Laufen
Trauer nach zehn Corona-Toten in Laufner Altersheim: «Die Politik wollte bisher nicht wirklich auf die Epidemiologen hören»

Das Coronavirus konnte sich im Seniorenzentrum Rosengarten stark ausbreiten. Heimleiter Michael Rosenberg übt nun Kritik an der Politik.

Dimitri Hofer
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Im Laufner Seniorenzentrum Rosengarten mischt sich in die Trauer die Wut auf die Gesellschaft.

Im Laufner Seniorenzentrum Rosengarten mischt sich in die Trauer die Wut auf die Gesellschaft.

Juri Junkov

Auffallend viele Todesanzeigen in den vergangenen Wochen hatten etwas gemeinsam: Die verstorbenen Personen lebten zuletzt im Laufner Seniorenzentrum Rosengarten. Zehn Bewohner des Altersheims fielen dem Coronavirus zum Opfer. Rund ein Viertel der Belegschaft und der Senioren steckte sich mit dem Virus an.

Zu den im Heim verstorbenen Personen gehört auch Fridolin Karrer, der als Gründer des Sportshops Karrer weit über das Laufental hinaus Bekanntheit erlangte. In einer vor wenigen Tagen erschienenen Todesanzeige des 86-Jährigen heisst es: «Vor einem Jahr hat eine schwere Erkrankung seinen Eintritt ins Zentrum Rosengarten nötig gemacht. Er hat sich dort wohlgefühlt. Dafür sind wir den Betreuenden dankbar. Leider ist es dann nicht gelungen, ihn vor dem Virus zu schützen.»

Das gesamte Altersheim stand unter Quarantäne

Ausgebrochen ist Corona vor einem Monat in einer Wohngruppe, in der Demenzkranke leben. «Da die Bewohnerinnen und Bewohner dieser Wohngruppe an Demenz erkrankt sind, war es schwierig, das Virus einzudämmen, da sie die notwendigen Abstandsregeln und Hygienemassnahmen nicht verstehen können», schreibt Heimleiter Michael Rosenberg in einem Brief an die Bewohner und Angehörigen. Auf Anfrage sagt er: «In den ersten beiden Wochen blieb das Virus auf der Demenzabteilung.» Danach habe es sich auch in den anderen Wohngruppen verbreitet.

Insgesamt hätten sich rund 50 Bewohner und 30 Mitarbeiter infiziert. «Ein Grossteil der zehn verstorbenen Senioren lebte auf der Demenzabteilung», sagt Rosenberg. Darunter gab es Personen, denen es bereits zuvor schlecht gegangen war. Andere Verstorbene seien vor der Ansteckung mit Corona in relativ guter Verfassung gewesen.

Zwischenzeitlich wurde das ganze Seniorenzentrum Rosengarten unter Quarantäne gestellt. Auf Anordnung des Baselbieter Kantonsarztes durften die Bewohnerinnen und Bewohner keinen Besuch mehr empfangen. «Jetzt sind wir zum Glück aus dem Gröbsten raus», sagt Michael Rosenberg. In einigen Abteilungen sei es für Angehörige über Weihnachten möglich gewesen, in der Begegnungszone des Zentrums die Bewohner zu besuchen.

Viele der Coronatoten lebten in einem Altersheim

Verbreitet sich das Coronavirus in Alters- oder Pflegeheimen, kann sich dies besonders verheerend auswirken. In einem Heim wohnen viele Personen aus der Risikogruppe im gleichen Gebäude und haben Kontakt zueinander. Immer wieder schlug das Virus in Schweizer Altersheimen zu.

Dies war auch in der Region nicht anders: Im Baselbiet lebten 102 der 148 an Covid-19 verstorbenen Personen in einem Alters- oder Pflegeheim. «Nicht alle sind in einem Heim verstorben, sondern zum Teil verstarben sie auch im Spital», schreibt Rolf Wirz vom Informationsdienst des kantonalen Krisenstabs. In Basel-Stadt verstarben 51 der 138 Coronatoten in einem Alters- oder Pflegeheim.

Obschon viele der in beiden Basel dem Virus erlegenen Personen in einem Alters- oder Pflegeheim lebten, ist der Anteil aller dort festgestellten Fälle, gemessen an der Gesamtzahl aller Fälle, eher gering. Anne Tschudin, Leiterin Kommunikation des Basler Gesundheitsdepartements, geht davon aus, dass rund fünf Prozent aller Coronafälle die Bewohner eines Alters- oder Pflegeheims betreffen. Auch im Baselbiet bewegt sich der Anteil bei fünf Prozent.

Die ältere Generation sei Corona geopfert worden

In Laufen spart Heimleiter Michael Rosenberg mit ein paar Tagen Abstand und dem Ende der Quarantäne vor Augen nicht mit kritischen Tönen. «Die Politik wollte bisher nicht wirklich auf die Epidemiologen hören und hat zu viel laufen lassen», sagt er. Die Gesellschaft sei nicht bereit gewesen, sich einzuschränken.

«Schlussendlich haben die Politik und wir als Gesellschaft mit unserer Haltung in Kauf genommen, dass die Generation, die uns zum Wohlstand verholfen hat, dem Coronavirus geopfert wird. Dankbarkeit sieht anders aus.» Irgendwann würden die Historiker über das Verhalten des Schweizer Volks im Umgang mit Corona urteilen – auch in Bezug auf den Schutz der vulnerablen Personengruppen.