Baselland
Viele Leserinnen und Leser sind sich einig: «Dieser Steuerdschungel nervt»

Eine bz-Kolumne löst ein grosses Echo aus: Der Chrüsimüsi-Versand von Steuerrechnungen im Baselbiet stösst zahlreichen Leserinnen und Lesern sauer auf. Eine Auswahl an eingegangenen Reaktionen und nützlichen Tipps.

Bojan Stula
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Nur wer zu farbigen Markern greift, behält bei den Steuerrechnungen die Übersicht.

Nur wer zu farbigen Markern greift, behält bei den Steuerrechnungen die Übersicht.

Bojan Stula / bz Zeitung für die Region

Ein total unüberschaubares System an Kontoauszügen und Rechnungen, dafür sehr freundliches und verständnisvolles Personal auf der Steuerverwaltung: Auf diesen Nenner lassen sich die zahlreichen Reaktionen aus der Leserschaft bringen, welche die vor zwei Tagen erschienene bz-Kolumne «Bitte eine Vignette für die Steuer» ausgelöst hat.

Der Leidensdruck vieler Baselbieter Steuerzahlerinnen und -zahler scheint gross zu sein. Für einmal nicht wegen des Ausfüllens der Steuererklärung, sondern wegen der zahlreichen Auszüge und Rechnungen, die man übers Jahr von der Steuerverwaltung zugeschickt erhält. Journalisten-Kollege Peter Knechtli, Chefredaktor des Basler Newsportals «OnlineReports», spricht hier von Steuerunterlagen, die jedes Jahr «wie aus einer Stalinorgel» auf die Kundschaft abgefeuert würden.

Dabei lässt sich leicht die Übersicht verlieren, denn provisorische, definitive und Vorausrechnungen lassen sich von der Aufmachung her kaum unterscheiden. Was als Kundenservice gedacht ist, überfordert viele.

Selber Abhilfe schaffen mit Marker und Leuchtstift

Bei fast allen Leserinnen und Lesern kommt deshalb die in der Kolumne geäusserte Idee gut an, die Steuerauszüge je nach Jahr mit einer anderen Farbe zu unterlegen; eben genauso wie bei den Autobahnvignetten. Eine Leserin, die selber in einem Treuhandbüro arbeitet, schreibt:

«Da bin ich ganz Ihrer Meinung! Jedes Jahr ein anderes, blassfarbiges Druckerpapier zu nehmen, würde keine grossen Zusatzkosten verursachen.»

Dieselbe Leserin gibt gleich eine Anleitung mit, wie sie die Übersicht in den Steuerunterlagen behält:

1. Wenn das Couvert kommt, die Jahreszahlen mit einem Markierer einkreisen und oben rechts auch einen fetten Strich machen (2019 war rosa, 2020 war blau und 2021 wird grün).
2. Dann komm ein schwarzer Filzer zum Einsatz. Oben Mitte wird dann «Bund», «Staat» oder «Gemeinde» mit Grossbuchstaben hingeschrieben.
«Vorteil: Das Studium und das Sortieren der grau-in-grauen Belege muss nur einmal gemacht werden. Mit dem Farbstrich oben rechts ist von Weitem das Jahr zu erkennen.»

Als Fachfrau merke sie immer wieder, dass die Kontoauszüge für ihre Kundschaft «ein Buch mit sieben Siegeln» darstellen würden. Für diese Leserin passierte der Sündenfall in der Baselbieter Steuerverwaltung vor ein paar Jahren: «Zu viel einbezahltes Steuergeld wird nicht mehr automatisch auf das Folgejahr umgebucht. Man muss anrufen deswegen und den Anruf nicht vergessen.» Dann aber reagiere das Personal der Steuerverwaltung stets freundlich und hilfsbereit.

Zwischen Verzweiflung und Resignation

Ein Leser aus Füllinsdorf sieht sich dank dieser bz-Kolumne in seinem Selbstwertgefühl gewaltig gestärkt:

«Habe bisher immer gedacht, ich sei der einzige Minderbemittelte im Kanton, der das Steuersystem nicht beherrscht.»

