Wahlen 2019
«Mir drugge Ihne dr Duume» – die Grünen starten mit Maya Graf in den Ständerats-Wahlkampf

Maya Graf legt sich nicht fest, ob sie sich in einem allfälligen zweiten Wahlgang zugunsten von SP-Kandidat Eric Nussbaumer zurückziehen würde.

Tobias Gfeller
Drucken
Teilen
Maya Graf will in den Ständerat.

Maya Graf will in den Ständerat.

GIAN EHRENZELLER

Für die mediale Lancierung ihres Wahlkampfs haben sich die Grünen ein Café in der Liestaler Rathausstrasse ausgesucht. Die übrigen Gäste wurden so quasi zu Teilnehmenden. «Mir drugge Ihne dr Duume», sagt ein älteres Pärchen strahlend zu Maya Graf. Nur die Motoren der Transportautos stören die grüne Idylle. Doch davon lassen sich die Grünen für einmal nicht aus der Ruhe bringen.

Parteipräsident Bálint Csontos legt in der Vorstellung seiner Ständeratskandidatin gleich angriffig los. Es sei wichtig, dass eine Grüne in den Ständerat gewählt werde, um den Bundesratsparteien, die dort beinahe unter sich seien, auf die Finger zu schauen. «Die betreiben dort ihren Kuhhandel», schimpft Csontos und lobt Graf gleichzeitig als Brückenbauerin mit grossem Netzwerk, die ihre eigenen Haltungen stets unnachgiebig vertrete. «Maya Graf hat Lust, Brücken zu bauen.»

Graf möchte für ein Baselbiet nach Bern, das für die kommenden Generationen fortschrittlich, gut vernetzt und lebenswert sein soll, nach Bern. Das Soziale, die Wirtschaft und die Umwelt bezeichnet sie als die drei Pfeiler einer nachhaltigen Entwicklung. Es brauche eine Mehrheit, die die jetzigen Herausforderungen anpacke. Trockenheit, gesperrte Wälder und Hitzeschäden machen ihr weh, so Graf. «Es kommt schnell. Wir müssen heute handeln, und wir können noch handeln.»

Die Sissacherin präsentiert sich als lösungsorientierte und kompromissbereite Politikerin mit grossem Erfahrungsschatz, die sich in mehreren Themenfeldern – auch in der Wirtschaft ̶ engagiert. So besuchte sie mehrere Baselbieter Unternehmen, die innovativ im Bereich Nachhaltigkeit tätig sind. Beim Thema Bildung, Forschung und Innovation kritisiert sie direkt ihre Konkurrentin Daniela Schneeberger (FDP), die einer Budgeterhöhung in diesen Bereichen im Nationalrat nicht zugestimmt habe.

«Verlorene Legislatur»

Am Beispiel der Trinkwasser- und Pestizidinitiative, die beide in der Bevölkerung hohe Zustimmungsraten verzeichnen, beschreibt sich Maya Graf als lösungsorientierte Politikerin und die bürgerliche Mehrheit von SVP und FDP als Verhinderer eines griffigen Gegenvorschlags. «Ich habe mich bei beiden Abstimmungen enthalten, weil wir eine Lösung gemeinsam mit den Bauern brauchen.» Es brauche nicht nur eine Pestizidreduktion, sondern auch Innovationen bei den Pflanzenschutzmitteln. «Wenn die Landwirtschaft gescheit ist, schickt sie mich in den Ständerat.»

Gleich mit drei Listen treten die Grünen für die Nationalratswahlen an. Die Oltingerin Florence Brenzikofer geht dabei als Spitzenkandidatin ins Rennen. Doch zweifelsfrei steht in diesem Jahr die Ständeratskandidatur von Maya Graf im Zentrum. Wie sie sich in einem allfälligen zweiten Wahlgang verhalten würde, falls SP-Kandidat Eric Nussbaumer im ersten Wahlgang mehr Stimmen erhielte, wollten sowohl Graf wie auch Parteipräsident Csontos nicht abschliessend sagen. «Wir werden nach dem ersten Wahlgang die Lage analysieren», kündigte Graf lediglich an, während Csontos von seiner Abmachung mit SP-Präsident Adil Koller berichtete, am Wahlsonntag zusammen reden zu wollen.

Aktuelle Nachrichten