Baselbieter Ständeratswahlen
Der Vierkampf, der es in sich hat

Durch die Überraschungskandidatur von Elisabeth Augstburger erhält der Baselbieter Wahlkampf eine neue Dynamik.

Bojan Stula
Bojan Stula
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Claude Janiak
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Christoph Buser
Baselbieter Ständeratswahl
Maya Graf

Claude Janiak

Kenneth Nars

Welch ein Kontrast zu 2015: Auf das dröge Männerduell zwischen Claude Janiak und Christoph Buser folgt vier Jahre später ein Vierkampf, der es in jeglicher Beziehung in sich hat. Der Baselbieter Ständeratswahlkampf hat durch die Überraschungskandidatur der Liestaler EVP-Sympathieträgerin Elisabeth Augstburger viel zusätzlichen Schub erfahren. Zusätzlichen Schub und eine neue Dynamik.

Da ist zunächst einmal die Frauenfrage. Selbst wenn Augstburger als klare Aussenseiterin antritt, verstärkt ihre Kandidatur den Eindruck, dass 2019 der verdiente SP-Ständeherr Claude Janiak eine Nachfolgerin erhalten wird; es wäre die erste Baselbieter Frau in dieser Position überhaupt. Aufgrund der Wahlergebnisse von 2011 und 2015 ist die populäre Grünen-Nationalrätin Maya Graf die Kronfavoritin, jedoch ernsthaft herausgefordert von der bürgerlichen Einheitskandidatin Daniela Schneeberger (FDP). Es würde niemanden überraschen, wenn in einem zweiten Wahlgang die Linke aus Sissach und die Wirtschaftsvertreterin aus Thürnen den Ständeratssitz unter sich ausmachten.

Ob der Liestaler SP-Nationalrat Eric Nussbaumer als Spielverderber den Oberbaselbieter Frauen-Showdown verhindern kann, ist eine der grossen Fragen im Vorfeld des Wahlkampfs. Dem Vernehmen nach wird er sich bereits an der heutigen Delegiertenversammlung der SP in Arlesheim, an welcher Nussbaumer von der Parteibasis nominiert wird, der Genderdiskussion stellen müssen. Ohne die ungeteilte Unterstützung der SP-Frauenbasis müsste der Wahlkampf einen ausserordentlichen Verlauf annehmen, damit Nussbaumer im ersten Wahlgang Graf überflügelt und als männlicher linker Einheitskandidat in die finale Ausmarchung einzieht.

Anderseits könnte Augstburgers Kandidatur Maya Graf wichtige Wählerprozente wegnehmen, wovon Nussbaumer der Profiteur wäre. Schneeberger ihrerseits müsste im ersten Durchgang eine vernichtende Niederlage erleiden, um nicht im zweiten Wahlgang die Hoffnung der Bürgerlichen auf die Übernahme des Sitzes bis zuletzt aufrecht zu erhalten. Genau dank dieses Stehvermögens schaffte SVP-Aussenseiter Thomas Weber 2013 die Wahl in den Regierungsrat und den Überraschungscoup – gegen den damals hoch favorisierten Eric Nussbaumer.

Als unbestritten gilt, dass sich in einem zweiten Wahlgang, der jetzt schon so sicher wie die jährliche Steuererklärung ist, Links und Rechts hinter jeweils eine gemeinsame Kandidatin, einen gemeinsamen Kandidaten scharen müssen, um nicht das gegnerische Lager auf den Schild zu hieven. Genau hier setzt eine Kaskade ein, deren Auslöser alt Landratspräsidentin Augstburger ist.

Ursprünglich plante die CVP, die FDP-Frau Schneeberger zu unterstützen, deren Positionierung einer Elisabeth Schneider-Schneiter viel näher liegt als Grafs linke Polit-Agenda. Dies allerdings unter der Bedingung, dass Schneebergers FDP in den Nationalratswahlen keine Listenverbindung mit der SVP eingeht. «Wir sind doch nicht blöd und unterstützen im Ständeratswahlkampf eine Partei, die im Schlepptau der SVP unseren eigenen Nationalratssitz angreift.» Dieser Satz war an der CVP-Generalversammlung vom Donnerstag mehr als einmal zu hören. Nun hat die CVP durch das als «Mitte-Kandidatur» angekündigte, mit den Mitte-Parteien nicht abgesprochene Vorpreschen von Augstburgers EVP eine unverhoffte Trumpfkarte zugesteckt erhalten.

Bleibt die FDP in den Nationalratswahlen der Allianz mit der SVP treu, die 2015 zur lockeren Verteidigung der drei bürgerlichen Sitze reichte, kann sich die CVP beim Ständerat hochoffiziell hinter Augstburger stellen. Für den Showdown im zweiten Wahlgang, der aller Wahrscheinlichkeit nach ohne die EVP-Kandidatin stattfinden wird, könnten die Christdemokraten ihren Mitgliedern noch immer die Wahlfreiheit einräumen.

So richtig kompliziert wird es aber, sollte die FDP – wider Erwarten – dem Druck der CVP nachgeben, um sich für Schneebergers Ständeratskandidatur die Unterstützung einer unentschlossenen Mitte-Wählerschaft zu sichern. Dann müsste die CVP den nur schwer vermittelbaren Spagat vollziehen, im Nationalratswahlkampf die Mitte-Phalanx mit EVP, GLP und BDP anzuführen, beim Ständerat aber der Bündnispartnerin EVP die kalte Schulter zu zeigen.

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