Verdichtung
Itingen zeigt Respekt vor alten Bauerngärten

In Zeiten der Verdichtung kommen auch die noch verbliebenen Hofstätten im Baselbiet unter Druck. Itingen gehört zu den Gemeinden, die diesen alten Bauerngärten ein besonderes Augenmerk schenkt, unter anderem mit einer speziellen Fachkommission. Den Heimatschutz freuts.

Andreas Hirsbrunner
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Zwar sieht es auch in Itingen nicht mehr so idyllisch aus wie 1970, aber viele Hofstätten sind noch erhalten.

Zwar sieht es auch in Itingen nicht mehr so idyllisch aus wie 1970, aber viele Hofstätten sind noch erhalten.

Lisa Rudin

«Unglaublich, wie sie das durchziehen.» Ruedi Riesen, Präsident des Baselbieter Heimatschutzes, ist fast 20 Jahre, nachdem seine Organisation der Gemeinde Itingen den Baselbieter Heimatschutzpreis verliehen hat, immer noch begeistert von den Bemühungen der Itinger Behörden um die Erhaltung ihres Ortsbilds. Und Riesen würde der Oberbaselbieter Gemeinde am liebsten gerade nochmals den Preis verleihen. Doch so weit kommt es nicht, dafür bietet der Heimatschutz morgen eine Führung mit Fachleuten durch Itingen an (Details siehe Box). Riesens Fazit lautet: «Seit der Preisvergabe im Jahr 1997 hat sich der Dorfkern kaum verändert, und auch die Hofstätten sind abgesehen von ein paar Einschränkungen noch intakt.»

Hofstätten waren einst ein Merkmal von Baselbieter Strassenzeilendörfern und überlebensnotwendig: Sie waren auf der Hinterseite der kompakt entlang der Dorfstrassen stehenden Bauernhäusern angelegt und dienten mit ihren Obstbäumen und Gemüsegärten der Selbstversorgung der Bauern. Ihre grosse Bedeutung zeigt auch, dass sie einst zum Etter gehörten, dem umfriedeten Teil eines Dorfes also, der vor weidendem Vieh und wilden Tieren geschützt war. Die Hofstätten zeugen somit von Jahrhunderte langen Baselbieter Lebensgewohnheiten, stehen aber heutzutage, da alles nach verdichtetem Bauen ruft, unter zunehmendem Druck.

Es gibt auch Sündenfälle

Ortsbildpflegerin Konstanze Domhardt sagt: «Die ortsbildpflegerischen Themen der Zukunft bewegen sich im Spektrum von Umnutzung grossflächiger Industrieareale und kleinräumiger, aber nicht weniger relevanter Projekte zur Erhaltung und Gestaltung der Hofstätten.» Nur wenige Baselbieter Orte konnten ihre Hofstätten denn auch einigermassen unbeschadet in die Gegenwart retten. Domhardts Chefin, die kantonale Denkmalpflegerin Brigitte Frei, nennt nebst Itingen etwa Muttenz, Ziefen, Röschenz oder Gelterkinden. Wobei Frei die sorgfältige Planung in Itingen hervorhebt, gleichzeitig aber anmerkt: «Itingen steht unter einem kleineren Nutzungsdruck als zum Beispiel Muttenz.» Zur Haltung der Denkmalpflege in diesem Konfliktfeld sagt Frei: «Es gibt verschiedene Ansätze für eine Innenentwicklung in der Kernzone wie der Ausbau von leerstehenden Ökonomiegebäuden. Es sollten aber keine Bauten inmitten der Grünräume zu stehen kommen.»

Auch das Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) hält bezüglich Itingen fest: «Höchste Aufmerksamkeit verdient auch der Erhalt der beidseitig an den schützenswerten Hauptgassenzug anschliessenden Gärten und Wiesen, welche als Trennstreifen zwischen Altbebauung und Neubauquartier fungieren.» Aber auch Itingen konnte nicht verhindern, dass sein Hofstattbereich angeknabbert wurde, was ISOS mit der Bemerkung quittiert: «Im Südwesten stehen allerdings in den schmalen Parzellen, sehr zur Beeinträchtigung der Siedlungsstruktur, einige Einfamilienhäuser.»

Lob für die Fachkommission

Dass bei den Hofstätten nicht mehr gesündigt worden sei, sei mit das Verdienst der Itinger Fachkommission für Ortskernbaufragen, sagt Ruedi Riesen und ergänzt: «Auch der Ortskern ist mit wenigen Einschränkungen gut erhalten. Dafür muss ich die Kommission loben.» Der Itinger Gemeindepräsident Martin Mundwiler ist im Grossen und Ganzen ebenfalls zufrieden mit dem Ortskern. Doch er fügt an: «Die Parkiererei auf der Dorfstrasse vor den schönen Häusern gefällt mir nicht. Dadurch verliert das Dorfbild an Charakter.» Es fehle aber an Alternativen zum Abstellen der Autos.

Die Hofstätten sind für Mundwiler «schön, aber eine Herausforderung für die Besitzer». Das Bauen in den Hofstätten sei zwar nicht verboten, aber die Bebauungsziffer sei klein. Und auch bei Kleinbauten seien die Besitzer eingeschränkt. Mundwiler: «Sie können nicht einfach Do-it-yourself-Gartenhäuser aufstellen. Die Fachkommission schaut auch solche Bauten an.» Das Erstaunliche dabei: Offenbar ist es in Itingen mit Ausnahme eines Gartenzaun-Streits nie zu einem Gerichtsfall rund ums Bauen im Ortskern gekommen. Der Gemeinderat sei auf die beratende Fachkommission mit zwei externen Raumplanern und einem Architekten angewiesen, sagt Mundwiler. Eine so bestückte Kommission hat allerdings auch ihren – finanziellen – Preis.