Internet und Essen
In Basel ist Surfen beim Essen erlaubt

In den Restaurants In Basel sind Laptops meistens willkommene Mitbringsel. Dies im Unterschied zu Zürich, wo das Nobelrestaurant «Kronenhalle» kürzlich ein Laptop-Verbot verhägnte.

Yen Duong
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Im Besenstiel sind Laptops sogar willkommen. Kenneth Nars

Im Besenstiel sind Laptops sogar willkommen. Kenneth Nars

Neulich in Zürich: Eine 45-jährige Dame sitzt an einem Sonntagnachmittag mit ihrem Mann in der Kronenhalle, das Nobel-Restaurant beim Bellevue. Sie bestellt sich ein Glas Champagner und das teuerste Gericht von der Menükarte. Die Wartezeit will sich die Frau mit Doktortitel mit dem Lesen einer elektronischen Zeitung – einem E-Paper – verkürzen. Sie holt ihren Laptop hervor, schaltet ihn an, und vertieft sich in die moderne Zeitungslektüre.

Und schon steht er höchstpersönlich an ihrem Tisch – der Direktor der Kronenhalle. Er fordert die Dame auf, das Gerät auszuschalten. «Wir sind ein traditionelles Haus und dulden so etwas nicht», sagt er. Die Kundin ist empört und beginnt sich zu wehren: Es mache doch keinen Unterschied, ob man eine Zeitung auf Papier oder auf dem Laptop lese, findet sie. Davon will der Chef allerdings nichts wissen.

Einen Tag nach dem Vorfall begründet der Kronenhalle-Direktor sein Verhalten gegenüber dem «Tages-Anzeiger» so: «Wir sind ein Speiselokal und kein Büro.» Konsequenz der Geschichte: In Zürich geht eine Riesen-Diskussion über Laptops in Beizen los. Eine Online-Umfrage des Blattes ergibt, dass eine grosse Mehrheit der Leser ein Verbot solcher Geräte in Restaurants für «längst überfällig» hält.

Hasenburg hätte Mühe

Basler Wirte reagieren tendenziell viel gelassener auf Laptops als ihre Zürcher Kollegen. Aber auch hier ist Vorsicht angebracht: «Wenn es viele Gäste hat, erwarte ich, dass man so viel Anstand hat und den Laptop nicht hervorholt. Ich hätte während der Essenszeit also auch meine Mühe damit», sagt Liselotte Schwendinger, Inhaberin der Hasenburg an der Schneidergasse. Einschreiten würde sie jedoch erst, wenn sich andere Gäste durch das Gerät gestört fühlten.

Keine Mühe mit Laptops hat man hingegen vis-à-vis der Hasenburg – im Gifthüttli: «Wir würden nichts sagen. Das ist doch kein Problem», findet Geschäftsführer Olivier Flota. Zudem gebe es ja auch oft Business-Treffen, da würden Laptops halt manchmal benötigt. Ähnlicher Meinung ist João Ferreira, Inhaber des Restaurants Besenstiel am Klosterberg: «Wir haben ab und zu Gäste mit Laptops. Das stört nicht.» In der Brasserie Au Violon im Lohnhof werden solche Geräte während des Essens ebenfalls toleriert. Der Chef, Frédéric Würtz, lässt aber ausrichten: Er fände es «unhöflich», wenn man im Restaurant seinen Computer anstelle.

«Wir leben von den Geschäftskunden. Wenn sich jemand lieber seinem Computer widmet, statt dass Essen zu geniessen, stört mich das nicht. Ich verstehe nicht, dass so etwas als belästigend empfunden werden kann», sagt Sascha Brestler, Leiter des Restaurants Schlüsselzunft in der Freien Strasse. Dennoch: Wenn sich andere Gäste wegen eines Laptops nerven würden, dann würde er «diplomatisch» eingreifen.

Locker sieht das Ganze ebenfalls Kunsthalle-Geschäftsführer Daniel Staffiere: «Wir bieten in unserem ganzen Betrieb Wireless an. Laptops sind für uns also absolut kein Problem.» Die Kunsthalle sei aber auch grösser als die Kronenhalle. «Bei uns hat man mehr Platz und deshalb eine grössere Anonymität.»

Auch Dominic Lambelet, Chef vom Rollerhof beim Münsterplatz meint:» Laptops stören nicht. Für mich sind Handys ein Problem – das ist asozial.» Und der Präsident des Wirteverbandes Basel-Stadt, Josef Schüpfer, findet: «Essen ist Genuss – laute Elektrogeräte stören schon. Aber uns ist egal, wer was beim Essen macht, solange andere sich dadurch nicht gestört fühlen.» In Basel habe man eben eine liberalere Haltung.