Reinach
Gemeinden zeigen sich im Kampf gegen Littering kreativ

Das Dauerproblem des herumliegenden Abfalls packen Gemeinden auf unterschiedliche Art an. So hat Reinach Jugendliche einen Film produzieren lassen. Beliebt ist Prävention in Form von Plakaten. Birsfelden und Binningen hingegen setzen auf Geldbussen.

Michel Ecklin
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Binninger Kinder haben Plakate gegen den herum liegenden Müll gemalt.

Binninger Kinder haben Plakate gegen den herum liegenden Müll gemalt.

Nicole Nars-Zimmer

An einem Morgen im Mai 2011 staunten die Pendler nicht schlecht, als die Oberwiler Tramstation mit Müll übersät war. Den Abfall hatten Sekundarschüler absichtlich verteilt - um die Pendler auf das Littering-Problem aufmerksam zu machen.

Die Aktion ausgedacht hatte sich eine Abfall- und Umweltpädagogin. Sie zeigt: Den Gemeinden gehen selten die Ideen aus, um das Übel Littering zu bekämpfen. So setzt Reinach auf einen Sensibilisierungsfilm, den Jugendliche erstellt haben. Diese singen Zeilen wie «Mir sinn gege Littering» und «Cooli lütt, die wärfe nütt».

«Der Film ist auf die Reinacher Bevölkerung zugeschnitten», sagt Marc Bayard, Leiter Umwelt und Energie. «Das ist besser als ein anonymes Produkt.» Der Film sei sehr gut angekommen. Jetzt will der Gemeinderat die Schlüsse daraus ziehen und einen Massnahmekatalog erstellen. Angedacht ist unter anderem, vor Verkaufsstellen auf das Littering-Problem aufmerksam zu machen.

Grössere Abfallkübel

Auch Pratteln steht eine Grossoffensive gegen Littering bevor. Geplant ist eine Sensibilisierungs-Kampagne, «die auf positive Art auf das Problem hinweist», so Gemeindeverwalter Bernhard Stöcklin. Zudem sollen Private oder Vereine die Patenschaft für einzelne «Hotspots» übernehmen. Und das Geld für fünf grössere Abfalleimer ist bereits gesprochen. Wie bisher setzt die Jugendarbeit «Trash Angels» ein, für Erwachsene sind Littering-Botschafter unterwegs, ein privater Sicherheitsdienst kontrolliert Grillplätze. Und das Verteilen von Bussen soll administrativ vereinfacht werden.

Birsfelden kennt bereits seit 2010 drakonische Bussen: Wer einen Zigarettenstummel wegwirft, zahlt 40 Franken, im Wiederholungsfall 80. «Grössere Abfälle», so das Reglement, kosten mindestens 500 Franken.

Ebenfalls auf Repression will man in Binningen setzen. «Was nützen Verbotsschilder, welche sich an die gesamte Bevölkerung richten, obwohl sich nur wenige Personen nicht an die Spielregeln halten?», fragt Gemeinderat Urs-Peter Moos. Die wenigen würden trotz Verbotsschilder kaum ihr Verhalten ändern. Deshalb werde man nicht um mehr Kontrollen und das konsequente Aussprechen von Bussen herumkommen.

Geldstrafen sind eine Strategie, die Münchenstein bewusst nicht gewählt hat. «Wir wollen nicht den Eindruck erwecken, wir könnten mit hohen Bussen etwas erreichen», sagt Harald Puchrucker, Sachbearbeiter Ver- und Entsorgung.

Nichts tun wäre noch schlimmer

Stattdessen setzt Münchenstein auf Selbstverantwortung. Fast-Food-Betriebe und Einrichtungen wie die Hochschule für Kunst auf dem Dreispitz werden dazu verpflichtet, bestimmte Plätze sauber zu halten. Münchenstein hat es auch schon mit Sensibilisierungs-Plakaten versucht, wie viele andere Gemeinden. «Aber das reicht nicht», sagt Puchrucker. Für nächstes oder übernächstes Jahr kündet er «grosse Massnahmen» an. Mehr kann er nicht verraten.

Ob all diese Massnahmen nützen, ist eine andere Frage. Denn Littering lässt sich nicht messen. «Wir müssen etwas tun», meint der Prattler Gemeindeverwalter Stöcklin. «Wenn man nichts täte, wäre die Situation noch schlimmer.»

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