Kontroverse
Abriss von historischem Ökonomiegebäude sorgt in Laufen für Stirnrunzeln

Der Stadtrat reisst ein hundertjähriges Gebäude ab, das zu einem bedeutenden Ensemble gehört. Dabei stünde ein Käufer bereit, der die Liegenschaft erwerben würde.

Gaby Walther
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Bald Vergangenheit: In der Mitte des Bildes befindet sich der Heuschober, der abgerissen wird. Dahinter steht die denkmalgeschützte Villa Kleiber.

Bald Vergangenheit: In der Mitte des Bildes befindet sich der Heuschober, der abgerissen wird. Dahinter steht die denkmalgeschützte Villa Kleiber.

Gaby Walther / Wochenblatt Schwarzbubenland Laufental

«Es handelt sich um ein einmaliges historisches Zeugnis des aufstrebenden Bürgertums um 1900», erklärt Arnold Kaiser. Der frühere Chefarzt des Laufner Spitals meint damit ein Ensemble an Liegenschaften in Laufen. Hauptgebäude ist die prächtige Villa Kleiber, die von der Baselbieter Denkmalpflege ohne die übrigen Bauten ins Inventar kantonal schützenswerter Gebäude aufgenommen wurde.

Das ganze Ensemble mit Villa und den Nebengebäuden, mit Pferdestall, Remise, Heu- und Strohlagergebäude sowie Kleintier- und Hühnerstall ist bis heute erhalten geblieben. Nun reisst die Stadt Laufen in den Osterferien das Ökonomiegebäude ab, das Kaiser gerne erworben hätte. Bis auf dieses gehört ihm das gesamte Anwesen.

Laufen fehlt das Geld, um das Gebäude zu sanieren

Der frühere Heuschober ging vor 50 Jahren an die Stadt Laufen über. Laufen sicherte sich damit Reserveland für den Schulhausbau. In den Siebzigerjahren wurde der Kindergarten gebaut. Das daneben stehende Ökonomiegebäude, das weder Strom- noch Wasseranschluss hat, blieb bis heute ungenutzt am Rande des Landes und des Spielplatzes stehen. Zeit­weise wurde das Gebäude vom Kindergarten als Geräteraum gebraucht und dafür wurde unsachgemäss ein Eingang in die Mauer gespitzt. Im letzten Herbst stellte ein Gutachter Risse im Gebäude fest.

«Aufgrund des Gutachtens wurde der Spielplatz geschlossen und wir zum Handeln gezwungen. Wäre keine Einsturzgefahr vorhanden, würde das Gebäude wohl noch lange so dort stehen bleiben»,

erklärt der Laufner Stadtpräsident Pascal Bolliger. Der Stadtrat habe sich den Entscheid nicht einfach gemacht, aber es würden schlicht die finanziellen Mittel fehlen, um ein leerstehendes Gebäude zu sanieren. «Alleine die Sanierung der Mauer würde mehr kosten als ein Abriss», so Bolliger. «Die Jahre 20/21 zeigen im Budget von Laufen ein grosses Defizit und wir müssen in nächster Zeit sehr haushälterisch mit dem Geld umgehen.»

Nebst dem finanziellen Punkt – der Abriss wird rund 25’000 bis 30’000 Franken kosten – erkennt Bolliger weitere wichtige Gründe für den Abriss. Die enge Strasse werde dadurch übersichtlicher und der Schulweg gewinne an ­Sicherheit. «Das Gebäude befindet sich zum Teil im Trottoir.» Der Ort sei ein neuralgischer Punkt für die Kinder.

Ensemble hatte Bedeutung während der Weltkriege

Arnold Kaiser bedauert es sehr, dass das Gebäude abgerissen wird. Er wollte schon vor Jahren das Ökonomiegebäude zurückkaufen, wurde jedoch mit dem Argument der Landreserve immer abgewiesen. «Das Ensemble mit Pferdegespann zur Mobilität, Pflanzland und Kleintier- und Hühnerstall zur Selbstversorgung für Eigentümerfamilie und Bedienstete hat während zweier Weltkriege eine grosse Bedeutung gehabt. Das Fehlen des Ökonomiegebäudes bedeutet einen Verlust des Erinnerungsortes.»

Für Kaiser gehe es nicht um den kommerziellen, sondern um den ideellen Wert. «Der Erhalt der Villa mit ihrer Umgebung und den zugehörigen Gebäuden ist mein Vermächtnis für weitere zwei Generationen.»