Beide Basel
Heimwerker im Winterschlaf: Der Run auf die Baumärkte bleibt aus

Baumärkte dürfen in beiden Basel weiter geöffnet bleiben. Doch einen grossen Ansturm verzeichnen sie nicht.

Sven Gautschi
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Der Jumbo an der Clarastrasse hat zwar offen, doch nicht alles darf verkauft werden.

Der Jumbo an der Clarastrasse hat zwar offen, doch nicht alles darf verkauft werden.

Juri Junkov (Basel, 23.Januar 2021

Es ist Samstagmorgen um 10 Uhr. In Basel ist das Wetter milchig grau und die Temperaturen angenehm kühl, also eigentlich ideales Shoppingwetter. Bloss: Was machen Herr und Frau Schweizer jetzt, wo die meisten Läden geschlossen sind? Ab in den Baumarkt, könnte man meinen, denn dieser darf weiter geöffnet bleiben.

Beim neu gebauten Jumbo an der Clarastrasse sind die Gänge trotzdem gähnend leer. Vereinzelte Menschenseelen bestaunen die gut gefüllten Regale. Schweizweit lockte das Unternehmen diese Woche etwa einen Viertel weniger Kundschaft an als sonst, lässt die Pressestelle mitteilen. Von einem Corona-Boom der Heimwerker kann demnach keine Rede sein. Viele Stammkunden seien verwirrt ob der neuen Regelungen und würden zuerst anrufen und nachfragen, ob das Geschäft denn überhaupt geöffnet sei. Diejenigen, die sich in den Laden wagen, sind zudem oft enttäuscht über die geringe Produktauswahl und beklagen beim Anblick des abgesperrten Sortiments die unklare Kommunikation der Politik.

Nicht alle Anbieter sehen die aktuelle Situation jedoch so düster. Coop Bau + Hobby gibt auf Anfrage an, dass man immer noch eine «stabile Nachfrage auf hohem Niveau» verspüre, so dank dem verspäteten Wintereinbruch gerade bei Produkten in der Schneeräumung. Ebenso seien Holz, Farben und Werkzeug wieder sehr im Trend, was jedoch auch eher ein saisonales Phänomen sei. Auch bei Migros Do It + Garden bewegt sich das Geschäft nach eigenen Angaben «auf dem Niveau des Vorjahres».

Im Prattler Grüssen-Areal herrscht reger Betrieb

Die Mittagssonne strahlt auf die Autokolonne bei der Warenausgabe des Grüssen Centers in Pratteln, die dank der immer stärker werdenden Onlinenachfrage nicht kürzer werden wird in den folgenden Stunden. Mit einem grossen roten Schild wird der Service vom Möbelriesen Conforama kämpferisch angepriesen, denn nur hundert Meter weiter wirbt bereits Ikea mit ihrem Drive-in. Am Empfang der Warenübergabe bei Conforama wartet ein gutes Dutzend Menschen gespannt auf seinen Einkauf, während ihnen das Möbelgeschäft in der Wartezeit seinen Kaffee wie auch die Restposten unterjubeln will.

Auch einen Kilometer weiter beim Rüticenter laufen die Geschäfte ordentlich. Die Parkplätze sind mit wenigen Ausnahmen sehr gut belegt und bei der Möbelübergabe von Mömax herrscht reger Betrieb. Anders als bei den Kollegen in Basel sehen die Mitarbeitenden vom Jumbo in Pratteln die Situation relativ gelassen. Nach den Festtagen sei der Januar nie ein besonders verkaufsstarker Monat gewesen, sagt eine Verkäuferin unbeeindruckt. Eine Veränderung sei für sie nicht wirklich ersichtlich. Einzig der Onlinehandel hätte signifikant zugenommen, wobei sie diesbezüglich keine genauen Zahlen nennen konnte.

Der Blick nach Basel und Pratteln zeigt: So wirklich angefressen vom heimischen Handwerk sind die Leute der Region (noch) nicht, trotz dem öden Corona-Alltag. Das könnte einerseits am hohen Lebensstandard liegen, der nur wenig Bedarf nach Verbesserung des trauten Heimes offenlässt, speziell weil vielleicht schon im ersten Lockdown solche Projekte angegangen wurden. Andererseits dürfte das Angebot an Unterhaltung gerade in der digitalen Welt mit Filmen, Serien, Videospielen oder auch Shopping so befriedigend sein, dass es problemlos für einen weiteren Monat Lockdown light ausreicht.