Itingen
Erdheizungs-Posse in Itingen wird wieder ein Fall für die Richter

Nachdem ein Eigentumskrach jahrelang die Reparatur der Erwärmheizung in einer Siedlung behinderte, gehts nun um eine Sicherung. Ein solche müsste eingebaut werden, demit die Heizung nach 9 Jahren endlich in Betrieb geht. Doch es gibt Streit.

Daniel Haller
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Siedlung «Solar One» in Itingen.

Siedlung «Solar One» in Itingen.

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Eigentlich wollte Roland Husi nicht wieder in die Zeitung. Doch als die EBL letzte Woche mit einer Grossveranstaltung die Geothermie thematisierte, griff er zum Telefon und machte die bz darauf aufmerksam, dass seit zehn Jahren die Erdwärmeheizung der Überbauung «Solar One» in Itingen defekt sei und die EBL sie nicht zum Laufen bringe.

«Mit Klage gedroht»

«Das ist ein Drama! Die Anlage würde laufen, wenn wir für die zusätzlich installierte Wärmepumpe eine stärkere Sicherung einbauen könnten», betont Beat Andrist, für Wärmecontracting zuständiges Mitglied der EBL-Geschäftsleitung. «Aber Husi hat unsere Mitarbeiter weggejagt und gedroht, uns zu verklagen, wenn wir am Sicherungstableau etwas ändern.»

Das Problem: Die EBL habe zwar Ende 2010 die damals seit Jahren stillstehende Heizanlage gekauft. Doch das Tableau gehört weiterhin den Stockwerkeigentümern von «Solar One». Die EBL habe nun einen Rechtsanwalt beauftragt, die Eigentümer anzuschreiben, damit sie Zugang erhält und die Sicherung für die Heizung verstärken könne. «Husi ist nicht jemand, der Lösungen sucht, sondern seinen Standpunkt durchsetzt», meint Andrist.

Schon lange Juristenfutter

In der Tat führte Husi zusammen mit den anderen Eigentümern einen Prozess gegen die Erbauerin der Siedlung, die Häring AG aus Pratteln. Streitpunkt war das Eigentum an der Heizung. Der Rechtshändel um das Eigentum dauerte bis 2008. Und so lange war die Reparatur der defekten Grundwasser-Pumpe blockiert.

Das Gericht gab den Eigentümern recht. «Jetzt wissen wir, dass die Heizung uns gehört», zitierte damals die «Basler Zeitung» Husi. «Aber wir haben keinen Vertrag unterschrieben, dass wir die Heizung auch betreiben müssen.» Entsprechend hat sich Husi beim Verkauf der Anlage an die EBL 2010 ausbedungen, dass er keine Wärme von der Erdsondenheizung beziehen muss. Diese könnte – wegen des 24 Grad warmen Felsgrundwassers aus 300 Metern Tiefe – Wärme für rund 50 Wohnungen liefern.

Husi weiss von nichts

Insgesamt wollen nur noch zwei von sechs Parteien in «Solar One» Wärme von der Erdsondenheizung. Diese soll stattdessen die benachbarten 22 Wohneinheiten der Überbauung Weiermatt wärmen. Per Melberg aus der Überbauung Weiermatt zeigt sich enttäuscht: «2004 habe ich das Haus gekauft, seither aber noch nie Wärme von der Erdsondenheizung bekommen.» Im Dezember 2010 habe die EBL informiert, dass die Reparatur der seit 2004 stillstehenden Heizung nun beginne. Seither habe er nichts mehr gehört. «Wir hatten Probleme, die defekte Pumpe aus dem Loch zu holen. Es gab immer wieder Verzögerungen, wenn wir auf Spezialfirmen warten mussten», erklärt Andrist. Nun aber sei alles betriebsbereit – ausser der Sicherung.

«Das höre ich das erste Mal», erklärt Husi. Er sei nie wegen des Tableaus kontaktiert worden. Es entspreche doch dem «gesunden Menschenverstand, dass sie die Sicherung ersetzen dürfen. Die EBL hat keine Pumpe auftreiben können und will nun uns die Schuld in die Schuhe schieben», behauptet er.

Melberg vermutet ein «Kommunikationsproblem zwischen EBL und Husi». Andrist hingegen meint: «Wenn Husi seine Meinung geändert hat, bauen wir die stärkere Sicherung sofort ein.» Dann fügt er hinzu: «Die EBL hat in der Schweiz 60 Heizzentralen realisiert, viele sind deutlich grösser als jene in Itingen. Das längste Projekt dauerte anderthalb Jahre. Wenn es in Itingen zehn Jahre dauert, liegt dies nicht an uns.»