Wein
Prämierungen allein reichen nicht aus

Seit einigen Jahren räumen die Baselbieter Weine bei Prämierungen in der Schweiz ab. Ein Pinot noir 2009 der Genossenschaft Syydebändel wurde zum zum drittbesten Schweizer Blauburgunder erkoren. Preise allein reichen nicht aus.

Fabian Muster
Drucken
Teilen
Ob die Prämierungen für die Baselbieter Weine verkaufsfördernd sind, ist unter Weinhändlern umstritten. Jun

Ob die Prämierungen für die Baselbieter Weine verkaufsfördernd sind, ist unter Weinhändlern umstritten. Jun

Ein Beispiel: Dieses Jahr wurde ein Pinot noir 2009 der Genossenschaft Syydebändel am grössten Schweizer Wettbewerb Grand Prix du Vin Suisse zum drittbesten Blauburgunder erkoren. Paul Leisi, der Präsident des Baselbieter Weinproduzentenverbandes, stellt denn auch mit Genugtuung fest: «Als Weinproduzenten sind wir mittlerweile landesweit anerkannt.» Er führt die Qualitätssteigerung auf die verbesserten Kelterungsmethoden der Weinkellereien sowie auf die Mengenbegrenzung zurück. Seit Jahren dürfen Reben nur noch 1,2 Kilo Trauben pro m2 bei Weisswein und 1 Kilo Trauben pro m2 bei Rotwein tragen. «Manche Winzer gehen deutlich unter diese Obergrenze. Sie lassen nur noch 600 bis 800 Gramm pro m2 hängen.» Dies beweise, dass das Bewusstsein für Qualität auch bei den Winzern angekommen sei.

Dass sich die prämierten Weine besser verkaufen lassen, kann der Marketing- und Logistikleiter Thomas Martin von der Liestaler Kellerei Siebe Dupf bestätigen. «Die Kunden entscheiden sich schneller für einen Wein mit Auszeichnung, weil sie davon ausgehen können, dass er bestimmte Qualitätskriterien erfüllt.» Die Nachfrage steige bei den entsprechenden Produkten, manche seien gar ausverkauft. Pro Jahr geht die grösste Weinkellerei der Region an die vier, fünf grössten Prämierungen auf regionaler und nationaler Ebene, etwa an La Sélection der Basler Weinmesse oder an die Expovina, die internationale Weinprämierung in Zürich. Pro eingereichte Weinflasche wird eine Gebühr zwischen 100 und 180 Franken erhoben. «Von 20 eingereichten Weinen holen rund 15 jeweils eine Medaille», sagt Martin.

Ohne Prämierungen auf Erfolgskurs

Dass es auch anders geht, zeigt die Sissacher Weinkellerei Buess. «Wir gehen seit rund 15 Jahren an keine Prämierungen mehr», sagt Renata de Coulon. Für das Geschäftsleitungsmitglied haben sich die Auszeichnungen als «zu wenig verkaufswirksam» herausgestellt. «Es gibt zu viele solche Anlässe. Der Kunde weiss am Schluss nicht mehr, wem er glauben soll.» Was mehr Kunden in den Laden bringe, seien Einträge in Weinführer wie den renommierten «Kleinen Johnson», der Topproduzenten weltweit vorstellt. «Wir hatten dieses Jahr das Glück, dass unsere Kellerei als Baselbieter Produzent eingetragen ist.»

Dass Weinprämierungen nicht ausreichen, um die Erzeugnisse beim breiten Publikum bekannt zu machen, ist auch Verbandspräsident Leisi klar. Mit einer Kampagne will er die Baselbieter Tropfen in der Nordwestschweiz mittelfristig besser vermarkten. «Vor allem in Basel sind unsere Weine noch zu wenig bekannt.»

Aktuelle Nachrichten