Allschwil
Der unsichtbare Asylant aus dem Togo

Dass die SVP mit dem Thema Asyl Wahlkampf betreibt ist nicht neu. Aber kurz vor den Gemeindewahlen setzt sich die Allschwiler Volkspartei nicht nur gegen Asylsuchende, sondern auch für einen Flüchtling ein.

Joel Hoffmann
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Asylberwerber in den Gängen eines Empfangs- und Verfahrenszentrums (Symbolbild)

Asylberwerber in den Gängen eines Empfangs- und Verfahrenszentrums (Symbolbild)

Keystone

Der Flüchtling heisst Kamuran Ngaine, kommt aus dem Togo, wird als Mitglied einer verbotenen Partei verfolgt und bekam in der Schweiz kein Asyl, weil die Schweiz Togo nicht als «gefährdetes Land» einstufe.

«Ich bin gegen all die Asylanten, die aus wirtschaftlichen Gründen in die Schweiz kommen, aber echte Flüchtlinge muss man schützen», betont René Imhof, Präsident SVP Allschwil. Recherchen der bz ergaben jedoch, dass die Geschichte wahrscheinlich frei erfunden ist.

Behörden kennen Ngaine nicht

Die Erzählung ist in einem Leserbrief des SVP-Sektionspräsidenten im Allschwiler Wochenblatt am 3. Februar 2012 erschienen: Ein Mann mit Namen Renato spaziert ins Asylheim, weil er jemanden sucht, der kleinere Arbeiten im Haus und im Garten erledigt. Renato erblickt Ngaine beim schrubben des Küchenbodens und nimmt ihn mit. Das war vor vier Jahren und beide mögen sich noch heute. Auch Imhof schätzt den Togolesen: «Solche Flüchtlinge setzen ihr Leben für eine bessere Zukunft in Ihrer Heimat ein, wie es die alten Eidgenossen schon taten», schreibt er.

Für Imhof ist klar: Das Asylwesen ist doppelt krank, weil es die Masseneinwanderung nicht stoppt und echte Flüchtlinge nicht erkennt. Ngaine, der also keine Chance auf Asyl habe, weil sein Land ein sogenanntes «sicheres Land» sei, habe nun ein Härtefallgesuch eingereicht. Dieses werde gerade vom Kanton Baselland geprüft. Doch: Im Baselland gibt es kein Härtefallgesuch von Kamuran Ngaine. Auch in Basel-Stadt, Solothurn und Aargau gibt es weder ein Gesuch noch kennt man dort einen Kamuran Ngaine. Auch bei den Anlaufstellen für Asylsuchende und Sans-Papiers in Basel ist er nicht registriert.

Beim Bundesamt für Migration (BFM) gibt man aus Datenschutzgründen keine Informationen zu Einzelpersonen weiter. BFM-Sprecher Jürg Walpen sagt aber: «Togo ist nicht und war noch nie auf der Liste der sicheren Länder.» Folglich hätte Ngaine theoretisch die Chance auf Asyl.

Imhof hat Infos nicht geprüft

Die ORS Service AG, die unter anderem die Asylunterkunft in Allschwil betreibt, liefert weitere Indizien, die an der Wahrheit der SVP-Flüchtlings-Geschichte zweifeln lassen: Ein Aussenstehender wie Renato könne nicht einfach ins Asylheim spazieren und Ngaine für Gartenarbeiten auswählen. Dazu ORS-Sprecher Roman Della Rossa: «Besucher müssen sich anmelden und angeben, wen sie sehen wollen.»

Auch dass Ngaine für eine Privatperson arbeiten durfte, sei sehr unwahrscheinlich. «Asylsuchende dürfen nur gemeinnützige Arbeiten für Gemeinden oder Non-Profit-Organisationen leisten», erklärt Della Rossa. Asylsuchende dürfen nur dann für Private arbeiten, wenn ein Arbeitsvertrag besteht und der Kanton diesen bewilligt.

René Imhof zeigt sich von der Recherche überrascht: «Ich habe die Geschichte per E-Mail erhalten und gedacht, das mache ich mal in die Zeitung.» Das Mail habe er mittlerweile gelöscht. Den Absender kenne er nicht. Hinterfragt hat er nichts. «Ich publiziere, was mir die Leute zutragen», sagt Imhof, der als Bisheriger wieder für den Allschwiler Einwohnerrat kandidiert.