Feinchemie
Schon wieder: Störfall bei CABB in Pratteln

Beim Feinchemie-Hersteller CABB ist am Dienstagmorgen Oleum, auch rauchende Schwefelsäure genannt, ausgetreten. Der neue Standortleiter wollte solche Vorfälle verhindern.

Benjamin Wieland
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Schwefliger Gestank war auch in der Umgebung wahrnehmbar: Bei CABB in Pratteln-Schweizerhalle trat Oleum aus.

Schwefliger Gestank war auch in der Umgebung wahrnehmbar: Bei CABB in Pratteln-Schweizerhalle trat Oleum aus.

Bild: Nicole Nars-Zimmer

Man könnte es schlechtes Timing nennen. Am Dienstag sagte Urs Zimmerli, der neue Standortleiter des CABB-Werks Pratteln, in der bz, jeder Zwischenfall sei einer zuviel, man habe auch deshalb Geld in die Erneuerung der Infrastruktur in die Hand genommen. Am selben Tag, an dem das Interview erscheint, ereignet sich die nächste Störung. Am Dienstagmorgen trat in einer Produktionshalle von CABB in Schweizerhalle Oleum aus.

Die Nebelwolke habe zwar «grösstenteils zurückgehalten» werden können, trotzdem sei es in der Umgebung des Werkareals zu «wahrnehmbaren Geruchsbelästigungen» gekommen. Zum Zeitpunkt des Vorfalls habe sich niemand in der Halle aufgehalten, beteuert CABB, es seien keine erhöhten Werte gemessen worden.

«Für Mensch und Umwelt bestand zu keinem Zeitpunkt eine Gefährdung»

Wie die Baselbieter Polizei schreibt, sei der Grund des Austritts, der um 7 Uhr erfolgte, noch nicht geklärt. Das Oleum habe grösstenteils noch im Gebäudeinneren mit Wasser zurückgehalten werden können. Im Einsatz gestanden hätten die zuständige Betriebsfeuerwehr, das Feuerwehr-Inspektorat beider Basel und die Baselbieter Polizei.

Oleum bildet bei Kontakt mit in Luft gelöstem Wasser einen dichten Nebel aus Schwefelsäuretröpfchen. Deswegen wird Oleum auch rauchende Schwefelsäure genannt. Bei Kontakt mit organischen Stoffen kommt es zu heftigen Reaktionen. So kann Oleum auch die Haut und Atemwege verätzen.

«Alles daran setzen, solche Ereignisse zu vermeiden»

«Der Vorfall ist sehr bedauerlich», zitiert CABB in seiner Medienmitteilung zum Vorfall Standortleiter Urs Zimmerli. Es habe sich aber auch gezeigt, dass das Sicherheitsdispositiv funktionierte. Man habe in den vergangenen Jahren rund 100 Millionen Franken in die Erneuerung und Modernisierung der Infrastruktur im Werk Schweizerhalle investiert. Das trage Früchte, und man werde «weiterhin alles daransetzen, solche Ereignisse in Zukunft zu vermeiden.»

Seit 2010 wurden ein halbes Dutzend Zwischenfälle bei der CABB in Pratteln publik. Bei einem Vorfall 2014 atmete ein Arbeiter giftige Aerosole ein und starb im Spital an den Folgen. Wegen der Pannenserie ist das Unternehmen immer wieder Thema im Baselbieter Landrat, zuletzt nach einem Stoffaustritt im September. Der Regierungsrat beantwortete Anfragen von Grünen-Landrat Peter Hartmann damit, nach Häufungen von Ereignissen 2016 habe man die Kontrollen intensiviert. Alleine 2020 habe es bei der CABB vier Störfallinspektionen gegeben. Auch sei es im September zu einer dringlichen Sitzung zwischen dem Standortleiter und kantonalen Stellen gekommen.

Wurzeln gehen auf die Säurefabrik Schweizerhall zurück

Urs Zimmerli sagte im bz-Interview, man sei seit 3,5 Jahren unfallfrei, wenn man den Arbeitsausfalls-Indikator heranziehe. Laut dieser Definition müsste ein Angestellter oder eine Angestellte nach einem Vorfall mehr als einen Tag nicht arbeitsfähig sein.

Pratteln ist der grösste Produktionsstandort der CABB Group mit Sitz in Sulzbach bei Frankfurt. Die Geschichte der CABB, ursprünglich eine Clariant-Tochter, geht jedoch bis 1917 zurück: 2007 übernahm CABB SF Chem AG, die frühere Säurefabrik Schweizerhall. Dieser Betrieb wurde von der Basler Chemie initiiert, um die Versorgung mit Salz- und Schwefelsäure während des Ersten Weltkriegs sicherzustellen.

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