Baselbiet
BLKB ist eine starke Bank in einem schwachen Kanton

Die Basellandschaftliche Kantonalbank (BLKB) stellt für den Staat ein kleines Risiko dar – kleiner als jene von Basel. In einer neuen Studie der Privatbank Vontobel wurden die zehn grössten Kantonalbanken und ihr Umfeld untersucht.

Hans-Martin Jermann
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Solide gebaut: Die Basellandschaftliche Kantonalbank (Foto: die Prattler Filiale) hat Erfolg – auch weil sie in der Bevölkerung des Kantons tief verwurzelt ist.

Solide gebaut: Die Basellandschaftliche Kantonalbank (Foto: die Prattler Filiale) hat Erfolg – auch weil sie in der Bevölkerung des Kantons tief verwurzelt ist.

Keystone

Die Basellandschaftliche Kantonalbank (BLKB) ist unter den Staatsinstituten eine Perle. Hingegen kämpft der Kanton, der per unlimitierte Staatsgarantie für die BLKB bürgt, mit Problemen. Dies bestätigt eine neue Studie der Privatbank Vontobel zu den zehn grössten Kantonalbanken und deren Umfeld. Zudem fördert die Studie interessante Details zutage, welche die weitere Debatte um die Kantonsfinanzen befeuern könnten.

Unter die Lupe genommen wurde die Situation in den zehn Kantonen Zürich, Zug, Schwyz, Luzern, Thurgau, St. Gallen, Graubünden, Aargau sowie in den beiden Basel. Die bz beantwortet die fünf wichtigsten Fragen zur Studie.

1. Dass Baselland mit einer hohen Schuldenlast kämpft, ist bekannt. Welche Aussagen zu den Kantonsfinanzen lassen sich darüber hinaus aus der Studie gewinnen?

Unter den zehn Kantonen verfügt Baselland über die schlechteste Haushaltslage. Der Selbstfinanzierungsgrad betrug über die sieben letzten Jahre im Durchschnitt nur 50 Prozent; dies hat zu einer starken Neuverschuldung geführt. Aufschlussreich ist ein Blick auf die Bruttoschulden im Verhältnis zu den Staatseinnahmen (was aussagekräftigere Zahlen ergibt als die Schuldenlast pro Kopf). Acht der zehn Kantone konnten demnach zwischen 2002 und 2011 die Schuldenlast stark senken – darunter Basel-Stadt. Aargau und Baselland traten an Ort. Der Landkanton verspielte damit seine um die Jahrtausendwende gute Position im Benchmark der Kantone.

2. Bei den Bruttoschulden steht Baselland gemessen an den Einnahmen des Kantons immer noch besser da als Basel-Stadt. Oder etwa nicht?

Tatsächlich weist die Studie für Basel-Stadt Bruttoschulden von 94 Prozent der Staatseinnahmen aus, für Baselland sind es «nur» 76 Prozent. Diese Zahlen stammen allerdings von 2011. Mittlerweile wird sich die Situation zuungunsten des Kantons Baselland verändert haben: Wegen der milliardenteuren Sanierung der staatlichen Pensionskasse ist die Schuldenlast auf über 100 Prozent der Staatseinnahmen gestiegen. Dieser Vergleich veranschaulicht: Das Problem des Landkantons ist nicht die Höhe der Schuldenlast an sich – Basel-Stadt ist nicht weit entfernt – sondern die Richtung, die im letzten Jahrzehnt eingeschlagen wurde. Problematischer sieht die Situation zudem aus, wenn man die Schulden des Kantons ins Verhältnis zum hiesigen Bruttoinlandprodukt setzt. Dann ist die Schuldenquote von Baselland doppelt so hoch wie jene von Basel-Stadt.

3. Wie beurteilt die Studie das wirtschaftliche Umfeld im Baselbiet?

Baselland verfügt über ein leicht überdurchschnittliches Ressourcenpotenzial. Dieses umfasst das steuerbare Einkommen der Einwohner, deren Vermögen sowie die Gewinne der im Kanton ansässigen Unternehmen. Baselland liegt hier auf Rang fünf der Kantone, Basel-Stadt auf Rang drei; Spitzenreiter ist Zug. Problematisch aus Baselbieter Sicht ist, dass das Ressourcenpotenzial seit 2008 stagniert. Das Wirtschaftswachstum ist in der Region Basel überdurchschnittlich im Vergleich zu anderen Kantonen, das erwartete Bevölkerungswachstum bis 2020 hingegen in beiden Basel stark unterdurchschnittlich (zwischen 1 bis 1,8 % gegenüber 5,3 % im Schweizer Schnitt). Die Nordwestschweiz erlebt – auch wegen des geringen Bevölkerungswachstums – einen relativ moderaten Anstieg der Immobilienpreise.

4. Vergleichen wir den Kanton mit seiner Kantonalbank. Zu welchen Schlüssen gelangt die Studie dazu?

Die Studie setzt die Aktiva der Kantonalbanken ins Verhältnis zu den jährlichen Einnahmen der jeweiligen Kantone. Die Grösse der Bank bezogen auf die Staatseinnahmen beträgt im Aargau rund 400 Prozent, in Baselland etwas über 600 Prozent, in Basel-Stadt knapp 800 Prozent und in Zürich 1000 Prozent. Je grösser die Bank für einen Kanton, desto schwieriger wäre es für diesen, in einem Notfall, das eigene Staatsinstitut zu kapitalisieren. Die BLKB stellt für den Kanton Baselland ein relativ geringes Risiko dar. Kapitalisierungsrisiken sind in Basel-Stadt, aber auch in Zürich und Schwyz wesentlich grösser. Die BLKB verfügt zudem über ein für Kantonalbanken hohes AA-Minus-Rating (die Basler Kantonalbank BKB «nur» über ein A-Rating).

5. Wie ist die BLKB im Vergleich zu anderen Kantonalbanken aufgestellt?

Die Analysten der Bank Vontobel bestätigen das Bild einer defensiven, in traditionellen Geschäftsfeldern verankerten Kantonalbank. Im Rating zum Risikomanagement erhält die BLKB Bestnoten, die BKB befindet sich auf Rang acht. Die BLKB hat im Heimkanton einen Marktanteil von über 50 Prozent bei den Hypotheken und zwischen 45 und 50 Prozent bei den Einlagen – beides sind sehr hohe Werte. Die Studie lobt ausdrücklich die «sehr starke Kapitalisierung» sowie die hohe Stabilität der Erträge, verweist aber auch darauf, dass die Bank gemessen am Bruttoinlandprodukt eher schwach wächst. Die BLKB ist im traditionellen Zinsgeschäft stark – hier sind zugleich die Margen tief. Die BLKB ist so etwas wie der Prototyp der risikoaversen, soliden und deshalb in stürmischen Zeiten erfolgreichen Bank.