Zum Tod von Willi Breitenstein
Der singende alt Landratspräsident: «Optimist ist der beste Mist»

Der Zeglinger Willi Breitenstein verstarb Mitte Februar in seinem 96. Altersjahr. Eine Würdigung.

Fredi Rickenbacher *
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Willi Breitenstein-Gysin.

Willi Breitenstein-Gysin.

zvg

Der alt Gemeindepräsident, alt Landratspräsident und Ehrenbürger von Zeglingen, Willi Breitenstein-Gysin, ist Mitte Februar im 96. Altersjahr verstorben. Geboren wurde er am 20. April 1926 im Oberdorf in Zeglingen, wo er bis zu seinem Tod lebte.

Willi erlebte eine harte Jugendzeit, aufgewachsen in einer kleinbäuerlichen Familie. Sein Vater hielt eine höhere Schulbildung oder den Besuch einer Landwirtschaftlichen Schule für unnötige Zeitverschwendung. Deshalb musste Willi schon in jungen Jahren hart arbeiten. Mit 16 Jahren trat er dem Gemischten Chor Zeglingen und später dem Männerchor bei. Er war ein begeisterter und überaus begabter Sänger.

1989 die politische Krönung

Im Herbst 1948 heiratete Willi Breitenstein Martha Gysin aus Oltingen; dieser Ehe entsprossen vier Kinder. Mit 22 Jahren stieg er als Armen-und Bürgerkassier von Zeglingen in die Öffentlichkeitsarbeit ein. Während 34 Jahren gehörte er dem Gemeinderat an, wovon 20 Jahre als Gemeindepräsident. In dieser Zeit hat Willi im Dorf viel bewegt, wofür man ihm heute noch dankbar ist.

1979 wurde Willi Breitenstein in den Landrat gewählt, dessen Mitglied er 16 Jahre lang war. Krönung seiner politischen Tätigkeit war die Wahl zum Landratspräsidenten fürs Amtsjahr 1989/1990. Unvergessen im Dorf bleibt das denkwürdige Landratspräsidentenfest. Während seiner jahrzehntelangen Präsenz in der Politszene leistete er für seine Heimat- und Wohngemeinde Zeglingen, für sein geliebtes Baselbiet und für den Bauernstand Hervorragendes.

Von Schicksalsschlägen nicht verschont geblieben

Willi Breitenstein war ein wahrer Volksvertreter. Ein stetiges Anliegen von ihm war, die wunderbare und schützenswerte Landschaft auf dem Zeglingerberg zu erhalten. Die ungenutzten und steilen Hügel im Berg verwucherten zusehends, und Willi wollte dies verhindern. Dank seiner Initiative konnte die Weidegenossenschaft Zeglingen gegründet werden. Seither werden diese Flächen von Rindern beweidet, und die Bergmatten bleiben eine Augenweide.

Von Schicksalsschlägen blieb Willi nicht verschont. Im Alter von 45 Jahren verlor er seine geliebte Frau Martha wegen Herzschlags. Eine schwere Zeit für Ihn und seine Kinder. Sechs Jahre nach dem Tod seiner Frau hat Willi erstmals die Schweiz verlassen, für eine Kreuzfahrt in die Nordsee. Dort lernte er seine langjährige Lebenspartnerin Elisabeth Strub kennen. Mit ihr konnte er fortan Freud und Leid teilen und viele weitere Reisen in alle Welt unternehmen.

«Optimist ist der beste Mist»

Einen wichtigen und bereichernden Platz nahmen seine Kinder, Gross- und Urgrosskinder ein. Willi Breitensteins Lebensrezept war so einfach wie bestechend: positiv denken. Sein Spruch war «Optimist ist der beste Mist». Dank dieser Einstellung konnte sich Willi bis ins hohe Alter bester Gesundheit erfreuen.

* Fredi Rickenbacher ist amtierender Gemeindepräsident von Zeglingen