Eptingen
Wie ein neuer Brunnen die Artenvielfalt auf der Lauchweide rettet

Hierbei handelt es sich um komplexen Naturschutz: Weil die Rinder auf der Lauchweide bei Eptingen zu wenig Wasser hatten, waren Pflanzen und Schmetterlinge gefährdet.

Andreas Hirsbrunner
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Neue Quelle, alter Brunnentrog: Die Rinder haben wieder genügend Wasser zum Trinken.

Neue Quelle, alter Brunnentrog: Die Rinder haben wieder genügend Wasser zum Trinken.

Andreas Hirsbrunner

Da steht ein heterogenes Grüppchen aus Naturschützern, Bauern und Vertretern der Stiftung Spitzenflühli bei der Lauchfluh auf rund 1000 Metern über Meer und schaut zufrieden den steilen Hang hinunter in Richtung Eptingen. Im untern Teil des Hangs plätschert ein Brunnen – der Grund für die Zufriedenheit oben auf dem Berg.

Denn bei der Lauchweide Ost, wie der von Wald und Felsen eingesäumte Hang heisst, handelt es sich nicht um irgendeine Bergwiese, sondern um eine Trockenweide von nationaler Bedeutung, die auch im entsprechenden Bundesinventar figuriert. Und ohne den neuen Brunnen, den das Grüppchen Mitte Woche einweihte, wäre dieses artenreiche Kleinod längerfristig kaum überlebensfähig. Wie das?

Oberhalb der Lauchweide: Urs Chrétien (Pro Natura), Tobias Wackernagel («Spitzenflühli»), Bauer Philipp Gisin, Schmetterlingsexperte Werner Huber und Paul Imbeck (Kanton, v.l.).

Oberhalb der Lauchweide: Urs Chrétien (Pro Natura), Tobias Wackernagel («Spitzenflühli»), Bauer Philipp Gisin, Schmetterlingsexperte Werner Huber und Paul Imbeck (Kanton, v.l.).

Andreas Hirsbrunner

Die alte Quelle am Fuss der Lauchweide war am Versiegen. Die Rinder, die den Hang periodisch beweideten, wollten deshalb den steilen Abstieg nicht mehr unter die Füsse nehmen, sagte am Einweihungsfest Urs Chrétien, Geschäftsführer von Pro Natura Baselland. Denn Rinder gingen grundsätzlich nicht gerne nach unten, und als auch noch das Wasser fehlte, hätten sie keinen Grund mehr dafür gehabt.

Weniger Licht, weniger Arten

Die Folge war eine mangelnde Beweidung, was zu einer zunehmenden Verbuschung mit Adlerfarn, Eschen und Brombeeren führte. Je mehr eine Weide aber zuwächst, desto mehr schwindet die pflanzliche und damit auch die tierische Artenvielfalt, weil licht- und wärmeliebende Pflanzen verdrängt werden.

Und bezüglich Artenvielfalt stand bei der Lauchweide besonders viel auf dem Spiel. Werner Huber von der Arbeitsgruppe Tagfalterschutz von Pro Natura Baselland erzählte: «Als ich 1985 zum ersten Mal auf dieser südost-exponierten Weide war, war die Vielfalt schon sehr beeindruckend.» So kam Huber bei seiner Bestandesaufnahme auf
50 verschiedene Tagfalterarten.

Das seltene Bibernell-Widderchen fühlt sich auf der Lauchweide wohl.

Das seltene Bibernell-Widderchen fühlt sich auf der Lauchweide wohl.

Andreas Hirsbrunner

Auch wenn die Vielfalt inzwischen kleiner geworden ist – unter anderem sind die Schmetterlinge Bergkronwicken-Widderchen und Schwarzgefleckter Bläuling verschwunden – ist sie immer noch weit überdurchschnittlich. Davon zeugen Blumen wie Türkenbund, Brandorchis und Wohlriechender Handwurz sowie Schmetterlinge wie Taubenschwänzchen, Wegerichbär und verschiedene Widderchen. Und ein vorbeifliegender, seltener Schillerfalter animierte Huber sogar zu einem allerdings vergeblichen Spurt mit seinem Fangnetz.

Wasserschmöcker fand Quelle

Die Vielfalt rund um die Lauchweide führten Huber und Paul Imbeck vom Baselbieter Amt für Raumplanung auch auf Räumaktionen und Auflichtungs-Holzschläge zurück. Doch Huber betonte: «Etwas vom wichtigsten ist das gute Einvernehmen mit der Familie Gisin.» Das sind die Bauern vom Langenbrucker Hof Grosswald, die die Lauchweide bewirtschaften.

Doch zurück zum Brunnen: Als das Wasser ganz zu versiegen drohte, startete Pro Natura Baselland mit der finanziellen Unterstützung der Stiftung Spitzenflühli im Rücken – diese trug den Löwenanteil der Kosten von 30 000 Franken – eine Rettungsaktion: Nach ersten, vergeblichen Versuchen fand schliesslich letzten Herbst ein Wasserschmöcker eine Quelle in vier Meter Tiefe, die rund 25 Liter Wasser pro Minute hergibt. Sie wurde gefasst und der alte Brunnen etwas hangaufwärts zur Quelle verschoben. Dort können die Rinder nun bei ihrer «Weidearbeit« zugunsten der Naturvielfalt wieder ausgiebig trinken.

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