Öffentlicher Verkehr
Tarifverbund Nordwestschweiz will keine Sparbillette einführen

Der TNW befürchtet, dass Kundinnen und Kunden vermehrt aufs U-Abo verzichten. Doch schweizweit soll der Tarifdschungel gelichtet werden.

Simon Tschopp
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Kreuzende Trams beim Basler Marktplatz.

Kreuzende Trams beim Basler Marktplatz.

Bild: Kenneth Nars

Der Tarifverbund Nordwestschweiz (TNW) plant in seinem Gebiet derzeit zwar keine Sparbillette, er sieht beim Tarifsystem jedoch Handlungsbedarf. Deshalb sollen in den nächsten zwei Jahren alternative Tarif- und Sortimentsmodelle erarbeitet und geprüft werden. Dies schreibt die Baselbieter Regierung in einer Vorlage ans Kantonsparlament.

Zu kompliziert und intransparent

Mitte-Landrat Felix Keller hatte ein Postulat «Sparbillette auch auf dem TNW-Netz» eingereicht. Darin listete er ein paar Beispiele von SBB-Spartickets auf, die auf längeren Strecken billiger sind als ein TNW-Billett auf einer kürzeren. Kellers Fazit zu einem seiner Exempel:

«Der Kluge reist im Zuge und löst nach Laufen ein Sparticket bis Delémont!»

Der Regierungsrat räumt ein, dass – das U-Abo ausgenommen – die Tarife im TNW-Gebiet zum Teil als zu kompliziert und intransparent wahrgenommen werden können, insbesondere wenn günstigere Sparbillette zu unterschiedlichen und kuriosen Konstellationen führen. Dennoch steht der TNW einer Einführung von Sparbilletten innerhalb seines Gebiets momentan kritisch gegenüber, weil er unter anderem befürchtet, dass dann Fahrgäste vermehrt auf das Abonnement verzichten.

Neues Projekt soll Kundenfallen eliminieren

Laut der Baselbieter Regierung ist sich die ÖV-Branche einig, dass die Schweizer Tariflandschaft zu kompliziert und zu komplex ist. Das Sortiment ist gross und teils schlecht verständlich; dies gilt verschärft in grenzüberschreitenden Regionen. Mit dem sogenannten direkten Verkehr – ein Billett für eine Reise auf dem gesamten Schweizer ÖV-Netz – und den Verbünden besteht ein duales Tarifsystem. Die Folge seien Widersprüchlichkeiten im System und zu wenig Transparenz, meint die Regierung und schreibt weiter:

«Dies wiederum kann dazu führen, dass sich Kundinnen und Kunden nicht sicher sind, ob sie das richtige Ticket gekauft haben. Die vor zwölf Jahren von den SBB eingeführten Sparbillette verstärken diese Effekte.»

Doch diese Nachteile sollen in den kommenden Jahren behoben werden. Deshalb hat Alliance Swiss Pass, die Branchenorganisation des öffentlichen Verkehrs und ein Zusammenschluss von 250 Transportunternehmen und 18 Verbünden, das Projekt «Grobkonzept integriertes Tarifsystem» lanciert. Damit sollen Kundenfallen und die mangelnde Übersicht bei Preisen und Sortimenten beseitigt werden. Übergeordnetes Ziel ist der einfachere Zugang zum ÖV Schweiz.

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