Kirche
Ein Bild des Schreckens: Heftige Explosion im Gotteshaus von Wintersingen

In der Kirche von Wintersingen ereignete sich am Dienstagmorgen eine Explosion. Der Innenraum der Kirche, insbesondere der hintere Bereich beim Haupteingang, wurde stark in Mitleidenschaft gezogen. Was die Ursache für den Vorfall war, ist bisher noch nicht geklärt.

Ulrich Fluri
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Spuren der Explosion in der Kirche.

Spuren der Explosion in der Kirche.

Nicole Nars-Zimmer

Sigrist Werner Meier wollte sich am Dienstagmorgen zu einem Termin mit dem Heizungsinstallateur treffen. Wegen herumliegender Holzabdeckungen blieb ihm der Eintritt in die Kirche aber verwehrt. Diesen verschaffte er sich dann über die Seiteneingangstüre. «Der Anblick in den Innenraum war für mich der totale Albtraum», sagte Meier gestern vor den Medien.

Eine Erklärung für den Vorfall gibt es noch nicht

Überall war dichter, schwarzer Rauch, der vorerst keinen Blick zuliess, was geschehen war, geschweige denn eine Antwort über das Ausmass des Schadens gab. Nachdem sich der Rauch etwas verzogen hatte, erkannte Meier, dass der hintere Bereich beim Haupteingang stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Überall lagen Trümmer, Holzsplitter und andere Gegenstände herum, was von einer heftigen Explosion im Bereich des Elektroschaltkastens herrühren musste. Weder der sofort herbeigerufene Elektroinstallateur noch Monteure der Elektra Baselland fanden eine Erklärung für den Vorfall.

Aktuell laufen unter dem Lead der Stiftung Kirchengut Baselland umfassende Abklärungen und Untersuchungen der Gebäudeversicherung sowie der Polizei mithilfe moderner Forensik. Eine der vielen Fragen ist der Zusammenhang zwischen der nicht mehr einwandfrei funktionierenden Heizung, die auch von diesem im Jahr 2005 installierten Schaltkasten aus gesteuert wird. Auch Christoph Schaffner, Präsident der Kirchenpflege Wintersingen-Nusshof, sucht nach Erklärungen: «Die letzte Prüfung sämtlicher Elektroinstallationen erfolgte 2017. Es handelt sich also um intakte Anlagen.»

«Wir hatten alle einen Schutzengel»

Trotz allem Unglück zeigte sich Martin Innerbichler, Verwalter der Stiftung Kirchengut, etwas erleichtert, denn «diese Explosion hätte die ganze Kirche in Flammen aufgehen lassen können». Und was wäre passiert, wenn Sigrist Meier sich mit dem Heizungsinstallateur einige Minuten vorher in der Kirche aufgehalten hätte? «Wir hatten alle einen Schutzengel», sagte Innerbichler. Schäden in diesem Ausmass an den vielen Kirchen im Baselbiet seien noch nie da gewesen, so der Verwalter weiter. Das letzte schwere Ereignis war ein Glockenabsturz in Oberdorf vor 60 Jahren.

Angesichts der massiven Schäden an Türen, Einrichtungen und Orgel sowie der Staubablagerungen durch den bissigen Rauch dürften die Instandstellungsarbeiten an dieser prächtigen Winkelhakenkirche mindestens sechs Monate betragen. Und das bei einer Kostenschätzung im hohen sechsstelligen Bereich.

An Gottesdienste und weitere kirchliche Anlässe ist vorläufig nicht zu denken. Die Gemeinde hat deshalb rasch und unbürokratisch eine Ausweichräumlichkeit im Gemeindehaus zur Verfügung gestellt. Kirchenpflegepräsident Schaffner sieht indes in diesem traurigen Höhepunkt des Kirchenjahres doch noch Positives: «Wir sind froh, dass keine Personen zu Schaden gekommen sind und dass die schöne Kirche von Wintersingen überhaupt noch steht.»