Öffentlicher Verkehr

Dem Läufelfingerli fehlen die Lokführer: Zukünftig muss man auf den Bus umsteigen

In den nächsten drei Monaten wird das Läufelfingerli nur dreimal pro Tag in Rümlingen halten.

In den nächsten drei Monaten wird das Läufelfingerli nur dreimal pro Tag in Rümlingen halten.

Die SBB stellen den beliebten Regionalzug vorübergehend ein und ersetzen ihn durch Busse. Das löst im Baselbiet heftige Kritik aus.

Die Personalprobleme der SBB sorgen in der Region für Ärger: Gestern verkündete das Transportunternehmen, die S9 für drei Monate stillzulegen. Statt des als Läufelfingerli bezeichneten Regionalzugs werden Ersatzbusse zwischen Sissach und Olten verkehren. Lediglich ein Zug am Morgen und zwei Schülerzüge über Mittag fahren planmässig. Grund für den Ausfall aller restlichen Züge ist der Mangel an Lokführerinnen und Lokführern, der dem Staatsbetrieb zu schaffen macht. Dem Kanton Baselland und der Baselbieter SP stösst der Entscheid sauer auf.

Kanton akzeptiert die Umstellung nicht

Der Ärger bei den kantonalen Verantwortlichen für den öffentlichen Verkehr ist gross. In einer Mitteilung machen sie ihrem Unmut Luft: «Die Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) akzeptiert die dreimonatige Umstellung der S9 auf Busbetrieb nicht und hat umgehend gefordert, den Entscheid zu revidieren.» Leider haben die SBB nicht auf diese Forderung reagiert. Man sei nicht in die Entscheidungsfindung miteinbezogen und kurzfristig über die geplante Umstellung auf Busbetrieb vorinformiert worden. Die BUD erwarte, «dass zumindest das Ersatzkonzept die Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden bestmöglich abdeckt und fordert von den SBB, in dessen Erarbeitung einbezogen zu werden». Darüber hinaus fordert der Kanton das Transportunternehmen auf, die Massnahme spätestens per Fahrplanwechsel aufzuheben. Bis dann soll der Ausfall des Zugs gemäss SBB auch dauern: vom 7. September bis zum 13. Dezember.

Die Kritik an die SBB lässt sich mit der Bedeutung des Läufelfingerli erklären. Der Zug gilt im Homburgertal als Lebensader und stand schon mehrmals vor dem Aus. Im November 2017 votierte das Baselbieter Stimmvolk an der Urne deutlich dafür, die S9 nicht einzustellen und durch Busse zu ersetzen. Dem klaren Verdikt war ein emotionaler Abstimmungskampf vorausgegangen.

Corona habe Ausbildung von Lokführern verzögert

Nun geschieht während dreier Monate, wogegen sich die Baselbieter damals ausgesprochen haben. Für die SP Baselland ein Hohn: «Es ist nicht akzeptabel, dass dieser Entscheid von den SBB ignoriert und still und heimlich umgangen wird. Von der Regierung erwartet die SP deshalb, dass sie ihr Möglichstes tut, um die Busumstellung zu verhindern», schreibt die Partei in einer Mitteilung. Landrätin Sandra Strüby wird an der heutigen Landratssitzung eine dringliche Interpellation einreichen. Darin fragt die Buckterin, wie die finanziellen Konsequenzen aussähen. Auch möchte sie wissen, ob «die Beschilderung in den Dörfern und Bahnhöfen dieses Mal ausreichend» erfolge. Auf Anfrage meint Strüby: «Es ist eine Sauerei. Wenn der öffentliche Verkehr unzuverlässig ist, benutzen die Leute eher das Auto. Man muss sich darauf verlassen können, dass das Läufelfingerli fährt.»

Dass die SBB mit einem Lokführermangel zu kämpfen haben, ist seit einiger Zeit bekannt. Stellt sich die Frage, weshalb gerade das Läufelfingerli, das auf der alten Hauensteinstrecke fährt, durch Busse ersetzt wird. «Die SBB haben dort Massnahmen eingeleitet, wo der Personalbestand am kritischsten ist», erklärt SBB-Mediesprecher Reto Schärli. Die Fahrzeit auf der ganzen Strecke von Sissach nach Olten verlängere sich während der drei Monate um rund 20 Minuten. Die Coronapandemie habe die Lokführer-Ausbildung verzögert und das Problem verschärft. Es dauere noch ein Jahr, bis genügend Leute ausgebildet seien.

Beim Kanton Baselland hat man derweil vor, mit den SBB das Gespräch zu suchen. Bleibt abzuwarten, ob der Staatsbetrieb mehr Diskussionsbereitschaft zeigt als beim letzten Mal.

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