Ebenrain-Tagung
«Mir wäi fürsi luege»: Visionen für das Baselbiet in zwanzig Jahren

Wie wird das Baselbiet im Jahr 2030 aussehen? Dies war das Thema einer Tagung im Schloss Ebenrain in Sissach. Gut 100 Personen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft beschäftigten sich intensiv mit dem Zukunft des Baselbiets.

Thomas Immoos
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Nebst Siedlungsgebieten soll auch in Zukunft viel Grün das Baselbiet prägen – wie in Bubendorf (Bild). ZVG

Nebst Siedlungsgebieten soll auch in Zukunft viel Grün das Baselbiet prägen – wie in Bubendorf (Bild). ZVG

Es war ein grosses Stelldichein am Samstag im idyllischen Schloss Ebenrain in Sissach. Politikerinnen und Politiker aller Stufen, Wirtschaftsvertreter, Fachleute aus der Wissenschaft sowie einige Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Liestal – gut 100 Personen widmeten sich einen Tag lang intensiv Szenarien für die Zukunft des Baselbiets. Die traditionelle Ebenrain-Tagung stand unter dem Motto «Mir wäi fürsi luege» und hatte das Jahr 2030 im Visier.

Radikales Denken erwünscht

«Das Thema weist auf eine Aufbruchstimmung hin», sagte Regierungsrat Isaac Reber in seinem Begrüssungsvotum. Die Baselbieter Exekutive habe die Weichen entsprechend gestellt, als sie im Februar neue Perspektiven aufgezeigt habe. Handlungsfähig sei man aber nur mit einer guten Finanzlage: «Ohne Handlungsfähigkeit gibt es keine Projekte, ohne Projekte keine Perspektiven.»

Deshalb müsse sich zuerst der Steuerertrag erholen. Danach werde das Entwicklungsgebiet gestärkt. So soll das Baselbiet noch mehr zu einem attraktiven Standort für Wirtschaft, Forschung und Entwicklung werden. Isaac Reber gab ein Plädoyer für die Gemeinden aus: Diese seien auch in Zukunft wichtig. Sie stünden und garantierten für Bürgernähe. Und er appellierte an die Teilnehmenden, in den Arbeitsgruppen «radikal zu denken und auch extreme Positionen zuzulassen».

Zusammen ist man stark

Baselland 2030

Kathrin Amacker, Präsidentin der Regio Basiliensis und Mitglied der Swisscom-Konzernleitung, sprach über: «Die Wirtschaft vor neuen gesellschaftlichen und internationalen Herausforderungen».

«Politische Strukturen und Aufgaben in der Kantonsverfassung von 1984: Stimmt die Ausrichtung noch im 21. Jahrhundert?» war das Thema von Denise Buser, Titularprofessorin für kantonales öffentliches Recht an der Uni Basel.

Das Thema von Patrick Leypoldt, Leiter der Geschäftsstelle Agglomerationsprogramm Basel, lautete: «Raum und Gesellschaft – welche räumliche Ordnung ist Voraussetzung für eine zukunftsträchtige Entwicklung?

Welche Kräfte werden unseren Lebensraum massgebend prägen?» Ueli Mäder, Professor für Soziologie an der Uni Basel, referierte zum Thema: «Neue Lebensformen und Identität im Kontext der Globalität». (TIM)

Als Soziologe hat Ueli Mäder festgestellt, dass der soziale Wandel alles unter wirtschaftliche Gesichtspunkte stellt. Das führe zu Egoismus, übertriebenem Individualismus und Einsamkeit. Auch er sieht in einer verstärkten Kooperation aller gesellschaftlichen Kräfte eine vielversprechende Perspektive. Eine zu stark auf wirtschaftlichen Erfolg fokussierte Gesellschaft könnte zu Konflikten führen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährden, warnte Mäder weiter. Stattdessen sollten seinem Szenario gemäss mit der Wirtschaft verbindliche Kooperationen vereinbart werden.

Gemeinsames Standort-Marketing

Dem hielt Kathrin Amacker, Leiterin der Unternehmenskommunikation der Swisscom, entgegen, dass es ohne Wirtschaft auch in Zukunft nicht gehe. Die viel kritisierte Globalisierung habe weltweit zu grösserem Wohlstand geführt. Was das Baselbiet angehe, sei wichtig, für mehr Sichtbarkeit zu sorgen, etwa durch eine weltweite gemeinsame Standort-Promotion der Region Basel. Bei alledem müsse man stets innovativ bleiben. Hier sieht Amacker die Chancen der Region weiterhin vor allem in den Bereichen Life Sciences, IT und Dienstleistungen (Banken, Versicherungen).

Der Regionalplaner Patrick Leypoldt wies darauf hin, dass der Druck auf Ressourcen (Wasser, Energie, Nahrung) massiv zunehmen werde. Erdöl, Erdgas und andere nicht erneuerbare Energien würden immer knapper. Deshalb werde sich die Mobilität verteuern. Um dem entgegenzuwirken, rückten Arbeit und Wohnen in Zukunft näher zusammen. Da sich auch die Agglomeration Basel international behaupten müsse, komme man nicht darum herum, über die Kantons- und Landesgrenzen hinweg, die Herausforderungen gemeinsam anzugehen, etwa in der Raum- und Verkehrsplanung.

Nach den Referaten diskutierten die Teilnehmenden die Thesen und Ideen in Arbeitsgruppen. Den Abschluss bildete eine Zusammenfassung der Tagung durch Regierungsrat Urs Wüthrich. Und er mahnte die Teilnehmenden auch zu Spiritualität: «Man soll nicht nur ‹fürsi luege›, sondern ab und zu auch ‹obsi›».

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