Referendum
Der Abstimmungskampf zur Kunsteisbahn Sissach ist entbrannt

Gegner und Befürworter der Kunsti Sissach geben sich kräftig aufs Dach. Das Referendumskomitee liegt im Clinch mit dem Gemeinderat, währenddessen betonen die Befürworter des Neubaus seine Vorzüge.

Simon Tschopp
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Die Kunsteisbahn Sissach in ihrer heutigen Form.

Die Kunsteisbahn Sissach in ihrer heutigen Form.

bz

Das Referendumskomitee ist sauer. Sein vierseitiges Schreiben mit 20 Fragen an den Gemeinderat kann dieser innert nützlicher Frist nicht beantworten. Das Gegenkomitee «Ja zur Kunsti Sissach» lobt die Eishalle als «nachhaltigen Bau» und weibelt für das neue Projekt. Das Duell für die Abstimmung von Ende November ist lanciert.

«Für eine finanzierbare Kunsti vor dem Hintergrund der weiteren Investitionen» – so nennt sich das Referendumskomitee, das am 28. September einen umfangreichen Fragenkatalog an die Sissacher Exekutive gerichtet hat. Das Komitee um Anwalt André M. Brunner und Architekt Walter Stammbach, Mitglied der Sissacher Bau- und Planungskommission, wollte vom Gemeinderat Auskunft über Finanzierung, Planung und zeitliche Rahmenbedingungen des Grossprojekts. Es forderte Antworten bis zum Zeitpunkt, an dem die Abstimmungserläuterungen erstellt werden müssen. Diese Frist läuft morgen Freitag ab.

«Das ist ein Affront»

Die Stellungnahme des Gemeinderats vom 5. Oktober ans Referendumskomitee fällt mager aus. Der Gemeinderat habe den Fragenkatalog zur Kenntnis genommen, heisst es im Brief und weiter: «Leider können die komplexen Fragen infolge der Herbstferien und der Abwesenheit zuständiger Behördenmitglieder nicht in der erforderlichen Tiefe beantwortet werden.»

«Das ist ein Affront», ärgert sich Walter Stammbach. Er habe kurz vor Eingabe der Frageliste an den Gemeinderat mündlich darauf hingewiesen und erwähnt, dass der Gemeinderat die Antworten als Chance nutzen müsse zu einer aktiven Informationspolitik. Für Stammbach ist klar: «Die Reaktion des Gemeinderats zeigt, dass noch viele Fragen offen sind und das Projekt nicht ausgereift ist.» Sie würden ihre Erläuterungen für die Abstimmungsunterlagen fristgerecht einreichen und wie bisher argumentieren: «Wir sind für eine Kunsti, aber nicht für dieses Projekt.» Das Referendumskomitee wolle keinen Betriebsunterbruch. Mit der laufenden Fünf-Jahres-Garantie für das bestehende Dach habe man genügend Zeit, ein neues Vorhaben seriös aufzugleisen, fügt Walter Stammbach an.

Werbetrommel für Kunsti

Während das Referendumskomitee mit dem Gemeinderat im Clinch liegt, meldet sich die Gegenseite mit einer weiteren Mitteilung. Das Komitee «Ja zur Kunsti Sissach» unter Präsident Ruedi Graf rührt für das Millionen-Projekt kräftig die Werbetrommel und wird nicht müde, dessen Vorzüge zu betonen. Es schreibt: «Die geplante geschlossene Eishalle in Sissach ist ein nachhaltiger Bau: Fast die ganze Dachkonstruktion und Nebenräume werden von der bestehenden Anlage übernommen. Abwärme wird genutzt, der Ölverbrauch massiv reduziert, Eiswasser umweltfreundlich entsorgt. Das durch den Ausbau zur Halle verstärkte Dach entspricht den Minergie-Anforderungen für eine effiziente Energienutzung.»

Vor zwei Jahren wurde die bestehende Dachkonstruktion mit Unterspannern stabilisiert. Dies, weil Kondenswasser Elemente der Holzkonstruktion hatte faulen lassen und deshalb das Dach einsturzgefährdet war. Die Kunsti musste für zwei Jahre geschlossen werden. Nun soll die Kunsteisbahn zur geschlossenen Eishalle umfunktioniert werden. Damit und mit dem zusätzlich abgedämmten Dach können laut Komitee «Ja zur Kunsti Sissach» alle klimatischen und bauphysikalischen Voraussetzungen eingehalten werden. «Es wäre unsinnig, das bestehende Dach abzureissen, um die Kunsti wie früher offen zu betreiben», sagt Ruedi Graf. Alle bisherigen Investitionen in das Dach wären verloren. «So weit darf es nicht kommen.»