CVP-Präsidium
Das Kandidatenfeld lichtet sich rasant

Pascal Ryf mausert sich zum Favoriten, um Marc Scherrer zu beerben, doch die Zeit ist ein Problem.

Michael Nittnaus
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Pascal Ryf mausert sich zum Favoriten für das Präsidium der CVP Baselland, um Marc Scherrer zu beerben, doch die Zeit ist ein Problem

Pascal Ryf mausert sich zum Favoriten für das Präsidium der CVP Baselland, um Marc Scherrer zu beerben, doch die Zeit ist ein Problem

bz

Eigentlich weiss er es genau, doch zugeben möchte es Pascal Ryf noch nicht: «Dass ich der Favorit sein soll, ist mir nicht bewusst», sagt der Landrat aus Oberwil. Doch eine bz-Umfrage unter zwölf der meistgenannten Politiker, die das Präsidium der Baselbieter CVP vom zurücktretenden Marc Scherrer erben könnten, zeigt klar: Ryf ist in der Pole-Position. Denn nicht nur fällt sein Name mit Abstand am häufigsten, wenn man innerhalb der CVP nach dem geeignetsten Nachfolger fragt. Auch ist der 38-jährige Primarschulleiter einer der wenigen, die nicht sofort dezidiert abwinken, sondern sich das Präsidium tatsächlich vorstellen können.

Keller sehr zurückhaltend

Konkret sagten 9 der 12 angefragten CVPler, dass es für sie nicht infrage komme, Ende März den Job des Parteichefs zu übernehmen (siehe Bilder). Nur Ryf und seine beiden Landratskollegen Simon Oberbeck (Birsfelden) und Felix Keller (Allschwil) schliessen es nicht von vornherein aus, dass sie das Amt übernehmen, sollte die Findungskommission um den Advokaten Georg Gremmelspacher auf sie zukommen.

Doch auch unter den dreien gibt es Unterschiede: Keller etwa, der 60-jährige Bauverwalter der Gemeinde Oberwil, sitzt selbst in der Findungskommission und möchte sich am liebsten nicht positionieren: «Mir ist klar, dass ich als Fraktionschef im Landrat schnell im Fokus stehe, aber für mich persönlich ist alles offen.» Das Parteipräsidium sei sicher eine spannende Aufgabe, doch brauche es ein «Wahnsinnsengagement». Und dann folgt doch noch eine halbe Absage: «Momentan liegt das zeitlich nicht drin.» Euphorie klingt anders.

Auch Ryf fehlt eigentlich die Zeit

Schon etwas interessierter klingt Oberbeck. Der 33-jährige Landrat und Birsfelder Gemeinderat fände es «eine sehr reizvolle Aufgabe». Er verweist darauf, dass er ja bereits acht Jahre lang das Präsidium der Jungen CVP Schweiz innehatte. Allerdings spricht auch Oberbeck die hohe Belastung an. «Ich muss mir sicher sehr gut überlegen, ob dies neben Landrat, Gemeinderat und meinem Job als Sprecher der Schweizerischen Rheinhäfen drinliegt.»

Und dann ist da eben noch Ryf. Er sagte schon am Donnerstag, als Marc Scherrer seinen Rücktritt per Ende März bekannt gab, dass er es sich grundsätzlich vorstellen könnte. Gestern präzisiert er: «Das Thema stand schon länger im Raum, da Marc schon signalisiert hat, dass sein Job bei der Manor zunehmend Zeit beanspruche.» Allerdings habe er nicht schon jetzt mit Scherrers Abgang gerechnet. Etwas wird im Gespräch mit dem Oberwiler denn auch klar: So ganz gelegen kommt ihm die Vakanz zum jetzigen Zeitpunkt nicht. «Wenn ich es mache, dann will ich es richtig machen. Doch im Moment liegt es auch bei mir zeitlich nicht drin.» Sein 80-Prozent-Pensum als Schulleiter in Allschwil sei bereits knapp bemessen. Dazu kommen diverse Ämter und Engagements, unter anderem als Präsident der Synode der römisch-katholischen Landeskirche Baselland. Und dann ist da noch etwas: «Mit 38 stellt sich auch langsam die Familienfrage.»

bz

Absagen meist wegen Belastung

Eine Absage ist dies aber nicht, denn Ryf liebt nach eigener Aussage Herausforderungen, auch wenn er betont: «Ich dränge mich nicht vor.» Jemand anderes wird ihm aber kaum vor der Sonne stehen, auch wenn freilich die Findungskommission noch andere Namen präsentieren kann. Von den neun Absagen nennen zwei Drittel die berufliche und politische Auslastung als Grund: die Landräte Franz Meyer und Béatrix von Sury, der Laufner Gemeindepräsident Alex Imhof, der Unternehmer Remo Franz, der Prattler Gemeinderat Emanuel Trueb und die Advokatin und Co-Präsidentin der Jungen CVP Nadja Lüthi. Ihr Vater Giorgio Lüthi hingegen möchte sich nach dieser Legislatur als Münchensteiner Gemeindepräsident zur Ruhe setzen. Und der Röschenzer Gemeindepräsident Remo Oser möchte sich im CVP-Vorstand lieber weiter um zwei Arbeitsgruppen kümmern. Es bleibt Scherrers Vorgängerin Sabrina Corvini. Bereits hätten sich mehrere CVPler bei ihr gemeldet, um zu fragen, ob sie nicht wieder zurückkehre. Doch für Corvini steht momentan die Familie im Vordergrund: «Das Präsidium wieder zu übernehmen, kann ich ausschliessen», sagt sie.

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