Sissach
Sissach ist ein Dorf voller Kirchen, die friedlich nebeneinander stehen

Landeskirchen, die Chrischona, das ICF und das Bewegung-Plus bilden in Sissach kein Gegeneinander, sondern ein Nebeneinander. Von einem Konkurrenzkampf unter den verschiedenen Religionen kann man also nicht sprechen.

Catherine Weyer
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Sissach bietet eine Vielfalt an Regligionen. Konkurrenzkampf gibt es dadurch keinen.

Sissach bietet eine Vielfalt an Regligionen. Konkurrenzkampf gibt es dadurch keinen.

Kenneth Nars

Wer in Sissach am Sonntag einen Gottesdienst besuchen möchte, hat die Qual der Wahl: Neben den beiden Landeskirchen buhlen auch mehrere Freikirchen um die Gunst der Gläubigen. «Wir haben das gleiche Glaubensbekenntnis, die gleichen Grundlagen», sagt Martin Schneider, Pastor der Freikirche Bewegung-Plus, der weniger von einem Konkurrenzkampf als von einem Nebeneinanderleben sprechen möchte.

Jährlich gemeinsamer Gottesdienst

Man wolle in Sissach die Diversität der Gemeinschaften fördern, sind sich die Exponenten der Kirchen einig. Deshalb führen sie auch einmal jährlich einen gemeinsamen Gottesdienst durch. Und bleiben miteinander in Kontakt. «Wir haben von Beginn weg das Gespräch mit den anderen Pfarrern und Pastoren gesucht und wurden herzlich willkommen geheissen», sagt Matthias Saladin, Pastor der International Christian Fellowship (ICF) Baselland.

Als ICF vor rund zwei Jahren bekannt gab, eine «Location» in Sissach zu eröffnen, gab es einige negative Stimmen. Heute sei die Voreingenommenheit verflogen, betont Saladin. Auch das Wort «Sekte» fiel zu Beginn mehr als einmal: «Ein Vorwurf, dem man sich als neue Freikirche wahrscheinlich immer stellen muss», ist Saladin überzeugt. Dass dieser aber ohne Hand und Fuss sei, zeige sich, wenn die Glaubensgemeinschaft nach einigen Jahren im Dorf verankert sei.

Chrischona will zügeln

Auf eine längere Geschichte kann die Chrischona-Gemeinde zurückblicken. Doch trotz der grossen Akzeptanz, welche die Gemeinschaft geniesst, denkt sie laut über einen Umzug nach: «Es ist möglich, dass wir nächstes Jahr wegziehen», so Prediger Willy Burn. Aus dem einfachen Grund, dass der Standort der Kirche zu klein geworden ist.

Zwei Jahre ist es her, da reichte die Chrischona ein Baugesuch ein. Die in die Jahre gekommene Liegenschaft sollte abgerissen werden und einem Neubau Platz machen. Damals gingen die Anwohner auf die Barrikaden – nicht, weil sie grundsätzlich gegen eine Expansion der Freikirche waren, sondern ein Verkehrschaos im Quartier befürchteten.

Jetzt also will Chrischona Sissach den Rücken kehren, zugunsten einer besseren Liegenschaft. Laut Burn ändere sich für die Glaubensgemeinschaft allerdings nichts. «Die Zusammenarbeit mit den anderen Glaubensgemeinschaften wird weiterhin bestehen», versichert er.

«Jagd um Gemeindeglieder»

«Wir möchten das Bewusstsein stärken, dass wir alle Christen sind», erklärt Matthias Plattner, Pfarrer der reformierten Kirche, den gemeinsamen Gottesdienst der Kirchen. Trotz punktueller Zusammenarbeit ist für ihn aber klar: «Wir sind auch Konkurrenten in der Jagd um Gemeindemitglieder.» Aktive, öffentliche Missionierung oder Mitgliederwerbung sei aber verpönt.

Dass es in Sissach eine so grosse Auswahl an Glaubensgemeinschaften gibt, überrascht keinen der Kirchenvorsteher. «Jeder Mensch sehnt sich nach etwas Grösserem als sich selbst. Ich glaube, dass eine lebendige Beziehung zu Gott diese Sehnsucht stillt», meint ICF-Pastor Saladin. Wenn die Bewohner dies in einer dieser Glaubensgemeinschaften fände, sei er zufrieden.

Auch der reformierte Pfarrer Plattner betont den positiven Aspekt der vielen Glaubensgemeinschaften: «Die Kirchenlandschaft ist ein Spiegel unserer modernen Welt. In einem Dorf mit so vielen Menschen braucht es eine Auswahl.»

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