Persönlich
Dringend gesucht: regelhörige Schweizer

Lea Meister
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Wir sollten uns von unseren Nachbarn noch ein gutes Stück abschneiden. Während in Lörrach die Maskenpflicht diskussionslos befolgt wird, trägt bei Weitem nicht jeder Basler in der Innenstadt eine Maske.

Wir sollten uns von unseren Nachbarn noch ein gutes Stück abschneiden. Während in Lörrach die Maskenpflicht diskussionslos befolgt wird, trägt bei Weitem nicht jeder Basler in der Innenstadt eine Maske.

Roland Schmid

Bei meiner ersten Reise nach London (ich war recht klein) schockierten mich die Fussgänger: Wie können es alle wagen, einfach so über die Strassen zu rennen – die Ampeln sind doch rot! Unvorstellbar für mich, schliesslich habe ich doch einige grundschweizerische Wesenszüge. Auch heute noch gehe ich nie über rot, wenn Kinder in der Nähe sind – man könnte ja ein schlechtes Vorbild sein.

Genau so stellt man sich wohl im Ausland Herrn und Frau Schweizer vor. Nicht ganz zu Unrecht, denke ich. Und die Deutschen? Sie haben, was das angeht, einen ähnlichen Ruf wie wir.

Am Samstag hat es mich nach Lörrach verschlagen. Keine Polizisten, die Passanten auf ihre Masken-Versäumnisse hinweisen müssen. Nichts. Ausnahmslos jeder hatte in der Innenstadt eine Maske auf. Diskussionslos. Wer ass oder rauchte, stand weit abseits vom Gewusel der Innenstadt und tauchte daraufhin – bemaskt natürlich – wieder in den Trubel ein.

Kein Gemotze, keine Diskussionen oder genervte Gespräche. Selten habe ich beobachtet, wie Regeln von einer Masse so selbstverständlich eingehalten werden. Zurück in Basel das grosse Erwachen: Freie Strasse gegen Samstagabend. Etwa 40 Prozent trugen keine Maske oder wussten nicht, wie man sie zu tragen hat. Wo seid ihr, ihr regelhörigen Schweizer, wenn man euch mal braucht?