Grösstes Schweizer Talent
Maya Wirz glaubt trotz Flaute weiter an die grosse Gesangs-Karriere

Seit März trägt Maya Wirz den Titel «Grösstes Schweizer Talent». Sie staubte dafür 100000 Franken ab. Im Mai erschien dann ihre CD. Seither herrscht Flaute. Die CD verkauft sich schlecht. Doch Wirz ist zuversichtlich: «Jetzt fängt es richtig an!»

Anna Wanner
Drucken
Teilen
Die Bus-Chauffeuse träumt noch vom Erfolg: Im Sommer sang Maya Wirz nur selten vor grossem Publikum.

Die Bus-Chauffeuse träumt noch vom Erfolg: Im Sommer sang Maya Wirz nur selten vor grossem Publikum.

bz-Archiv

Maya Wirz hat investiert: Eine lange geplante Reise nach New York ist gebucht, die letzte Rate für den Smart bezahlt und für neue Kleider, Noten und Singstunden gesorgt. Ihr Gewinn über 100000 Franken aus der Sendung «Die Grössten Schweizer Talente» (DGST) weiss sie gezielt einzusetzen. Nur der daraus erhoffte Erfolg bleibt noch aus.

Die 49-jährige Baselbieterin lässt sich nicht kleinkriegen: «Jetzt fängt dann alles an. Zunächst musste ich mit der neuen Situation klarkommen. Ich war am Üben und Vorbereiten.» Am Busfahren war sie auch. Denn an ihrem Job bei der Autobus AG Liestal hält sie fest. Wenigstens bis im Herbst. Dann geht sie mit Bo Katzman auf Tournee. «Wenn das gut läuft, schenkt es genügend ein, um nicht arbeiten zu müssen», sagt sie.

Verkaufszahlen unter Erwartungen

Von einer Flaute will sie denn auch nichts wissen. Eher hatten die Konzertveranstalter für diesen Sommer bereits alle Künstler gebucht. «Ich bin zufrieden», sagt sie. Ihr Manager von der Plattenfirma Sony, Maurizio Dottore, reagiert darauf überrascht: «Ich bin erstaunt, dass sie nicht etwas mehr enttäuscht ist.» Sony gibt zwar noch keine Verkaufszahlen bekannt. Dottore gesteht aber, dass diese «leicht unter den Erwartungen liegen».

Frohnatur Wirz lässt sich von den Zahlen nicht beeindrucken. Sie wolle die eigene Karriere langsam und stetig aufbauen. «Platz eins oder zwei in den Charts zu belegen, erwarte ich gar nicht.» Dass sich die CD nicht so gut verkaufe, liege auch am Schweizer Temperament. «Zwar schauen die Leute gerne fern, aber sie springen nicht auf, um eine CD zu posten.» Der Sony-Manager begründet den schleichenden Erfolg mit ihrem Newcomer-Status: «Vor sechs Monaten kannte sie noch niemand.»

Ein Neuling ohne Erfahrung

Dass auf den Sieg in einer Casting-Show nicht unbedingt eine erfolgreiche Karriere folgt, ist seit Carmen Fenk, Salome Clausen und Fabienne Louves bekannt. Und diese bedienen laut Dottore ein breiteres Publikum als Wirz, die sich im klassischen Segment etablieren will.

«Erfolgreiche Opernstars blicken meist auf 30 Jahre Gesangserfahrung zurück», sagt Dottore. Maya Wirz sei ein Neuling und wisse noch nicht, was es heisse, im klassischen Bereich zu singen. Wirz widerspricht. Sie sieht gerade da ihren Vorteil: «Ich bin eine routinierte Sängerin.»

Bringt der Herbst die Wende?

Sie habe über Jahre hinweg gespart, um regelmässig Gesangsunterricht zu nehmen. «Mit dem Sieg bei DGST habe ich die Früchte dieser Arbeit geerntet», sagt sie. Ihr Manager kontert: «Nur, weil man gut singen kann, heisst das nicht, dass man als Star reüssiert.» Für ihn gehören Bühnenpräsenz und schauspielerisches Talent genauso dazu.

Wirz fiebert jetzt dem Herbst entgegen. Denn eins ist für sie klar: «An der Qualität scheitert das Album nicht.» Weil sie keine eigenen Lieder singe, sei der Kontakt mit dem Publikum wichtig. «Immer nach den Konzerten verkaufen sich die CDs gut», weiss sie. Ihre grosse Chance sieht sie in den 17 Konzerten mit Bo Katzman, mit dem sie ab November durch die halbe Schweiz tourt.

Aktuelle Nachrichten