Liestal
Die guten Marronis sind schon weggegessen – Stand schliesst so früh wie nie

Im Liestal ist die Marroni-Saison bereits vorbei: Die Marroni-Frau Liselotte Lüthi hat ihren Stand so früh wie noch nie geschlossen, weil nur noch Früchte in minderer Qualität erhältlich sind.

Andreas Hirsbrunner
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«Aus die Maus»: Marroni-Frau Liselotte Lüthi verräumte gestern ihre Marroni-Pfannen bereits in den Sommerschlaf.

«Aus die Maus»: Marroni-Frau Liselotte Lüthi verräumte gestern ihre Marroni-Pfannen bereits in den Sommerschlaf.

Kenneth Nars

Die Liestaler Marroni-Frau Liselotte Lüthi ahnte es bereits zu Beginn der Saison im Oktober. Damals sagte sie gegenüber der bz, dass sie bezweifle, ob sie ihren Stand wegen der schlechten Marroni-Ernte mit Ausfällen bis zu 80 Prozent wie üblich bis zur Fasnacht betreiben könne.

Nun kam das Aus eher als erwartet: Auf den Jahreswechsel beendete Lüthi ihre 57. Marroni-Saison so früh wie noch nie. An ihrem Verkaufshäuschen mitten im Liestaler Stedtli hängt ein Zettel mit den Worten: «Liebe Kunden, aufgrund der kleinen Ernte von qualitativ guten Marroni sind sie ausverkauft! Die Saison ist frühzeitig zu Ende! Ich freue mich, im Herbst wieder für Sie im Stedtli zu sein!»

Auf Nachfrage präzisiert Lüthi, dass die jetzt noch auf dem Markt vorhandenen Früchte nicht mehr die Qualität hätten, die sie benötige für ihre Zubereitungsart; diese will sie aber nicht an die grosse (Konkurrenz-)Glocke hängen.

Lüthi bezieht von ihrem Lieferanten Gysi & Strazzini in Bern, dem grössten Marroni-Importeur der Schweiz, jeweils zu Beginn der Saison milde, dünnhäutige Kastanien, bis dann ein paar Wochen später die süsslichen Marroni folgen. Und die seien inzwischen ausverkauft. Lüthi: «Die jetzt noch erhältlichen Kastanien haben einen andern Goût, eine andere Konsistenz und eine andere Schale. Deshalb gilt für mich: Aus die Maus.»

Marroni sind die Edlen

Renzo Strazzini, Geschäftsinhaber von Gysi & Strazzini, sagt: «Frau Lüthi verwöhnt ihre Kunden und arbeitet nur mit der bestmöglichen Ware. Die Haltung top oder nichts ist an und für sich richtig, aber zum Glück gibt es auch noch tolerantere Marroni-Brätler.» Toleranz heisst in diesem Fall: Sie verkaufen die Kastanien, die voraussichtlich bis Ende Februar auf dem Markt erhältlich sind. Strazzini beliefert derzeit in beiden Basel noch zwei Handvoll Händler.

Zum Unterschied zwischen den noch verfügbaren Kastanien und den ausverkauften Marroni sagt Strazzini: «Marroni sind rund, süss und cremig und lösen sich leicht aus der Schale. Kastanien sind flacher, haben eine härtere und dickere Schale und nicht den typischen Marroni-Geschmack.» Auch müsse man die Kastanien länger bräteln, bis sie weich seien. Die Bäume würden weitgehend gleich aussehen und sich nur bei Blatt und Rinde etwas unterscheiden. Strazzini: «Marroni und Kastanien sind wie zwei Apfelarten, wobei Marroni die edlere Art ist.»

Durststrecke wird andauern

Und was bei praktisch allen Arten dieser Welt gilt, gilt auch bei den Kastanien: Die Edlen sind eine Minderheit. Deshalb trafen die ungünstigen Parameter der diesjährigen Ernte – kalter Frühling und heiss-trockener Sommer sowie vor allem die fast omnipräsente Japanische Edelkastanien-Gallwespe, die die Gewebeentwicklung stört – die Marroni besonders: In den einstigen Hochburgen im Piemont, in der Nähe von Rom und der Toskana konnte ein Bruchteil der üblichen Ernte eingefahren werden.

Aber Strazzini bleibt, zumindest längerfristig, zuversichtlich: Im Piemont habe man in den letzten Jahren gute Erfahrungen mit einem ausgesetzten Insekt gemacht, das die Gallwespen fresse und verhungere, sobald keine Gallwespen mehr vorhanden seien. Doch die Behandlung daure sieben bis zehn Jahre, wie die Versuche im Piemont zeigten. Diese Durststrecke müsse man jetzt durchstehen, wobei das Problem kleiner sei, solange das Wetter stimme.

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