Sissach
Viel Verkehrsplanung und emotionale Diskussion um «Heilige Kuh»

In Sissach wird in Sachen Verkehr viel geplant. Manche hoffen auf mehr Parkplätze, andere auf eine ruhigere Begegnungszone. Daniel Stocker erwartet, dass die Sissacher bei der Diskussion um die «Heilige Kuh» Auto auf die Barrikaden gehen werden.

Catherine Weyer
Drucken
Teilen
Manche wollen mehr Parkplätze, andere hoffen auf eine Beruhigung der Begegnungszone.

Manche wollen mehr Parkplätze, andere hoffen auf eine Beruhigung der Begegnungszone.

bz

Viel hat sich in den letzten Jahren getan im Sissacher Verkehr. Das Ende soll damit aber noch lange nicht in Sicht sein. Ein neuer Abschnitt der Begegnungszone, ein Parkhaus und eine Bahnunterführung werden erwartet – oder zumindest erhofft.

«Die nächste grosse Diskussion wird es wegen der Parkplätze geben.» Daniel Stocker, seit vergangenem Sommer Verkehrsverantwortlicher im Sissacher Gemeinderat, weiss, dass ihm die Arbeit und Diskussionen nicht ausgehen werden. Ein heikles Dossier hat er da gefasst, dessen ist er sich bewusst. «Sobald es um die ‹Heilige Kuh› Auto geht, gehen die Leute auf die Barrikaden.»

Wohl auch deshalb wird der ewige Zankapfel Sissachs, die Begegnungszone, auch ein solcher bleiben. «Man kann es halt nicht jedem Recht machen», sagt Stocker knapp. Während sich ein Teil der Bevölkerung endlich eine komplett freie Begegnungszone wünscht, die ihrem Namen gerecht wird, pocht das Gewerbe darauf, dass die Strasse weiterhin befahren werden kann – um einem Ladensterben entgegenzuwirken.

«Die meisten Leute möchten ger-ne mit dem Auto ins Geschäft fahren», weiss auch Stocker. Den Beweis liefere Sissach gleich selbst: Während bereits frühmorgens sämtliche Parkplätze vor der Coop-Filiale besetzt sind, ist das Parkhaus fast leer. Und auch die Parkplätze an der Hauptstrasse, gegenüber des Bahnhofs, sind unbeliebt. Dieser Weg ins Dorf scheint den Leuten schon zu weit zu sein.

Umerziehen, das kann und will Stocker aber nicht. In einem Brief des Gemeinderates und der Betriebskommission Begegnungszone an die Geschäfte am Ortskern wurde lediglich angemerkt, dass die Parkplätze eigentlich für Kunden, nicht für Mitarbeiter gedacht sind. Damit ist für Stocker die Sache erledigt.

Dennoch muss auch er zugeben, dass Parkplätze im Dorf Mangelware sind. Ein Hoffnungsschimmer ist der Quartierplan 2, bei dem neben Ladenflächen auch ein Parkhaus geplant ist. Da es sich dabei allerdings um ein privates Projekt handelt, weiss Stocker nicht, ob und bis wann ein solches realisiert wird.

Entlastung für die Hauptstrasse

Aber auch sonst ist in Sissach Punkto Verkehr viel in Bewegung: Derzeit erfolgt der Umtausch von Haupt- und Güterstrasse zwischen Gemeinde und Kanton. Ist dieser vollzogen, wird der Verkehr künftig über die Güterstrasse geführt. So soll die Hauptstrasse entlastet werden und die Autos automatisch einen weiteren Bogen um die Begegnungszone machen.

Damit verbunden soll der östliche Teil der Hauptstrasse aufgewertet werden. Bis Ende April sind fünf Architekturbüros damit beschäftigt, in einem Wettbewerb Vorschläge für eine optimale Nutzung des Strassenabschnittes vorzubringen. Spruchreif sei aber noch nichts: «Letzten Endes ist es eine Frage der Kosten und ob die Bevölkerung so ein Projekt überhaupt will», sagt Stocker diplomatisch.

Sissach ist ein Knotenpunkt. Eine Situation, die viele Vorteile bringt. Aber auch Herausforderungen, gerade beim Schwerverkehr. Deshalb hofft Stocker, dass Verkehrslösungen auch weiterhin vorangetrieben werden, um das Dorf zu entlasten. Der Chienbergtunnel, der 2006 eröffnet wurde, hat eine solche Entlastung gebracht. Dennoch wünscht sich Stocker noch mehr. Zum Beispiel mit einer Bahnunterführung beim Schloss Ebenrain. «Dann könnten die Lastwagen und der gesamte Verkehr von dort aus direkt ins Diegtertal», erklärt er. Denn, auch dessen ist sich Stocker gewiss: Nur, weil es ein Fahrverbot gibt, heisst das noch lange nicht, dass sich die Leute daran halten.

Aktuelle Nachrichten