Baselbiet
Die Baselbieter Regierung rührte letztmals mit grosser Kelle an

Die Baselbieter Regierung kann sogar April-Scherze wahr werden lassen. Sie kochte sich im Sissacher Ebenrain ein Sommer-Menü, gut und vor allem günstig.

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Kochhüte wachsen nicht in den Himmel. Montage Ken / Barbara Adank

Kochhüte wachsen nicht in den Himmel. Montage Ken / Barbara Adank

bz Basellandschaftliche Zeitung

Der letzte April-Scherz der bz war gar keiner. Was die bz am ominösen 1. April 2011 vorausgesagt hatte, machte die Baselbieter Regierung mit dreieinhalb Monaten Verspätung doch noch zur süssen Realität – für einen Tag wenigstens. Alle Leser schüttelten am 1. April siebenschlau den Kopf und antworteten mit einem «Nicht mit mir». Sie wären diesen Dienstag eines Besseren belehrt worden, hätten sie sich nur dorthin bemüht, wo sie die bz eigentlich schon früher hinschicken wollte: ins Sissacher Zentrum Ebenrain.

Die Baselbieter Regierung erwäge, ihren Sitzungs-Sitz ins Schloss Ebenrain zu verlegen, versicherte dieses Blatt damals sehr glaubhaft – wäre da nur nicht dieses verräterische Datum über der Seite gestanden. Denn die Gründe für den regierungsrätlichen Umzug ins Oberbaselbiet klangen doch wirklich mehr als überzeugend: Mit Urs Wüthrich und seit diesem Monat Isaac Reber gehören zum Beispiel gleich zwei Sissacher der Regierung an. So spart der Kanton, in welchem Schmalhans derzeit Küchenmeister ist, Kilometer-Geld. Und auch das gemeinsame Kochen an den Töpfen des Landwirtschaftlichen Zentrums Ebenrain im Anschluss an die Regierungssitzungen (zwecks Team-Bildung) war ein starkes Argument, um allen diese kleine Baselbieter Revolution schmackhaft zu machen.

Zumindest Peter Zwick schien dieser letzte Vorteil restlos zu überzeugen. Deshalb bat der Regierungspräsident seine vier ihm untergebenen Direktoren nach ihrer vorerst letzten Sitzung vor drei Tagen nicht einfach irgendwo in einem schalen Liestaler Restaurant zu Tisch gebeten, sondern in die Ebenrain-Küche. Niemand wusste von den Plänen. Seine Kollegin und seine Kollegen hätten zwar etwas ahnen können, ja müssen, als Peter Zwick in seiner offiziellen Ansprache am Landratspräsidenten-Fest fortwährend nur von Erbsli, Rüebli, Fertigsalat an Fertigsauce sprach und auch sonst leichte Kost darreichte. Doch hörte ihm damals wohl niemand richtig zu. Nun schlug der Präsident zurück. Jeder wurde in eine eigens beschriftete Küchenschürze gesteckt: «chez Adrian», «chez Isaac», «chez Peter», «chez Sabine» oder «chez Urs» stand neben dem stolzen Baselbieter-Stab. «Schürze statt Scherze», sagt Peter Zwick.

Ein exquistier Mehrgänger

Angeleitet vom Allschwiler Hansjörg Werdenberg, dem Chefkoch des Kantonsspitals, und unterstützt von Spital-Sommelière Jessica Graf zauberte nun diesen Dienstag die ganze Regierung, verstärkt durch Landschreiber Walter Mundschin und seinen Nachfolger Alex Achermann, einen exquisiten Mehrgänger aus dem Herd.

Über Details wurde wohl Stillschweigen vereinbart. Nicht unbemerkt blieb indes, dass Sabine Pegoraro in der Küche reichlich Talent zum Zupacken und zum Kommandieren verriet. Die frisch gebackene Baudirektorin trat auf, als ob sie bereits jetzt in der Regierung den höchsten Kochhut tragen dürfe. Die meisten Sympathiepunkte holte sich überraschend nicht der versierte Koch Urs Wüthrich, sondern Adrian Ballmer, weil er sich als erster als Dessertkoch meldete und vorführte, wie er kleinere Brötchen buk.

Zaungast Zaunkönig hat versprochen, nicht zu singen. So bleibt es für immer ein Staatsgeheimnis, wer sich in den Finger schnitt, obwohl er einst für Über- und heute für Umsicht bekannt ist. Nicht verraten sei, welcher Sissacher für seine Suppe Urs Wüthrich sämtliche grünen Knoblauchzehen wegschnappte, weil es der Bildungsdirektor noch nicht gewohnt ist, sich auch gegen links zu verteidigen. Oder wer selbstkritisch ausrief: «Bei mir fehlt es wieder mal an Salz und Pfeffer.»

Und als Oberkoch Peter Zwick zum Schluss all seinen Hilfsköchen für ihren Einsatz dankte und noch kurz den Abwasch auf die Traktandenliste setzen wollten, wurde es still. Jeder zückte sein stumm geschaltetes Sacktelefon, löschte all diese Anrufe von Journalisten und stellten erschrocken fest, dass leider gleich eine letzte wichtige Sitzung anstehe, ehe man in die Ferien abrauschen könne. Ob sich Sissach nun als Abwasch-Abschaum fühlt und deshalb die Gesamtregierung zur juristischen Persona non gratin erklärt hat, ist nicht bekannt. Das weiss nicht einmal der Zaunkönig

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