TV-Debatte
Selbstgeissler wartet auf das Paradies – und der Metzger verweigert das Gespräch

Der Ex-Pfarrer Lukas Baumann wollte mit dem Metzger Rolf Häring verbal die Klingen kreuzen – doch dieser erschien nicht im Studio.

Benjamin Wieland
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Moderator Oliver Steffen sagte es gleich zu Beginn: Rolf Häring, Mitorganisator der öffentlichen Metzgete in Sissach, habe nicht ins Studio kommen wollen. Darum musste Lukas Baumann am Donnerstagabend mit einem anderen Metzger vorliebnehmen, um über das öffentliche Schlachten zu diskutieren: In der Sendung «Talk Täglich» von Tele Züri bot ihm Urs Keller, Metzgermeister aus Zürich, Paroli. Um es vorwegzunehmen: Die Diskussion hatte trotzdem Fleisch am Knochen.

«Absurder Akt»

Baumann ist sich das Scheinwerferlicht mittlerweile gewohnt. Über seinen Bussgang vom Montagabend in Sissach, bei dem er sich selbst geisselte, wurde in der ganzen Schweiz berichtet. Der studierte Theologe begründete seine Aktion damit, dass er der Säuli-Metzgete, die zwei Tage zuvor am selben Ort stattgefunden hatte, einen anderen «absurden Akt» gegenüberstellen wollte. Bei der Schlachtung war Rolf Häring einer der ausführenden Metzger.

Es gehe ihm um die Würde der Tiere, sagte Baumann im TV-Studio. Aus dem Töten eine Show zu machen, sei nicht in Ordnung. Der Vergleich mit den früheren Hausmetzgeten hinke, fand der ehemalige Pfarrer von Rothenfluh: «Da wurde man nicht zum Töten eingeladen.» Auch habe Häring davon gesprochen, es gebe ein humanes Töten, dabei gehe das gar nicht.

Metzger Keller entgegnete, man solle Häring nicht verurteilen für den Anlass. Die Mehrheit der Schweizer würde Fleisch essen wollen – und deshalb müssten auch Tiere getötet werden.
Das wollte Baumann nicht gelten lassen. Mensch und Tier befänden sich auf derselben Stufe, das heisse es schon in der Bibel. Im Paradies sei es dem Menschen nicht erlaubt gewesen, Tiere zu essen, sondern nur das, was wächst. Erst, nachdem der Mensch das Paradies verlassen musste, habe er mit dem Fleischessen begonnen.

Und so folgerte Baumann: «Für mich ist der Gang wichtig: Der Gang zurück ins Paradies!»

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