Leistungsschau
Leistungsschau des Zivilschutzes zog 250 Besucher an

Im Mulchkasten liegen Personen unter Betonplatten verschüttet. Auf dem Fussballrasen werden mannshohe Baumstämme aus dem Gefahrenbereich gezogen. Im Schulhof steht ein richtiges Lager aus Sanitätszelten neben dem Container für Not-OPs.

Boris Burkhardt
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Im Baselbiet wurde erstmals eine Leistungsschau des Zivilschutzes durchgeführt
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Im Baselbiet wurde erstmals eine Leistungsschau des Zivilschutzes durchgeführt Bild: Heinz Dürrenberger
Im Baselbiet wurde erstmals eine Leistungsschau des Zivilschutzes durchgeführt Bild: zvg
Im Baselbiet wurde erstmals eine Leistungsschau des Zivilschutzes durchgeführt Bild: zvg
Im Baselbiet wurde erstmals eine Leistungsschau des Zivilschutzes durchgeführt Bild: Heinz Dürrenberger
Im Baselbiet wurde erstmals eine Leistungsschau des Zivilschutzes durchgeführt Bild: Heinz Dürrenberger
Im Baselbiet wurde erstmals eine Leistungsschau des Zivilschutzes durchgeführt Bild: Heinz Dürrenberger

Im Baselbiet wurde erstmals eine Leistungsschau des Zivilschutzes durchgeführt

AZ

Die Zivilschutzkompanie Baselland und die regionale Kompanie Ebenrain haben sich im Sissacher Primarschulhaus eingerichtet und bereiten sich auf das Schlimmste vor: 57 Verschüttete, Brandopfer und Traumatisierte werden erwartet.

Zum Glück handelt es sich bei den Opfern nicht um Schüler: Die Primarschule war gestern nicht Schauplatz einer furchtbaren Tragödie, sondern der ersten Leistungsschau, die der Zivilschutz im Baselbiet durchführte. Angenommen wurde ein schwerer Unfall in der Sissacher Hauptstrasse, als ein Linienbus mit einem Chemietransporter kollidierte und dieser explodierte. Durch die Wucht der Explosion fielen die umstehenden Häuserfassaden ein und verschütteten den voll besetzten Bus.

Turnhalle wird zur Notunterkunft

Den ganzen Tag über waren insgesamt 250 geladene und spontane Besucher auf dem Schulgelände und liessen sich von 150 Mitgliedern des kantonalen und regionalen Zivilschutzes zeigen, wie Verschüttete geborgen und verarztet werden, wie Patientenleitsysteme dafür sorgen, dass niemand verloren geht, wie eine Notunterkunft in der Turnhalle aufgebaut wird, wo der Strom für all die Geräte herkommt und wo das Schadenplatzkommando in seinem Einsatzleitungswagen die vielen Retter koordiniert.

So erklärt beispielsweise Simon Nussbaum, Zivilschutz leistender aus der Ebenrain-Kompanie, den Besuchern am Mulchkasten immer wieder, wie seine jungen Kameraden Verletzte aus Betontrümmern retten. Die Palisaden der Spielburg müssen für die Präsentation der Stollenrettung herhalten: Bevor der Zivilschutz zu den Verletzten vordringen kann, muss er den Eingang des Stollens unter den «Betontrümmern» mit Holzbalken absichern. Die nötigen Scheite passen die Kollegen mit der Motorsäge direkt vor Ort an.

«Unsere eigene Sicherheit geht vor», erklärt Nussbaum den Umstehenden, warum die Verletzten geduldig warten müssen, bis der Stolleneingang gesichert ist. Ob die Retter im Ernstfall auch diese Geduld aufbringen können, wenn Schmerzensschreie und verzweifelte Hilferufe aus dem Trümmerhaufen dringen? Nussbaum kann es nicht sagen: «Von uns war noch keiner im Ernstfall im Einsatz. Zum Glück.»

Getrennte Kammern für Männlein und Weiblein

Auch die Anlage, die Sven Mohler nebenan präsentiert, wurde bisher nur bei Übungen benutzt. Mohler ist Führer des ABC-Zugs und steht vor der Dekontaminationsdusche. Hier müssen sich im Falle der chemischen Explosion alle Unfallbeteiligten kräftig duschen und abbürsten - in getrennten Kammern für Männlein und Weiblein, versteht sich. Auf die Einladung Mohlers, die Dusche mit geheiztem Wasser auszuprobieren, reagieren die erwachsenen Besucher verhalten.

Eine Gruppe von jungen Schülerinnen schaut sich die Nasszelle jedoch genauer an: Sie staunen, wie sich ihr Schulhof über Nacht verwandelt hat. «Bei einem atomaren Zwischenfall müssen wir vor allem den Staub abwaschen», erklärt Mohler: «Dafür haben wir Geigerzähler in der ‹Venus›.» So heisst der Einsatzwagen des ABC-Zugs. Warum, erklärt Mohler weder den Kindern noch den Erwachsenen.

Cheforganisator Max Strübin, stellvertretender Leiter des Zivilschutzes im Amt für Militär und Bevölkerungsschutz sowie Kantonaler Kompaniekommandant, ist gegen sieben Uhr, kurz vor Ende der Veranstaltung, sehr zufrieden mit dem Ablauf: «Unsere Schau wurde sehr positiv aufgenommen: Regierung, Parlament, Polizei, Feuerwehr, alle Gäste sind der Meinung, dass der Zivilschutz heute den richtigen Weg zum Wohle der Bevölkerung einschlägt.»

Die Sissacher Leistungsschau war die erste ihrer Art im Baselbiet. Weil die meisten Regelübungen im Unterbaselbiet stattfinden, wählte Strübin für die Schau zum Ausgleich bewusst einen Ort im östlichen Kantonsteil.