Strafgericht
«Wie eine tickende Zeitbombe» – 27-Jähriger ohne Führerschein schrottet regelmässig geklaute Autos

Ein 27-Jähriger mit massiven Drogenproblemen klaut regelmässig Autos für unfallträchtige Ausflüge. Vor dem Baselbieter Strafgericht musste er sich heute verantworten.

Patrick Rudin
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Eine seiner Strolchenfahrten endete an einem Baum.

Eine seiner Strolchenfahrten endete an einem Baum.

Kapo BS

«Das Gericht ist zum Schluss gekommen, dass Sie im Strassenverkehr eine Zeitbombe sind. Was Sie gemacht haben, ist nicht nur dumm, sondern auch gefährlich», sagte Gerichtspräsident Daniel Schmid am Mittwoch in Muttenz zur Urteilsbegründung.

Den Führerausweis musste man dem 27-jährigen Mann nicht wegnehmen, er hatte gar keinen. Dennoch nahm er sich im Juli 2016 in Lausen vor einer Bäckerei einen Lieferwagen, praktischerweise steckte der Zündschlüssel.

Schon beim Wegfahren streifte er ein anderes Fahrzeug. Kaum in Liestal angekommen nahm ihm die Polizei den Autoschlüssel und das Auto wieder weg.

Im August 2016 holte er sich bei einem Einbruch bei einer Baufirma in Lausen nicht nur schicke Jacken und Helme, sondern auch einen weiteren Lieferwagen, doch die Fahrkünste reichten nur bis frontal in einen Baum.

Nächste Etappe war die Polizeizelle in Liestal, die Stichworte in der Anklageschrift dazu lauten «Exkremente» und «Sachbeschädigung».

Strolchenfahrten ohne Ende

Im Oktober 2016 lieh er sich ein weiteres Fahrzeug in Liestal, die Fahrt mit dem Renault Twingo endete in einem Sumpf im elsässischen Berentzwiller.

Die Strolchenfahrten weiteten sich schliesslich aus: Im Dezember 2016 kam er an einen weiteren Autoschlüssel und klaute erneut einen Firmenwagen in Itingen. Diesmal fuhr er ins zürcherische Hinwil, dort tankte er ohne zu bezahlen und wechselte anschliessend seine Nummernschilder, in dem er die Kennzeichen eines dort parkierten Autos abmontierte und austauschte.

Sonderlich vernünftig war der Mann wohl nicht unterwegs: In jenem Dezember wurde er nach Abzug der Messtoleranzen innerorts in Muttenz mit 94 und später in Liestal mit 79 geblitzt. Für den Rasertatbestand reicht dies allerdings nicht, dieser greift in der 50er-Zone erst bei einer Geschwindigkeit ab 100 Kilometern pro Stunde.

Dazu kamen noch eine brutale Schlägerei, Einbrüche und kleinere Diebstähle. Mitgespielt haben oft Alkohol, Kokain, Amphetamine und Ecstasy.

In stationäre Behandlung

Rein formell sprachen die drei Richter heute Mittwoch eine unbedingte Freiheitsstrafe von 24 Monaten aus. Diese wird aber aufgeschoben zugunsten einer stationären Massnahme, dort soll der Mann seine psychischen Probleme und seine Drogensucht in den Griff kriegen.

Teilweise ging das Gericht von einer verminderten Schuldfähigkeit aus, nahm dem Mann aber nicht ab, komplett die Kontrolle verloren zu haben. Strafgerichtspräsident Daniel Schmid sagte dazu, der Mann habe immer dann angebliche «imperative Stimmen» vorgebracht, wenn es rechtlich relevant wurde. «Wir bezweifeln nicht, dass Sie immer wieder Stimmen gehört haben, sondern dass es einen relevanten Einfluss auf den Tatentscheid hatte.» Ein bedingter Vollzug sei hier schlichtweg kein Thema. «Die Prognose ist schlecht. Man kann nicht sagen, Sie nehmen jetzt Neuroleptika und alles wird gut».

Im Dezember 2016 wurde der Mann in Haft genommen, seit März 2017 wohnt er als Ersatzmassnahme vorläufig stationär in einem Heim mit offenem Setting. Da die Regeln dort etwas lockerer sind als in Haft, wird diese Zeit lediglich zu einem Drittel an die Strafe angerechnet.

Damit hat er derzeit rund 10 der verordneten 24 Monate bereits verbüsst. Eine grosse Rolle spielt das in der Praxis aber nicht, da die nun verhängte stationäre Massnahme auch länger dauern kann. «Wie lange das geht, hängt von Ihnen ab. Das können ein paar Monate sein, es kann aber auch länger dauern. Das ist Ihre Chance, Ihr Leben in richtige Bahnen zu lenken», sagte Schmid dazu.