Virtual Reality
Blauener Landwirtschaft wird zum Schweizer Vorzeigeprojekt

Nach gut 20 Jahren schliesst die Laufentaler Gemeinde ihre Gesamtmelioration ab. Dadurch soll die Landwirtschaft produktiver und die Biodiversität gestärkt werden.

Tobias Gfeller
Drucken
Regierungsrat Thomas Weber (links) und BLW-Direktor Christian Hofer mit der VR-Brille.

Regierungsrat Thomas Weber (links) und BLW-Direktor Christian Hofer mit der VR-Brille.

Kenneth Nars

In der Landschaft von Blauen ist vieles nicht mehr so, wie es einst war. Erkennen lässt sich dies heute aber nur bedingt. In rund 30 Jahren soll dies ganz anders sein. Mehr Hochstammbäume, gestärkte Naturschutzflächen und eine leistungsstärkere Landwirtschaft mit neuen Eigentumsverhältnissen werden das Landschaftsbild prägen.

Dies ist das Resultat der vor gut 20 Jahren gestarteten «modernen Gesamtmelioration». Als Meliorationen wurden ursprünglich Massnahmen zur Produktivitätssteigerung des Bodens bezeichnet, wozu unter anderem eine verbesserte Be- und Entwässerung gehörten. Heute spricht man explizit von «modernen» Meliorationen, weil nicht nur die Qualität des Bodens, sondern auch Aspekte des Naturschutzes miteinbezogen werden. Meliorationen verändern heute Landschaften grundlegend.

Einer solchen Veränderung hat sich die Laufentaler Gemeinde Blauen verschrieben. In das Projekt sind neben der Gemeinde Blauen sämtliche Grundeigentümer, der Kanton Baselland und das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) involviert. Am Mittwochnachmittag luden die Verantwortlichen zu einem Rundgang durch die bald schon blühenden Kirschenbäume ein. Ein Beispiel für eine ökologische Aufwertung ist der ehemalige Feuerwehrweiher, der wieder als wertvolles Laichgebiet für Amphibien funktioniert.

Im Usserfeld wurde ein Vernetzungsstreifen für die Feldlerchen realisiert. In mehreren Jahren und Jahrzehnten werden die neu gepflanzten Hochstämmer das Landschaftsbild verschönern. Die Bäume und entsprechend auch die Parzellen, auf denen sie stehen, wurden Eigentümern und Bewirtschaftern zugeteilt, die Interesse an deren Nutzung haben.

Neue Eigentumsverhältnisse

Die wichtigste Veränderung ist für Aussenstehende nur auf Karten zu erkennen. Es kam zu Landabtäuschen, um die landwirtschaftlich genutzten Flächen besser nutzen zu können und den verstärkten Naturschutz möglich zu machen. Alleine auf dem Betrieb von Landwirt Alvar Aebi, der den ganzen Prozess als Präsident der Meliorationskommission leitete, wurden aus 100 verschiedenen Parzellen 60 gemacht.

Ein Weiher, der bereits renaturiert ist.

Ein Weiher, der bereits renaturiert ist.

Kenneth Nars

Das heisst aber nicht, dass er weniger Land zur Verfügung hat, die Parzellen wurden anders zusammengelegt. Übergeordnetes Ziel war es, den Landwirtschaftsbetrieben auch geografisch bessere Bedingungen zu bieten. Mit neuen Be- und Entwässerungsanlagen auf den Feldern und neuen Wegen wurden zusätzliche Massnahmen zur Stärkung der Produktivität der Landwirtschaft vorgenommen.

Diese Massnahmen stünden aber nicht im Widerspruch zu mehr Biodiversität, betonte Lukas Kilcher, Leiter des Landwirtschaftlichen Zentrums Ebenrain in Sissach. «Biodiversität bringt Bauern auch agronomische Vorteile, indem Lebensräume für Nützlinge dafür sorgen, dass Schädlinge im Zaun gehalten werden. Vielfältig gelebte Böden können mehr Wasser und Nährstoffe aufnehmen und speichern. Produktion und Natur gehen so Hand in Hand.»

Mehrere Einsprachen

Von einer klassischen «Win-win-Situation» und einem Vorbildprojekt sprach BLW-Direktor Christian Hofer, von einem «erfolgreichen Miteinander» zwischen einer leistungsstarken Landwirtschaft und Natur- und Landschaftsschutz der Baselbieter Landwirtschaftsdirektor Thomas Weber (SVP). Zusammen sahen sie durch eine von der ETH konzipierten Virtual-Reality-Brille die verschiedenen Szenarien der kommenden Jahre an, über die die Blauener Bevölkerung vor Jahren bestimmen konnte.

Gegen die Gesamtmelioration gab es auch Widerstand. Es seien dann auch meistens Bedenken von Landwirten und Eigentümern, die Meliorationen verhindern, erklärt Ebenrain-Leiter Lukas Kilcher. «Es besteht die Angst, dass man nachher schlechter gestellt ist.»

Im Baselbiet wurden in der kürzeren Vergangenheit auch in Rothenfluh und in Roggenburg solche Gesamtmeliorationen vorgenommen. In Nusshof wird darüber kontrovers diskutiert, in Brislach ist eine im Gange. Es gibt auch am Widerstand gescheiterte Meliorationen.