Giftköder ausgelegt
Noch fehlt jede Spur von den Hundehassern aus der Region

Immer wieder werden Köder ausgelegt, die den Tieren schaden sollen. Im jüngsten Fall in Reinach waren es Hackfleischbällchen mit weissem Pulver.

Benjamin Wieland
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Vergangene Woche gingen bei der Gemeindepolizei Meldungen über verdächtige Hundeköder in Reinach ein. (Symbolbild)

Vergangene Woche gingen bei der Gemeindepolizei Meldungen über verdächtige Hundeköder in Reinach ein. (Symbolbild)

KEYSTONE

Hundehasser beweisen Einfallsreichtum bei ihrem Vorhaben, Tieren möglichst viel Schaden zuzufügen. Sie präparieren Würste oder Fleischstücke, versetzen sie mit Glasscherben, Rasierklingen oder Nägeln. Oder sie vergiften die Köder. So wie in Menziken AG im vergangenen Jahr, als Hamburger mit Rattengift ausgelegt wurden. Oder im April 2015 in Basel: Mehrere Hunde verzehrten Giftköder oder Teile davon, einer starb. Mindestens fünf Fleischköder waren im Schützenmattpark und Umgebung verteilt worden. Finder beschrieben die Objekte als gräuliche Masse mit schwarzen Körnern. In diesen steckte das Gift.

Und nun Reinach. Vergangene Woche gingen bei der Gemeindepolizei Meldungen über verdächtige Fundstücke ein. Sie werden als Hackfleischbällchen beschrieben, mit weissem Pulver als Inhalt. Die Polizei publizierte am Mittwoch vergangener Woche eine Warnung. Gefunden wurden die Bällchen in der Umgebung zwischen Schiessanlage Schürfeld/Heutrocknerei und Erlenhof (die bz berichtete). Dass sie nicht zufällig in der Gegend herumlagen, darauf weisen die Fundorte hin: Die Bällchen waren jeweils in der Nähe von Robidog-Behältern ausgelegt – als tödlicher Snack.

Bisher hat die Gemeindepolizei keine Kenntnis von weiteren Funden erhalten, ebenso wenig von Vergiftungen. «Trotzdem empfehlen wir den Hundehaltern, dass sie in diesem Gebiet weiterhin und besonders gut auf ihre Tiere aufpassen», sagt Andreas Müller, Leiter der Gemeindepolizei Reinach. «Man sollte darauf achten, dass sie keine unbekannten Gegenstände ins Maul nehmen, darauf herumkaufen oder diese sogar verschlucken.» Falls dies doch geschehen sei, solle man umgehend einen Tierarzt aufsuchen, auch wenn das Tier keine Anzeichen für eine Vergiftung zeige. «Und man sollte uns derartige Funde unbedingt melden.»

Die Gemeindepolizei hat keines der beschriebenen Hackfleischbällchen zu Gesicht bekommen, deshalb konnte sie auch keines analysieren lassen. Somit sei es auch nicht möglich, sagt Müller, eine Aussage darüber zu machen, ob diese tatsächlich Gift enthalten hätten. Auch bei der Baselbieter Polizei sind keine Meldungen über verdächtige Gegenstände in Reinach eingegangen.

Plötzlich gelähmte Beine

Die Warnung aus Reinach weiterverbreitet hat unter anderem der Tierschutz beider Basel. Geschäftsleiterin Béatrice Kirn sagt, derartige Hinweise aus der Nordwestschweiz würden im Schnitt zweimal pro Jahr eingehen. Vor Reinach seien Meldungen aus Gelterkinden und vom erwähnten Fall vom Schützenmattpark eingegangen. Kirn erinnert sich an eine Mitarbeiterin des Tierschutzes, deren Tier Opfer eines Köders wurde. «Ihr Hund ass ein Stück Fleisch, das er am Birsufer aufgestöbert hatte.» Rasch hätten sich Lähmungserscheinungen gezeigt, so habe das Tier die Hinterbeine nicht mehr bewegen können. «Die Mitarbeiterin ging sofort zum Tierarzt, das Tier konnte gerettet werden.»

Die Köder vom Schützenmattpark wurden vom Institut für Gerichtsmedizin in Basel untersucht. Der Basler Kantonstierarzt Michel Laszlo schreibt auf Anfrage, dies sei der jüngste derartige Fall gewesen, in dessen Rahmen man eine Analyse durch geführt habe. Über die nachgewiesenen Stoffe will Laszlo keine näheren Angaben machen, «wegen der Gefahr von möglicher Nachahmerschaft». Es gebe aber eine Vielzahl von Stoffen, die für Tiere unter Umständen schädlich sein könnten. Sie fänden sich auch in jedem Haushalt, sagt Laszlo – und sogar in Nahrungsmitteln.

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