dann sind Verkehrsprobleme häufig, zum Beispiel wenn der Bus zum Flughafen und dann den Flug verpasst.» Es seien Schweizer Kinder und solche ausländischer Eltern. «Wir rechnen fast damit, dass nicht alle erscheinen am ersten Tag.»

Verständnis fürs System fehlt

Die Lehrpersonen versuchen, die Eltern anzurufen. «Manche erreicht man nicht, weil sie im Ausland eine andere Nummer haben.» Sind die Eltern nach mehreren Tagen noch immer nicht erreicht, gehen die Lehrer bei den Wohnungen vorbei. «Manche ziehen auch weg und vergessen, sich abzumelden», sagt Gilliéron.

Fehlende Sprachkenntnisse und fehlendes Verständnis für das System kämen hinzu. Das Problem sei in den höheren Klassen seltener. Die Schule werde erst aktiv, wenn der Eindruck entstehe, die Eltern würden mit häufigen unentschuldigten Absenzen dem Kind schaden: «In den meisten Fällen hilft dann reden, Strafen werden nur selten angedroht.»

Das Phänomen der abwesenden Erstklässler ist Anita Crain, Leiterin des Schulkreises IV, bekannt. In allen Schulhäusern des Schulkreises - dazu gehören die Primarschulhäuser Bläsi, Dreirosen/Horburg, Theodor/Thomas Platter, Wettstein, Gellert und Sevogel - fehlen am ersten Schultag jeweils Schulkinder. Crain vermutet, dass einige Familien dem ersten Schultag nicht die Bedeutung zumessen, die man erwarten könnte.

«Generell ist zu beobachten, dass sich der Umgang mit Verbindlichkeiten in der Gesellschaft wandelt», sagt Crain. «Es tut einem fast ein wenig leid für die Kinder, die ihren ersten Schultag verpassen und damit den Start in die neue Gruppe.» Sie beobachtet eine widersprüchliche Entwicklung. Auf der einen Seite stehen überbehütende Eltern, die dauernd Rücksprache nehmen mit den Schulleitungen. Auf der anderen Seite gibt es diejenigen, die sich um wenig kümmern.

«Es ist auch eine kulturelle Frage. Wer mit dem Schulsystem vertraut ist, für den ist der erste Schultag wichtiger», sagt Crain. Einen Trend, dass immer mehr Kinder den ersten Tag verpassen, könne sie nicht erkennen.

Kanton kennt das Problem

Hans Georg Signer, Leiter Bildung in Basel, erklärt das Wegbleiben mit den Jokertagen, die jede Familie für Ferien einziehen kann. «Es ist sehr ungeschickt, diese Tage Anfang Schuljahr zu beziehen. Wir empfehlen das natürlich nicht.»

Wie viele Kinder am ersten Schultag aus welchen Gründen fehlten, weiss der Kanton noch nicht. Bei unbegründetem Fehlen gibt es die Möglichkeit, Sanktionen auszusprechen. Denn: «Schulpflicht ist Schulpflicht», sagt Signer. Das geschehe jedoch sehr selten. Und er pflichtet Schulleiterin Gilléron bei: «In den meisten Fällen hilft dann reden. Wenn nötig, werden Strafen angedroht.» Und Eltern, die ihre Kinder gar nicht zur Schule schicken wollten, seien ihm nicht bekannt. Zeitlich begrenzte Verstösse seien da häufiger. Signer: «Die berühmtesten Verstösse gegen die Schulpflicht sind die gegen den Schwimmunterricht.»

Die fehlenden Schüler scheinen ein städtisches Phänomen zu sein. «Das gibt es bei uns selten bis gar nicht», sagt Dieter Kaufmann, Leiter der Abteilung Aufsicht beim Amt für Volksschulen Baselland. Wenn, dann hätten die Familien meist vergessen, sich nach einem Umzug abzumelden. Aber: «Das sind Einzelfälle.»

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