Tötungsprozess
Steinbruch Laufen: Zehn Jahre Haft für den Angeklagten im Tötungsprozess

Der 58-jährige Mann, der vor drei Jahren in Laufen den Geschäftspartner einer illegalen Hanf-Indooranlage erschossen hatte, ist vom Baselbieter Strafgericht wegen vorsätzlicher Tötung und weiteren Delikten zu zehn Jahren Haft verurteilt worden.

Dimitri Hofer
Merken
Drucken
Teilen
Beat Schmidli, Gerichtspräsident: «Der Angeklagte hat wissentlich und willentlich gehandelt.»

Beat Schmidli, Gerichtspräsident: «Der Angeklagte hat wissentlich und willentlich gehandelt.»

zvg

Fast ohne eine Regung nahm der Beschuldigte das Urteil der fünf Richter zur Kenntnis. Ob er realisierte, dass es das Baselbieter Strafgericht eher wohlwollend mit ihm gemeint hatte, war nicht ersichtlich. Entgegen der Forderung der Staatsanwaltschaft wertete das Gremium sein Verbrechen nicht als Mord, sondern als vorsätzliche Tötung.

Der 58-Jährige wurde zu einer Haftstrafe von zehn Jahren verurteilt, von denen er höchstens sieben Jahre absitzen muss. Der noch am Tag des Tötungsdeliktes festgenommene Mann hat schon drei Jahre in Untersuchungshaft und danach im vorzeitigen Strafvollzug verbracht. Die Haftstrafe schliesst weitere Vergehen ein, bei denen einige Anklagepunkte wegen Verjährung fallen gelassen worden sind. Neben vorsätzlicher Tötung verurteilte ihn das Strafgericht für mehrfache Widerhandlung gegen das Waffen- und Betäubungsmittelgesetz sowie die Vernachlässigung von Unterhaltspflichten. Auch muss er Genugtuungszahlungen an den Vater und die Schwester des Getöteten leisten.

Strafgericht erachtet einen Suizidversuch als plausibel

Am Vormittag des 21. August 2017 hatte der gebürtige Büsseracher in einem Steinbruch in Laufen seinen 34-jährigen Geschäftspartner getötet. Zusammen betrieben sie dort in einer Liegenschaft eine Indoor-Hanfanlage. «Das spätere Opfer verstand sich als Chef, während der Beschuldigte als Hilfsarbeiter tätig war», sagte Gerichtspräsident Beat Schmidli bei der gestrigen Urteilseröffnung. Der Jüngere sei gegenüber dem Älteren zunehmend fordernd aufgetreten. «Es erscheint uns glaubhaft, dass sich der Angeklagte von seinem späteren Opfer bedroht fühlte und sich vor ihm fürchtete. Er war ihm körperlich unterlegen», erklärte Schmidli. Diese Situation, in die er sich selber hineinmanövriert hatte, sei für den Beschuldigten zur Belastung geworden.

Am Morgen der Tat sei der Angeklagte in den Steinbruch gefahren, wo er eine Pistole holte. «Es erscheint plausibel, dass er sich das Leben nehmen wollte», sagte Gerichtspräsident Beat Schmidli. «Sonst hätte er nicht schon frühmorgens die Waffe mitgenommen, sondern erst später.» Bei einer ehemaligen Zivilschutzanlage habe er sich erschiessen wollen, was er aber nicht fertig brachte.

Anschliessend kam es im Steinbruch zum Tötungsdelikt. Der Angeklagte erschoss seinen Geschäftspartner aus kurzer Distanz mit einem Schuss aus der Pistole. Die Tat sei weder im Affekt geschehen, noch sei sie geplant gewesen. «Es handelt sich um vorsätzliche Tötung, da der Angeklagte wissentlich und willentlich gehandelt hat», erklärte Schmidli. Das Strafgericht gehe jedoch davon aus, dass der Beschuldigte nicht die Absicht hatte, zu schiessen. Der Angeklagte habe kein realistisches Szenario im Kopf gehabt, wie sich die Situation entwickeln könnte. Da keine Skrupellosigkeit zu erkennen sei, könne man nicht von einem Mord sprechen.

Staatsanwaltschaft findet das Urteil vertretbar

Um einen solchen handelte es beim Delikt hingegen gemäss der Baselbieter Staatsanwaltschaft. Diese hatte eine Haftstrafe von 14 Jahren und sechs Monaten gefordert. Auf Anfrage schreibt Michael Lutz, Mediensprecher der Staatsanwaltschaft, zum Urteil: «Aus Sicht der Staatsanwaltschaft ist sowohl die Verurteilung wegen vorsätzlicher Tötung als auch das Strafmass von zehn Jahren Freiheitsstrafe vertretbar, so dass die Staatsanwaltschaft von sich aus nicht in Berufung gehen wird.» Eine allfällige Anschlussberufung behalte sich die Staatsanwaltschaft jedoch vor.

Joanna Wierzcholski, die Verteidigerin des Täters, hatte eine Haftstrafe von maximal sechs Jahren gefordert. Zu einem möglichen Weiterzug des Urteils ans Kantonsgericht möchte sie sich noch nicht äussern, da sie sich zuerst mit ihrem Mandanten besprechen müsse.