Gemeindefinanzen
Budgets der Gemeinde Oberdorf weisen markante Defizite aus: «Jetzt hilft nur noch der politische Weg»

Wie Oberdorfs Finanzchef Michael Wild strukturelle Defizite in Gemeinden bekämpfen will.

Simon Tschopp
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Derzeit ist man im 2500-Seelen-Dorf im Waldenburgertal daran, mit neuem Zonenplan und Zonenreglement Transformationsareale zu entwickeln.

Derzeit ist man im 2500-Seelen-Dorf im Waldenburgertal daran, mit neuem Zonenplan und Zonenreglement Transformationsareale zu entwickeln.

Andreas Hirsbrunner

So kann es nicht weitergehen. Die Budgets der Gemeinde Oberdorf weisen stets markante Defizite aus – fürs kommende Jahr gar rekordverdächtige 1,2 Millionen Franken. «Wir haben alles genau angeschaut und ausgereizt», sagt Michael Wild, seit Anfang Juli zuständiger Gemeinderat für die Finanzen.

Die Massnahmen, welche die von der Exekutive eingesetzte Arbeitsgruppe Gemeindestrukturen vorgeschlagen hat, hätten «nicht sehr viel gebracht». Es gehe nicht bloss um 10000 oder 100000 Franken, sondern um andere Grössenordnungen.

Nun schwebt Wild ein anderer Ansatz vor, um klamme Gemeindefinanzen zu bekämpfen

Oberdorf sei nicht die einzige Gemeinde, anderen gehe es genauso. Für Michael Wild ist klar: «Jetzt hilft nur noch der politische Weg.» Er meint, dass Kommunen via den Verband Basellandschaftlicher Gemeinden eine neue Aufgabenteilung zwischen Gemeinden und Kanton aufgleisen sollten. Denn Gemeinden haben hohe Lasten zu tragen, auf die sie keinen Einfluss haben. Treiber sind Bildung, Gesundheit und soziale Wohlfahrt.

Michael Wild, Gemeinderat Oberdorf

Michael Wild, Gemeinderat Oberdorf

Zur Verfügung gestellt

«In diesen Bereichen haben wir wenig Spielraum. Diese Kosten werden uns entweder von Bund oder Kanton oktroyiert», erklärt der Oberdörfer Finanzchef. So wie es jetzt laufe, schafften sie das nicht mehr oder nicht mehr lange, ist Wild überzeugt und betont: «Ich wage zu behaupten, dass es auch andere Gemeinden auf die Dauer nicht prästieren können.»

Derzeit ist man im 2500-Seelen-Dorf im Waldenburgertal daran, mit neuem Zonenplan und Zonenreglement Transformationsareale zu entwickeln. Damit soll stilles Gewerbe nach Oberdorf gelockt werden, um ein moderates Wachstum zu ermöglichen und mehr Steuersubstrat zu generieren.

An der Budget-Gemeindeversammlung sagte der Souverän deutlich Ja zu einem höheren Steuerfuss von 65 Prozent

Die Steigerung um fünf Prozentpunkte hätte zusätzliche 300000 Franken in die Gemeindekasse spülen sollen. Aber die Coronakrise hat diese Prognose gleich zunichtegemacht. Nun warnt der Gemeinderat: Sollte Oberdorf weiterhin regelmässig Verluste schreiben, ist es per Ende 2022 überschuldet. Das jetzige Eigenkapital von 2,1 Millionen Franken wäre aufgebraucht. In der Privatwirtschaft müsste die Bilanz deponiert werden.

Dennoch kann Michael Wild Ermutigendes vermelden. Die diesjährige Rechnung schliesst gemäss Hochrechnung mit einem positiven Ergebnis ab; budgetiert war ein Fehlbetrag von 384000 Franken. Und Wild ist zuversichtlich. Sein Motto: «Alle Hebel in Bewegung setzen, damit es gut kommt.» Es nütze nichts, den Kopf in den Sand zu stecken und sich vor der Wahrheit zu verschliessen.