Dann allerdings überwiegt bei ihm die Skepsis:

«Ihren Vorschlag der Farbgebung finde ich super. Befürchte aber, dass es im ‹Kleingedruckten› eine Bestimmung hat, die das verunmöglicht. Vergiss, was man nicht ändern kann, und lass der Steuerverwaltung das offenbar willkommene Vergnügen der jährlichen Umbuchungen.»

Das Kleingedruckte macht einem anderen Leser zu schaffen: «Die Jahreszahlen auf den Einzahlungsscheinen sind immer noch gleich klitzeklein!», schimpft er, obschon er deswegen schon bei der Verwaltung interveniert habe. Eine Leserin aus Nenzlingen stellt gleich das ganze Verrechnungssystem in Frage:

«Seit Jahren verstehen wir nicht, dass man ein so veraltetes System aus dem letzten Jahrhundert verwendet. Es gibt in der Schweiz so viele (...) clevere Softwaresysteme für Steuerverwaltungen. Nur der Kanton Basel-Landschaft hat das noch nicht bemerkt.»

Viele Leserinnen und Leser haben selber schon zum falschen Einzahlungsschein gegriffen. So wie dieser hier:

«Auch ich habe schon mal den falschen Einzahlungsschein einbezahlt und, ‹oh Wunder›, eine Mahnung für den genauen Betrag erhalten, den ich eigentlich zahlen muss. Der wurde zwar für das laufende Steuerjahr verwendet, aber nicht für den geschuldeten Betrag. Steuerdschungel bester Güte.»

Stichwort «Steuerdschungel». Hierzu hat eine Leserin aus Arlesheim eine dezidierte Meinung:

«Sie sprechen mir aus dem Herzen. Dieses ‹Puff› mit den vielen Rechnungen – provisorisch, definitiv, Staat, Bund etc. Man verliert die Übersicht! Ich habe für mich selber angefangen, mit Leuchtstiften zu hantieren. Dieser Dschungel nervt!»

Selbstverständnis à la Baselbiet

Aber nicht nur Leserinnen und Leser nehmen diese Kolumne zum Anlass, ihren Frust loszuwerden, sondern auch Politiker. Ein Landrat verweist auf einige der Vorstösse zum Thema Steuern, die in den vergangenen Jahren im Baselbieter Parlament (oft erfolglos) eingebracht worden sind. Der Lieblingssatz der Redaktion findet sich hierbei in einer Regierungsantwort vom Mai 2020:

«Selbstverständlich weiss die Steuerkundschaft am 30. September des Steuerjahrs noch nicht, wie viel Steuern sie zu bezahlen hat. Wie oben dargelegt, genügt es aber, die Vorausrechnung zu bezahlen, um Verzugszinsen zu vermeiden.»

Eine Rechnung zu bezahlen, ohne die genaue Höhe dieser Rechnung wirklich zu kennen, gilt also gemäss dem Baselbieter System als Selbstverständlichkeit. Denn die definitive Steuerrechnung wird bekanntlich erst Monate nach dem Fälligkeitstermin Ende September zugeschickt. Und das Wort «Vorausrechnung» darf dabei keinesfalls, wie man sonst meinen könnte, mit Freiwilligkeit in Verbindung gebracht werden. Wer zu spät einzahlt, wird mit 6 Prozent Verzugszins bestraft, Frühzahler dagegen nur mit einem 1 Prozent Zins belohnt.

Ein System, das sich für den Kanton lohnt. So hat 2019 Baselland fast 19 Millionen Franken aus Verzugszinsen für zu spät einbezahlte Steuern eingenommen, selber aber nur 1,3 Millionen Vergütungszins an Vorauszahler erstattet.

Zwei gute Nachrichten zum Schluss

Die beiden guten Nachrichten folgen zum Schluss: Wegen Corona wurde zwischen dem 25. März bis 31. Dezember 2020 auf die Erhebung von Verzugszinsen bei den Steuerrechnungen verzichtet.

Zudem stellt die Baselbieter Regierung aufgrund eines 2018 im Landrat überwiesenen Gesetzesvorstosses in Aussicht, den Fälligkeitstermin für die Steuerrechnung nach hinten auf den 30. März des Folgejahres zu verschieben. Bis es so weit ist, wird es aber noch ein paar Jahre dauern.